sprechen, vielleicht wäre es möglich, dass man Ihnen eine Stelle in unserem haus geben könnte. – Ich habe Sie ja," setzte er lachend hinzu, "nun einmal an Kindesstatt angenommen, und auf diese Art behalte ich Sie ganz unter meinen Augen."
"Und würden mich unendlich glücklich machen," sagte Herr Beil gerührt. "Ich sehe, dass Sie sich meiner ernstlich annehmen wollen, dass Sie es gut mit mir meinen, und das ist für Jemand, der wie ich so lange in der Welt herumgestossen wurde, der bisher Jedem eine Last war, ein wahrhaft süsses Gefühl." – Er kämpfte bei diesen Worten gewaltsam seine Bewegung nieder und setzte dann mit heiterem Tone hinzu: "Ich sehe mich im geist schon als angehender Bankier oder als junger Kassier, wie ich den Leuten Zahlungen mache und Wechsel diskontire."
"Denken Sie nur an das köstliche Gesicht des Herrn Blaffer, wenn er zu uns kommt, – was ja häufig geschieht, – und Sie ihm plötzlich entgegen treten. – Vorderhand aber denken wir noch nicht daran," fuhr Artur nach einer Pause fort; "wir lassen erst seit Ihrem Verschwinden aus dem haus des Herrn Blaffer einige Zeit vergehen, damit Sie dort etwas in Vergessenheit kommen. Zuerst müssen wir daran gehen, – Sie werden meine Worte nicht übel deuten? – Ihren äusseren Menschen zu restauriren, und gleich heute Morgen, und zwar mit dem kopf anfangen. Ich kenne freilich Ihre leidenschaft für Ihr starkes Haupt- und Bartaar, aber da muss ich Ihnen wahrhaftig etwas wegsprechen."
Herr Beil fuhr bei diesen Worten mit einem komischen Schrecken durch seine schwarzen Haare, worauf er aber lachend sagte: "Seien Sie unbesorgt, ich gebe diesen Lieblingen gern den Abschied! Ich sprach Ihnen ja vorhin schon von einem andern Menschen, den ich angezogen, und zu ihm passen diese Zeichen einer früheren Zeit nicht mehr. Auch kann ich nie mehr die fatale Feuchtigkeit vergessen, die sich am Kanale hier hinein gesetzt, sowie die schauerlichen Eiszapfen, die an meinem Barte hingen, als ich Morgens in dem Winkel kauerte. – Ah! das sind schreckliche Erinnerungen! – Machen Sie desshalb mit mir, was Sie wollen."
"Ich werde es künstlerisch behandeln," erwiderte der Maler, "und werde der Sitzung des Barbiers und des Friseurs mit voller Teilnahme anwohnen. – Schon höre ich draussen anklopfen; es wird einer der Herren sein, die ich für Sie bestellt."
Und so war es auch; zuerst kam der Barbier und dann der Friseur. Herr Beil wurde nach den Anordnungen Arturs von Beiden bedient, wobei sich die Scheere des Haarkünstlers mit einem wahren Appetit in dem dichten Lockenwald seines Opfers zu verbeissen schien. Man hatte gewiss dies Instrument lange Zeit nicht so vergnügt klappern hören; rechts und links fielen die dichten schwarzen Büsche, und als das Werk vollendet war, machte es dem Künstler alle Ehre, und die Versicherung desselben, aus dem kopf sei etwas zu machen, stellte sich als völlige Wahrheit heraus.
Nun war das Haar gekürzt, frisirt, der Kinnbart glatt weggeschoren, der Schnurrbart gestutzt, und als sich Herr Beil hierauf im Spiegel erblickte, nickte er wohlgefällig mit dem kopf und versicherte, er sei vollkommen mit sich zufrieden. Er sah auch in dem schönen Schlafrock, wie er nun dasass in dem kleinen Fauteuil, mehr als anständig, ja fast elegant aus.
Artur hatte sich an seine Staffelei gesetzt und einen grossen Rahmen mit weisser Leinwand vor sich aufgestellt. "Es ist heute ein Festtag," sagte er, "und an solchen mache ich mir das Vergnügen, irgend ein Bild zu ebauchiren, lieber zwei, drei hinter einander, denn es ist eine wahre Wonne für mich, wenn ich meiner Phantasie die Zügel schiessen lassen, und einen Entwurf um den andern auf die Leinwand hinwerfen kann. Heute aber bleibt es bei diesem einzigen, und ich will sehen, ob meine Erinnerung frisch und gut ist."
"Gibt es ein Porträt?" fragte Herr Beil.
"Ja und nein," entgegnete Artur, indem er anfing mit schwarzer Kreide einen Frauenkopf zu skizziren; "es soll eine ideale Gestalt werden, doch für mich mit bekannten Zügen. – Aber wie es mir immer geht," fuhr er nach einer Pause fort, während welcher er einige Striche gemacht hatte, "so werde ich immer im besten arbeiten gestört. Wenn ich mich nicht irre, so rollt eben ein Wagen durch die enge Gasse neben dem haus, und das wird wahrscheinlich mir gelten, denn hier herum ist eigentlich kein Weg für Equipagen. – Tun Sie mir den Gefallen, lieber Freund, treten Sie einen Augenblick an's Fenster und sehen Sie, ob wirklich ein Wagen da heraus kommt und wo er hingeht."
Dreiundfünfzigstes Kapitel.
Im Atelier.
Herr Beil sprang eilfertig an's Fenster, sah eine Weile durch die Scheiben, dann sagte er: "Es ist ein kleiner geschlossener Wagen; jetzt biegt er um die Ecke und will wahrscheinlich zu Ihnen. – Richtig; er fährt bei der tür vor."
Wirklich hörte man ihn in diesem Augenblick an der tür halten.
"Ich will aber jetzt nicht gestört sein!" rief der Maler unmutig. "Tun Sie mir den Gefallen, springen Sie in's Vorzimmer und schliessen Sie die tür zu. Sie sollen mich in Frieden lassen."
"Es sind zwei Herren,"