– Der Baron Brand und die Polizei!" sagte er mehrmals leise vor sich hin, wobei er mit seinem Bleistift vor die Stirne schlug.
"Soll Sie der Teufel holen mit Ihrer Polizei!" rief der Andere. "Ich werde mich wahrhaftig bei der Frau Herzogin bedanken, dass sie mich damit in Zusammenhang bringt."
"In der besten Absicht, lieber Baron, in der allerbesten Absicht. Ich war es sogar, der das Gespräch auf Sie lenkte; ich tue das gern für meine Freunde. – Warten Sie, – unterbrechen Sie mich nicht! – ich komme darauf. Ich sagte nämlich, es wäre schade, wenn Ihr Aufentalt hier nur ein vorübergehender wäre; man sollte Sie zu fesseln suchen."
"Coeur de rose! – Auf der Polizei? – Ich danke Ihnen."
"Ja, richtig auf der Polizei, so ist's. – Ich hab's! ich hab's! – Gott sei gedankt! Die Frau Herzogin sagte nämlich, es sei ihr ein kleines Gerücht zu Ohren gekommen, von einer Liaison, welche der Baron Brand auf der Polizeidirektion angeknüpft. – Jetzt erinnere ich mich ganz genau; wie kann man so vergesslich sein! – fräulein Auguste ist eine liebenswürdige junge Dame. – Darf man gratuliren?"
"Ach, bleiben Sie mir mit so etwas vom leib!" rief fast entrüstet Herr von Brand. "Das ist mein ewiges Unglück, ja das jedes Junggesellen, sowie er ein Haus betritt, wo heiratsfähige Mädchen sind. – Ist's nicht wahr, Herr Artur? Ihnen wird's auch so gehen? – Und von Ihnen gar nicht zu reden, bester Herr von Dankwart! Denken Sie nur an sich selber; wie oft sagt man Ihnen eine Brautschaft nach!"
"Ja, ja, das ist wahr," entgegnete dieser einigermassen geschmeichelt. – "Also diese Sache ist wieder leeres Geklatsch?"
"Vollkommen grundlos. – Ich bitte, das der Frau Herzogin in meinem Namen zu sagen."
"Werde nicht ermangeln," antwortete Herr von Dankwart; "es hat Allerhöchstdieselben wirklich interessirt. – Werde nicht ermangeln." – Damit schloss er sein Taschenbuch, ohne sich weiter zu erinnern, dass er eigentlich etwas Anderes habe suchen wollen, ja, er erhob sich aus seinem Fauteuil, nachdem er einen blick auf die Standuhr über dem Kamin geworfen, schaute einen Augenblick mit recht nichtssagender Miene an den Wänden umher, wobei er jetzt mit dem kopf nickte, dann denselben auf die Seite neigte, die Augen halb schloss, wieder öffnete, und sich darauf vernehmen liess: "Ganz gut! – ganz gut! – superb! – In der Tat fast vortrefflich! Werde Ihren Namen bestens behalten und der Frau Herzogin melden, dass Sie es verdienen, wenn man etwas für Ihr Renommée tut." – Damit streckte er seine beiden hände aus, als wollte er sie Jemand darreichen, besann sich aber glücklicherweise noch, dass es nur ein Künstler sei, der vor ihm stehe, wesshalb er die linke wieder sinken liess, mit der rechten dagegen den Hut ergriff und darauf mit einer steifen Kopfverneigung durch die Zimmer zur tür hinaus tänzelte.
"Vergessen Sie mir den Herrn Beil nicht," sagte lächelnd der Baron zu Artur. Er hatte den seltsamen blick wohl verstanden, mit dem der Künstler dem Allerhöchsten Geschäftsmann achselzuckend nachgeblickt. – "Durch solche Herren," setzte er flüsternd hinzu, "wird die Kunst oft bei den Grossen der Erde protegirt und gepflegt." – Damit drückte er dem Maler herzlich die Hand und folgte dem vorangegangenen gefährten, der auf den ersten Stufen der Treppe schon wieder ein Pferdegespräch begann und dieses fortsetzte, bis er an seinem Coupé angekommen war, worauf er zum Wagenbau überging und hierüber manch' Schönes und Lehrreiches zum Besten gab.
Sobald der Baron von Brand die tür hinter sich zugezogen, kam Herr Beil aus dem Nebenzimmer hervor, sah seinen Freund mit einem launigen Blicke an, worauf Beide in ein lautes Gelächter ausbrachen.
"eigentlich ist das nicht zum lachen," sagte Artur nach einer kleinen Pause, indem er abermals seine Kohle ergriff; "das kommt her, bringt uns um die besten Morgenstunden, sieht unsere Sachen gar nicht an, und geht dann später in seine vornehmen Cirkel, um über uns und unsere Leistungen ein Urteil zu fällen. – Hole sie Alle mit einander der Teufel! – Es ist doch weiss Gott traurig, dass wir Künstler nicht einmal unsere Freiheit haben, dass wir mehr oder minder von ihnen abhängen – ihre Sklaven sind. – – Doch warum fährt der Wagen drunten nicht weg," fuhr er fort, nachdem er einige Striche auf der Leinwand getan. – "Höre ich nicht meinen Namen rufen! – Die doppelten Fenster dämpfen allen Schall; seien Sie doch so gut, lieber Beil, und schauen ein wenig nach. – Ja, ja, man ruft mich."
Und es war in der Tat so. Kaum hatte Herr Beil den Kopf in's Freie hinausgestreckt, so zog er ihn hastig wieder zurück und sprach lachend: "Da unten beugt sich der Herr von Dankwart oder wie er heisst, zum Halsverdrehen aus seinem Coupé heraus und ruft nach Ihnen."
"Er soll rufen!" entgegnete Artur unmutig. "Hat mich hier fast eine Stunde mit seinen nichtssagenden Reden aufgehalten, und jetzt soll ich noch da hinunter und