dasselbe vorzustellen, und erlauben mir, die bescheidenen Kleinigkeiten eines Anzuges, soweit er Ihnen passend ist, in Ihren Schoos zu werfen."
Auf diese freundliche Anrede hin senkte der ehemalige Commis sein Haupt, ergriff, ohne ein Wort zu sprechen, die Hand Arturs und drückte sie innig. Dann folgte er ihm in sein Schlafzimmer.
Eine förmliche Verwandlung war bald bewerkstelligt, und nach einer kleinen Viertelstunde liessen sich die Beiden vor dem Kamine nieder, nachdem Artur aus dem Magazine seiner Junggesellenwirtschaft etwas kalte Küche und eine Flasche herbeigebracht, welchen von Herrn Beil eifrig zugesprochen wurde.
Der Maler sah lächelnd auf sein Gegenüber, denn dieser hatte sich wirklich vorteilhaft verändert. So viel es in der Geschwindigkeit tunlich gewesen, ward Haar und Bart geordnet und sein ganzer übriger Mensch damit in Einklang gebracht; er war mit allem Notwendigsten versehen worden, wovon wir aber nicht weiter sprechen wollen; nur müssen wir erwähnen, dass er an den Füssen buntgestickte Pantoffeln trug, auf welche rote Morgenhosen herabfielen, und dass der carrirte Schlafrock, in den er gehüllt war, etwas sehr lang auf dem Boden nachschleifte.
Nachdem er sich mit Speise und Trank restaurirt, reichte ihm Artur eine Cigarre, die Friedenspfeife, wie er sagte, womit er ihn, den Heimatlosen, nun gänzlich unter seinen Schutz, unter Dach und Fach nehme.
Der ehemalige Commis des Herrn Blaffer zündete sich die feine Havanna an, und sog mit äusserstem Wohlbehagen den wohlriechenden Dampf in sich, um ihn dann langsam wieder von sich zu blasen. Er streckte sich im weichen Fauteuil lang und bequem vor dem Feuer aus, und es war dabei erklärlich, dass ihn ein Schauder überfuhr, wenn er an die vergangenen drei Tage dachte, namentlich an jenen schrecklichen Abend, wo ihm das Gespenst erschienen. – O wäre er doch lieber gleich zu Artur gegangen, nachdem er das Haus seines Prinzipals verlassen! Aber damals rannte er gerade aus, nicht rechts noch links blickend, seinem Verderben entgegen, das ihm aber als kein Verderben erschien, sondern als die Einlasspforte in ein stilles, friedliches Tal, wo er sich in einem dunkeln, aber nicht unheimlichen Winkel ruhig zum Schlafen werde niederlegen können. –
"Das Leben ist doch schön! sagt der unsterbliche Schiller. – Und er hat Recht," fuhr Herr Beil dann seufzend fort: "sie ist schwer von sich zu werfen die süsse Gewohnheit des Daseins. Jetzt begreife ich nicht mehr, wie es einem Menschen einfallen kann, seinem Dasein freiwillig ein Ende machen zu wollen."
Artur hatte aus seiner Kaminecke zugeschaut, wie ein inniges wonniges Gefühl freundliche Strahlen auf dem gesicht seines Gegenüber hervorzauberte. Als derselbe aber hierauf jene Worte ausrief, entgegnete er: "Sie sprechen ja wie ein halber Selbstmörder. Ich habe Sie überhaupt so verändert gefunden, dass Sie mir es nicht übel nehmen können, wenn mich eine kleine Neugierde beschleicht."
"Die zu befriedigen mir eine Erleichterung sein wird," sagte Herr Beil. Und dann erzählte er mit grosser Gewissenhaftigkeit die Vorfälle der letzten Tage bis zu dem Augenblicke, wo ihm jene Gestalt erschienen und ihm das Versprechen abgenommen, den törichten, verbrecherischen Schritt nicht zu tun.
"Das kann unmöglich der Teufel gewesen sein," versetzte Artur, der aufmerksam zugelauscht, und den, während der Andere sprach, zuweilen ein leichter Schauder überflog; denn Herr Beil erzählte das Alles so umständlich, schilderte so natürlich die Qualen seines Herzens und die Zerrissenheit seiner Gedanken. – "Nein, das war gewiss kein böser Geist, denn sonst hätte er Sie ruhig Ihr Vorhaben ausführen lassen."
"Aber ich hörte ihn nicht verschwinden," fuhr Herr Beil fort; "ich blickte auf, es schlug Ein Uhr und er war nicht mehr da."
"Das ist allerdings seltsam, – und Sie erfuhren nichts mehr von ihm?"
"Bis jetzt nicht das Geringste, obgleich ich immer geglaubt, ja gehofft, er werde mir wieder in den Weg treten, umsomehr, als ich seit jener Mitternacht wohl gesehen oder gefühlt, dass ich beständig von Jemand beobachtet werde."
"Das ist eine Ausgeburt Ihrer Phantasie, die Nachwirkung jener Stunde," meinte Artur. "Wenn Sie Jemand beobachtet hätte, so müssten Sie es doch wissen, Sie müssten Jemand gesehen haben."
"Das habe ich auch," erwiderte der Andere mit leiser stimme. "Schon als ich in jener Nacht vom Kanal zurückkehrte und die Strasse wieder betrat, glaubte ich oftmals den Klang von Tritten hinter mir zu hören."
"Das Echo der Ihrigen."
"Das dachte ich anfangs auch, denn wenn ich zögerte, so zögerten die Schritte ebenfalls, wenn ich hielt, so hielten sie auch. Doch um genau zu untersuchen, ob es wirklich der Klang meiner Schritte sei, blieb ich ein paarmal ganz plötzlich und unerwartet stehen, und da hörte ich wohl, dass es kein Echo sei, sondern dass mir wirklich Jemand folge."
"Nun, dass das wenigstens kein Geist war, darüber können Sie sich beruhigen, denn die Phantome gleiten, wie Sie wissen, geräuschlos dahin."
"Ganz richtig, es war weder ein Gespenst, noch war es jene Gestalt, die ich am Kanäle gesehen. In der Nacht verlebte ich einige miserable Stunden: ich kauerte mich in einem Winkel zusammen, bis der Tag kam; ach! es war empfindlich kalt geworden und fror; ich habe schon angenehmere Sonnenaufgänge erlebt. Aber am Ende