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an."

"Aber Sie könnten das, Herr Erichsen," versetzte Herr von Dankwart. "Sie sind ein reicher Mann, wie man mir sagt, der sich keinen schönen Genuss des Lebens zu versagen braucht." Dabei zog er den Mund zusammen wie ein Karpfen und blies den Dampf der Cigarre horizontal von sich. – "Wir sind doch hier in Ihrem elterlichen haus?" fuhr er darauf fort. "Kenne den Papa wohl; mache zuweilen mit ihm Geschäfte. – Apropos! hat er noch immer den kleinen Schimmel? Im vergangenen Herbst wurde er noch von dem Kommerzienrate geritten. – Baron," wandte er sich an diesen, "Sie kennen das Pferd nicht? – ein kapitales Tier, aber alt. Nicht wahr, es ist alt, Herr Erichsen."

"Ja, es ist sehr alt," erwiderte dieser. "Desshalb wird es auch von Papa nicht mehr geritten; es steht drunten im Stalle und soll da in Nutze seine letzten Tage verleben."

"Schön! schön!" rief der kleine Mann. "Aber jetzt müssen Sie mir erlauben, dass ich einmal in meiner Brieftasche nachsehe, – ich habe eine Notiz für Sie gemacht, eine Notiz von Wichtigkeit, kann mich aber nicht mehr darauf besinnen. – Sie verzeihen schon einen Augenblick!"

Artur nickte höflich mit dem kopf und dann legte er die Kohle, mit der er gezeichnet, auf die Staffelei, wischte sich die hände ab und wandte sich gegen den Baron von Brand, der ein kleines Bildchen ergriffen hatte, welches in der Ecke lehnte, und es aufmerksam betrachtete.

Herr von Dankwart hatte sein Taschenbuch heraus gezogen und blätterte langsam darin.

Unterdessen war Herr Beil in's Nebenzimmer gegangen.

"Sie hatten mir auch versprochen, mich zu besuchen," sagte der Baron zu Artur. "Erinnern Sie sich, als wir neulich zusammen nach haus fuhren."

"Und das habe ich nicht vergessen," antwortete der Maler. "Wir Künstler sind aber ein eigenes Volk: oft haben wir Tage und Wochen lang nichts zu tun und schlendern umher, und dann verschliessen wir uns wieder für längere Zeit in unser Atelier und kommen zu gar nichts."

"Und in diesem Stadium befinden Sie sich gerade?"

"Beinahe," entgegnete Artur lächelnd. "Doch bin ich im jetzigen Augenblick weniger vor der Staffelei als sonstwo beschäftigt."

"Ah! ich habe gehört. Man bereitet in Ihrem haus ein hübsches fest vor, ich glaube, Sie wollen lebende Bilder arrangiren. Das ist eine ganz köstliche idee! Ich liebe dergleichen unendlich, das heisst, sehe gerne zu; denn sollten Sie es wohl glauben, mein lieber Herr Artur, ich bin nicht im stand, in irgend einem Bilde mitzustehen. Meine Nerven sind zu schwach dazu. – Sie schütteln ungläubig den Kopf, aber dem ist in Wahrheit so; ich habe es mehrere Male versucht, doch so bald der Vorhang auseinander geht und ich die Lichter sehe, da fängt Alles an, mir vor den Augen herum zu tanzen. – Sehen Sie, jetzt schon, wenn ich nur daran denke, wird es mir heiss und eng."

Bei diesen Worten zog er sein duftendes Taschentuch hervor und fächelte sich kokett die Stirne damit.

Herr von Dankwart liess die Hand mit dem Taschenbuche herabsinken und meinte: "Sie sprachen da eben von lebenden Bildern? – Man weiss das hier nicht zu arrangiren; Sie sollten das an unserem hof sehen! Ah! das macht einen wunderbaren Effekt. Ich versichere Sie, wenn man dort die Auswahl der Bilder betrachtet, die sorgfältig ausgesuchten Darsteller, die trefflich gewählten Kostüme, das unnachahmliche Arrangement des Lichtes, – das ist superb! Man glaubt in der Tat vor einem wirklichen Bilde zu sitzen." – Hiemit erhob er sein Taschenbuch wieder und suchte abermals emsig darin, ohne sich weiter darum zu bekümmern, ob einer der Anwesenden seine Meinung bekämpfen werde oder nicht.

Dies tat übrigens auch Niemand; der Baron wischte mit dem feinen Battisttuche ruhig seinen Schnurrbart, worauf er die Cigarre wieder zwischen seine Lippen nahm. Artur betrachtete die Leinwand auf der Staffelei und schien sich zu freuen, dass die Züge, die dort hervortraten, wenigstens für ihn schon kennbar waren.

"Wer ist der junge Mensch, der eben hier im Zimmer war?" fragte nachlässig Herr von Brand. "Ich sah ihn bisher noch nie in Ihrer Gesellschaft."

Artur, so plötzlich gefragt, wusste nicht gleich, was er antworten sollte. Er half sich aber, indem er, um Zeit zu gewinnen, entgegnete: "Sie meinen den, welcher eben in's Nebenzimmer gegangen ist? – im roten Schlafrock?"

"Richtig, den im sehr langen roten Schlafrock," gab der Baron lächelnd zur Antwort. "Ein merkwürdig gescheidtes Gesicht, kluge Augen." – Dabei schlug er sanft mit der rechten Hand auf die Lehne des Sessels, in welchem er sass. – "Ein Gesicht, welches Zutrauen erweckt," fuhr er alsdann fort; "schade, dass dieser Kopf auf einem so unscheinbaren Körper steht."

"Es ist allerdings schade," erwiderte Artur, "dass das Aeussere meines Freundes nicht sehr empfehlend; sein Inneres dagegen ist vortrefflich; Herr Beil ist ein Mensch voll Herz und Gemüt, dem ich mein ganzes unbedingtes Vertrauen schenken würde."

"So, er heisst Beil?" antwortete der