1854_Hacklnder_152_220.txt

Baron. "Ja, ja, das Gesicht hat einen guten Ausdruck. – Was ist er eigentlich?"

"Er ister sucht," sagte Artur zögernd, "er wünschteine Stelle zu erhalten, ist augenblicklich ausser Dienst."

"Also Herr Beil ist Geschäftsmann?"

"Ein sehr solider und pünktlicher Mensch in allen seinen arbeiten."

"Führt er eine gewandte Feder? – Spricht er fremde Sprachen?" fragte der Andere.

"Ich glaube, dass ich hierauf mit Ja antworten kann, und was namentlich das Letztere anbelangt, so weiss ich, dass er geläufig französisch spricht und englisch versteht."

"Das wäre nicht so übel," meinte Herr von Brand, indem er einen Augenblick nachdachte. "Würden Sie ihn empfehlen? – das heisst, für seine Rechtlichkeit und gute Aufführung garantiren?"

"Gewiss," entgegnete Artur und schaute den Andern einigermassen erstaunt an. "Hätten Sie vielleicht eine Verwendung für ihn?"

"Ja," versetzte Herr von Brand; "Sie wissen, bester Herr Artur, ich arbeite nicht gern; es ist ein grosser Fehler, ich weiss das wohl, aber man kann sich nicht anders machen, als wie man ist. Nun aber leiden darunter meine Papiere, meine Korrespondenzen. Fände ich nun Jemand, auf den ich mich bei diesen Geschäften verlassen könnte, so wäre ich sehr froh darüber."

"Das trifft sich prächtig!" rief der Maler, der entzückt war, eine so glänzende Unterkunft für seinen Freund zu finden. "Ich garantire für ihn nach allen Richtungen, und obendrein tun Sie wirklich ein gutes Werk, wenn Sie sich seiner annehmen; er steht allein in der Welt."

"Das wäre mir um so lieber," entgegnete der Andere, "denn ich gestehe offenherzig, ich mag es gern leiden, wenn meine vertrauten Diener keinen grossen Anhang haben, namentlich nicht in der Stadt, wo ich bin. – Sie wissen," setzte er lächelnd hinzu, "wir jungen Leute treiben so allerlei; man empfängt bald dies, bald das Billet, man muss bald da, bald dortin schikken, namentlich bei einem sehr bewegten Leben, wie ich es führe, und da ist denn die vollkommenste Diskretion eine Eigenschaft, die ich an meinen Dienern besonders schätze, und wenn ich sie einmal gefunden, immense bezahle."

"Was das anbelangt," versetzte Artur, "so glaube ich, dass ich darin für meinen Freund einstehen kann wie für mich selbst. Es ist das eine kernige, ruhige natur, voll anhänglichkeit gegen Jemand, der ihr Gutes erzeigt, schweigsam, wo er nicht sprechen soll, und voll Humor, wenn er sieht, dass man wünscht, unterhalten zu sein."

"Bei all' den guten Eigenschaften," erwiderte Herr von Brand, "und bei einer so vortrefflichen Garantie, wie Sie, bester Herr Artur, für mich sind, zaudere ich nicht länger, den jungen Mann in meine Dienste zu nehmen. Ich werde ihn sehr anständig stellen; er sei mein Geschäftsmann, nach Befund mein Vertrauter, und ich hoffe, wir werden mit einander zufrieden sein. – Abgemacht! Sagen Sie ihm, er soll sich von heute in drei Tagen Abends um sieben Uhr bei mir einfinden, und sprechen wir jetzt nicht weiter darüber; ich hasse alle Nervenaufregungen, wozu ich namentlich rechne, wenn mir Jemand danken will."

"Aber ich darf Ihnen doch so ganz im Stillen danken," flüsterte Artur, indem er seine Hand ergriff.

"Nun meinetwegen denn," sagte gleichgiltig der Baron, indem er affektirt und matt seine Rechte erhob, die der junge Mann herzlich drückte. – "Jetzt aber hätten Sie lange genug gesucht, bester Herr von Dankwart," fuhr er nach einer Pause laut gähnend fort und wandte seinen Kopf auf die Seite, um den also Angeredeten beschauen zu können. "Die Zeit vergeht, und die halbe Stunde, die ich für Sie übrig hatte, muss längst verflossen sein. – Sehen wir." – Er zog seine Uhr heraus, betrachtete das Zifferblatt und rief dann mit grosser Wichtigkeit: "Schon elf Uhr! – Coeur de rose! Herr von Dankwart, Sie bringen mich um meine beste Zeit. – Haben Sie denn noch nicht Ihre Notiz gefunden?"

"Schon längst," entgegnete wichtig der kleine Mann; "aber während ich darnach sah, fand ich hier eine andere Bemerkung, welche mir interessant schien und Sie betrifft, die ich aber während des Vortrags bei Allerhöchst der Frau Herzogin so flüchtig hingeworfen, dass ich aus den paar Worten den Sinn nicht mehr enträtseln kann."

"So lassen Sie die paar Worte hören," sagte offenbar gelangweilt der Baron.

"Frage an den Baron von Brand," las der kleine Mann und zog die Augenbrauen hoch empor. "Und dahinter steht: Polizei."

"Wa–as?" rief lachend der Andere. "fragen Sie mich was und so viel Sie wollen, aber bleiben Sie mir mit der Polizei vom leib."

"Ich kann das auch nicht zusammen reimen: Sie, bester Baron, und die Polizei. Jetzt zerbreche ich mir seit einer Viertelstunde den Kopf und ich muss doch am Ende heraus bringen, was es heissen soll, denn daneben habe ich noch ein: F.d.n.N. – heisst: für den nächsten Rapport.