rief Herr Beil hastig. Und dann sprang er davon, um den Wunsch seines Freundes zu erfüllen.
Doch kam er zu spät, denn die Beiden waren schon auf der Treppe und hätten das Umdrehen des Schlüssels hören müssen, wesshalb Herr Beil dies unterliess, indem er es für unschicklich hielt, Jemand die tür dicht vor der Nase zuzusperren. Er machte das dem Maler durch ein Zeichen mit der Hand begreiflich, der achselzuckend fortfuhr, auf die Leinwand zu zeichnen.
Die beiden Herren auf der Treppe waren in eifriger Unterhaltung begriffen; wenigstens sprach der Eine, ein kleiner und magerer Mann, sehr laut und lebhaft, während der Andere sich begnügte, zuweilen mit dem kopf zu nicken oder: ja! ja! zu sagen.
Der kleine Mann sprang lebhaft die Treppen hinauf, wandte sich aber fast auf jeder Stufe um, um sein Gespräch dem Andern in's Gesicht hinein mit mehr Erfolg fortsetzen zu können. – "Bester Baron!" rief er, "Sie mögen sagen, was Sie wollen, – und ich weiss wohl, Sie nehmen Partei für die königlichen Stallmeister, aber das ist gleichviel, ich will meine Behauptung der ganzen Welt gegenüber durchführen; ich habe hier wahrhaftig nicht die Zeit, viele Stunden auf die Dressur meiner Reitpferde zu verwenden, während Jene den ganzen Tag im Sattel sitzen; aber das versichere ich Sie, und Sie können die kompetentesten Richter aufstellen, ich behaupte: es ist im ganzen Marstall nicht ein einziges Pferd so sein geritten, so sorgfältig dressirt, und dadurch – beachten Sie das wohl – nur dadurch von so angenehmen und gefälligen Bewegungen."
Bei diesen letzten Worten war er oben auf der Treppe angekommen und schlug mit dem Knopfe seines Stockes taktmässig in die rechte Handfläche, während er seine stimme erhoben hatte und jede Silbe scharf betonte, sowie mit dem Ausdruck der grössten überzeugung sprach.
"Nicht ein einziges Pferd im ganzen Marstall. – Natürlicherweise nehme ich die aus, welche vor einigen Tagen zum Geschenk für die Frau Herzogin angekommen sind. Die kommen von uns, und da, bester Baron, versteht man zu reiten."
"Hier sind wir am Ziel unserer Fahrt," erwiderte der andere Herr, der die Rede des kleinen Mannes zu unterbrechen versuchte. "Herr Erichsen ist zu haus?" fragte er den Herrn Beil, welcher die tür geöffnet hielt.
Der kleine Mann trat lebhaft in das Gemach, schaute Herrn Beil einen Augenblick forschend in's Gesicht, schien einen Moment nachzudenken, und sagte dann: "Wenn ich nicht ganz irre, so sahen wir uns neulich Abends bei meinem Freund, dem Grafen Fohrbach; Sie ersuchten mich, Ihr Atelier zu besuchen. Nun sehen Sie, ich bin da; ich habe eine Stunde für Sie gefunden und versichere Sie, bei meinen vielen zahlreichen Geschäften will das viel heissen. Aber der Baron Brand sagte mir, ich werde nicht umsonst kommen und einiges recht Gutes sehen."
Herr Beil hatte diesen Redestrom geduldig über sich ergehen lassen, es wäre aber auch vergebliche Mühe gewesen, den kleinen Mann zu unterbrechen, denn nach seiner Gewohnheit sprach er nur Worte, ohne sich viel darum zu bekümmern, ob sie Jemand anhöre. Auch blickte er dabei bald hierhin, bald dortin, und im Zimmer umher, am allerwenigsten aber sah er auf die person, zu der er eben redete. Er schien überhaupt einen festen menschlichen blick nicht gut ertragen zu können.
Der andere Herr liess ihn ebenfalls gewähren, und erst, als er geendigt hatte und nach Luft schnappte, sagte Jener: "Sie irren sich, bester Herr von Dankwart, dies ist nicht Herr Erichsen, – wahrscheinlich einer der Freunde desselben," setzte er mit einem verbindlichen Lächeln hinzu, indem er sich verbeugte.
Herr Beil verbeugte sich ebenfalls und bat die beiden Herren, sich in das dritte Zimmer zu bemühen, wo der Maler immer noch vor seiner Staffelei sass.
Während Herr von Dankwart durch die Zimmer schwebte – man muss diese Bewegung schweben nennen, denn er tänzelte mit seinen kleinen Beinen nur so dahin, blickte dabei bald rechts, bald links, ging nie gerade aus, und zu gleicher Zeit machte sein für den zarten Körper etwas zu schwerer Kopf allerlei selbstständige Bewegungen – blieb er jetzt hier, jetzt dort vor einem Bild, irgend einem seltsamen Möbel, einer Waffe oder sonst etwas stehen, wobei er in Einem fort fragte, ohne aber, gleich vielen der Grössen dieser Erde, eine Antwort abzuwarten, denn wenn er jetzt von einer Landschaft behauptete, sie sei etwas dunkel im Kolorit, oder der Rahmen zu breit und zu schwer für die Leinwand, und alsdann fragte: "Ist sie hier gemalt? – von wem ist sie? – ein Original oder eine Kopie?" so sprang er gleich darauf zu irgend einem interessanten Dolche über, um sich zu erkundigen, ob er ächt montirt oder ob die Klinge in Wahrheit ein Damascener oder vielleicht aus Khorassan sei.
Trotz allem dem hätte er sich wahrscheinlich nicht weiter in den beiden vorderen Zimmern aufgehalten, um diese für ihn so notwendigen Bemerkungen zu machen, wenn er nicht von ungefähr in die Nähe des Fensters geraten wäre, von wo aus er einen blick auf die unten stehenden Pferde und Wagen werfen konnte. Diese fesselten seine ganze Aufmerksamkeit, und er schien das Zimmer, wo er sich befand, den Künstler, dessen Werke er anschauen wollte, kurz alles Andere auf der ganzen weiten Welt für den Augenblick rein