vergessen zu haben.
"Ein magnifikes Ensemble!" rief er dem Baron zu, der soeben mit Artur einen freundlichen Händedruck gewechselt. "In der Tat vollendet! Bitte Sie, sehen Sie doch, wie ausserordentlich schön die beiden Pferde stehen; dazu die einfachen Geschirre, schön in ihrer Anspruchslosigkeit. Ah! ich muss mir für diese Zusammenstellung selbst ein Kompliment machen. – Und Joseph auf dem Bocke hat das wahre Air eines Kutschers aus gutem haus – aus sehr gutem haus. – Baron, ich begreife in der Tat nicht, wie man es bei hof verantworten mag, dass die Kutscher beim Stillstehen die Peitschen nach links hinüber geneigt halten. Ich kann mir nun einmal nicht helfen; das gibt der ganzen Tournure eine Schattirung von Nachlässigkeit. – Bei uns wagt das kein Kutscher. Sehen Sie Joseph an; Joseph hat die Peitsche, wie es sich gehört, auf dem rechten Schenkel aufgestützt. – Nur so hält der Kutscher eines vornehmen Hauses. – Aber Sie müssen das betrachten, Baron."
"O, ich habe es schon oft gesehen," entgegnete dieser lächelnd. – "Aber bester Herr von Dankwart, wollen Sie nicht erlauben, dass ich Sie an den Zweck unseres Besuches erinnere und Sie mit Herrn Erichsen bekannt mache?"
"Gleich! gleich!" erwiderte der kleine Mann, indem er sich mit beiden Händen auf die Fensterbrüstung stützte und sich auf den Zehen erhob, denn die kurzen Beinchen erlaubten ihm sonst nicht, auf die Strasse zu sehen. – "Gleich, bester Baron, ich verfolge soeben eine ausserordentlich schöne idee: wenn ich mir so die elegante Figur des Handpferdes da unten betrachte, so kommt mir immer wieder der Gedanke, es sei doch eigentlich schade, dass man ein solches Pferd einspannt. – Glauben Sie mir, bester Baron, es würde unter dem Sattel Furore machen." – Damit warf er noch einen letzten, halb schmerzlichen blick auf die Strasse hinab, worauf er sich nun endlich umwandte und in das Nebenzimmer zu den Anderen eilte.
An der Tür desselben geschah es ihm nun abermals, dass er in seiner Zerstreuteit den Herrn Beil für Artur nahm, denn er klopfte dem Ersteren, der sich bescheiden am Eingange hielt, sanft auf die Schultern, während er mit einer Protektionsmiene sagte: "Da sind wir, in der Tat, da sind wir. Freue mich sehr, Ihre Sachen zu sehen. Man ist Allerhöchsten Orts auf Sie aufmerksam geworden; die Frau Herzogin lobt über alle massen ihre wunderbare Ansicht von Carrara."
Herr Beil verbeugte sich verlegen, denn er wusste nicht, ob es an ihm sei, jetzt selbst eine Aufklärung über seine person zu wagen, nachdem dies vorhin der Baron so erfolglos getan.
Dieser lächelte sanft in sein Schnupftuch und Artur zuckte die Achseln.
Herr von Dankwart hatte es sich unterdessen in einem Fauteuil bequem gemacht und blickte an den Wänden umher, wo einige Skizzen und Studien hingen. – "In der Tat," sprach er nach einer kleinen Pause, "diese Ansicht von Carrara hat einiges aufsehen gemacht; ich gratulire Ihnen. Die Frau Herzogin geruhten, das Gemälde schön zu nennen; ich glaube versprechen zu können, dass wenn Sie so fortfahren, Sie nächstens von uns einige Bestellungen erhalten werden."
"Aber Sie irren sich, Herr von Dankwart," sagte Artur sehr ruhig und ohne dass er aufhörte, zu zeichnen, "die Ansicht von Carrara ist nicht von mir; ich male überhaupt keine Landschaften."
"Allerdings nicht von Ihnen," entgegnete einigermassen pikirt der kleine Mann, "aber sie ist von Herrn Erichsen dort. Freilich nicht von Ihnen."
Bei diesen Worten deutete er mit einer leichten Biegung des Kopfes auf Herrn Beil.
"Bester Herr von Dankwart," lachte nun der Baron laut hinaus, "Sie sind heute unsäglich zerstreut. Dort jener Herr an der Staffelei ist der Künstler, den wir besuchen wollten, Herr Erichsen. Er malt aber keine Landschaften, wie Sie sich erinnern wollen; die Ansicht von Carrara ist von Herrn Becker."
Der kleine Mann schaute einen Augenblick befremdet um sich, dann legte er die Hand an die Stirne, schloss für ein paar Sekunden die Augen und sagte hierauf: "Ja sehen Sie, meine Herren, wie man mit den Gedanken abwesend sein kann! Das passirt mir leider sehr häufig. – Ich habe zu viel in meinem kopf," setzte er seufzend hinzu; "es geht nicht auf die Länge der Zeit. Aber entschuldigen Sie mich, Herr Erichsen; es ist mir wirklich recht angenehm, Ihre Bekanntschaft zu erneuern – zu erneuern, denn wie Sie wissen, sahen wir uns bei meinem Freund, dem Grafen Fohrbach." – Dabei neigte er sein Haupt sanft gegen den Künstler und machte mit der rechten Hand eine Bewegung, die einen freundlichen Gruss ausdrükken sollte.
Der Baron hatte sich unterdessen ebenfalls in einem Stuhl niedergelassen, und Artur reichte ihm eine Cigarre. Auch bot er Herrn von Dankwart eine an, der sie aber refusirte, eine eigene hervorzog und anzündete.
"Mit Cigarren," sagte der kleine Mann, "bin ich difficil; ich halte mir ein grosses Lager und rauche nur sechsjährige."
"Womit ich leider nicht dienen kann," entgegnete Artur. "Wissen Sie, wir Künstler leben so von einem Tag in den anderen, kaufen uns heute die Cigarren, die wir morgen rauchen, und legen uns keinen Vorrat