demütig an ihn hintreten – was befehlen Euer Gnaden?"
"Aber er hat mich gesehen," versetzte begütigend Herr Beil, der noch immer am geöffneten Fenster stand; "er hat sich an mich gewandt, als er zum letzten Mal Ihren Namen rief."
"Aber was mag er wollen?"
"Vielleicht ist ihm jetzt endlich eingefallen, nach was er in seiner Schreibtafel gesucht, und das er, als er es gefunden, wieder vergessen."
"Meinetwegen; er soll zum Teufel gehen! Ich steige nicht die Treppen hinunter."
"Tun Sie es doch," bat Herr Beil. "Bedenken Sie, dass Sie einmal Künstler sind, und wenn Sie auch nicht nötig haben, für Geld zu arbeiten, so arbeiten Sie doch für Beifall. Und der kann Ihnen ja nicht zu teil werden, wenn man Ihnen keine Bestellungen gibt. Auch hat er schon eine ziemliche Zeit gewartet und nach Ihnen gerufen."
"Ja, Sie haben Recht," entgegnete Artur ärgerlich. "Ich sehe ein, ich muss mich wohl draussen im Regen an den Wagen hinstellen und freundlich meinen Kopf neigen. – Wer will gegen den Strom schwimmen, ohne am Ende unterzugehen? Ja, ich fühle meine Fesseln, ich fühle es, dass ich so gut wie jeder Andere ein Sklave der Verhältnisse bin."
Nach diesen Worten schritt der Maler die Treppen hinab, ohne sich jedoch gerade sehr zu beeilen, und trat an den Wagen, aus welchem heraus Herr von Dankwart mit seinen kleinen Armen gegen ihn gestikulirte, während er ihm zurief: "Verzeihen Sie meine Vergesslichkeit; aber, du lieber Gott! wenn man den Kopf so voll hat wie ich, so kann einem das schon arriviren. Dieser köstliche Baron mit seiner Brautschaft ist schuld daran, dass ich ganz und gar meinen Auftrag vergessen. Sehen Sie, hier steht es deutlich geschrieben."
Damit nahm er sein Taschenbuch vom Schoosse, wo er es hingelegt, um es Artur zu zeigen, der sich aber stumm und abwehrend verbeugte.
"Die Frau Herzogin haben nämlich erfahren," fuhr der kleine Mann fort, "dass Sie ein paar vorzügliche Porträts gearbeitet; eins haben wir sogar gesehen: den jungen Grafen Fohrbach, – ausserordentlich schön! – Man hätte das bei uns zu haus nicht besser gemacht. Ich versichere Sie, es ist ein liebenswürdiges Bild."
"Daran ist wohl nur die Persönlichkeit des Grafen schuld, gewiss nicht meine Kunst," erwiderte Artur mit sehr kühlem Tone.
"Sie sind zu bescheiden, mein lieber junger Freund," sagte Herr von Dankwart, wobei er den Versuch machte, den Künstler auf die Schultern zu pätscheln. Da aber seine Aermchen zu kurz waren, auch Artur etwas zurück wich, so blieb es einfach bei dem Versuche. – "Es handelt sich nämlich," fuhr er dann fort, "um das Porträt Seiner Durchlaucht des Herzogs Alfred, des Sohnes der Frau Herzogin; – ein recht angenehmes Aeussere. Seine Durchlaucht wünscht sich nämlich von Ihnen gemalt zu sehen, und wenn Sie geneigt wären, das Porträt sehr bald anzufangen –"
Artur verbeugte sich stumm.
"So würde der Herr Herzog auf unser Zureden wohl die Gnade haben, Sie in nächster Zeit zu den vorbereitenden Sitzungen befehlen zu lassen."
"Ich hoffe nur, dass es mir möglich sein wird," sagte Artur, indem er sich aufrichtete, "meine Zeit mit den Befehlen Seiner Durchlaucht in Einklang zu bringen. Ich habe im Augenblicke sehr viel zu tun."
"Aber wenn der Herr Herzog es wünscht, mein Lieber?" versetzte Herr von Dankwart mit einem einigermassen verwunderten Tone, indem er den Zeigefinger leicht erhob und auf das "w ü n s c h t " einen starken Nachdruck legte.
"Ja, wenn Seine Durchlaucht es wünscht!" lachte Baron Brand ironisch aus der anderen Wagenecke. – "Coeur de rose! Das will schon etwas heissen!"
"Ich erwarte also Ihre Befehle," sprach Artur mit ruhigem Tone und wollte in das Haus zurücktreten.
Doch hielt ihn der kleine Geschäftsmann mit einer hastigen Handbewegung zurück. – "Halt! halt!" rief er; "noch eins, mein lieber Herr Erichsen. Hätte ich doch bald wieder etwas vergessen! Die Frau Herzogin, so sehr sie überzeugt ist von Ihrer grossen Kunst, was die Aehnlichkeit anbelangt, wünschen doch – aber nehmen Sie mir es nicht übel – noch ein bekanntes Gesicht von Ihnen gezeichnet zu sehen, ehe Sie das Porträt Seiner Durchlaucht anfangen. Wissen Sie, mein Lieber, nur gezeichnet, oder ein kleines Aquarell, durchaus kein Oelbild."
"Ich verstehe," erwiderte Artur mit einer bewundernswerten Ruhe; "Ihre Hoheit wollen nur sehen, ob es mir auch leicht gelingt, Jemanden zu treffen."
"So ist's, so ist's, mein Freund! Die Frau Herzogin wünscht es sehr; und obgleich meine Zeit ausserordentlich in Anspruch genommen ist, so biete ich mich doch zu dem Versuche an, und will für Sie zu Haus sein, wenn Sie es wünschen."
"Sie wollen für mich zu Haus sein?" fragte lächelnd der Maler.
"Gewiss, wenn es meine Zeit erlaubt."
"Um versuchsweise Ihr Porträt zu machen?"
"Ja, ja, mein Freund. – Halten Sie es für sehr schwierig?"
"Nein, gewiss nicht!" lachte Artur