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und meinem Gemüte alle Ehre machen.

Während er das dachte, hatte er unverwandt die Stickerei betrachtet, aber so lange und anhaltend, dass ihm Clara befremdet zuschaute. Sie fürchtete schon, ihre Tränen haben ihn verletzt und ihm sehr wehe getan, desshalb bezwang sie sich gewaltsam, trocknete ihre Augen und blickte wieder hell und freundlich auf.

Artur fuhr aus seinen Träumereien empor und mit einem so glücklichen Gefühl im Herzen, dass er es unmöglich vollkommen ausdrücken konnte. Etwas davon spiegelte sich freilich auf seinem gesicht wieder, und dieser Ausdruck war schon so heiter und froh, dass er nun der Tänzerin ein wirkliches Lächeln ablockte.

"Ah! Sie haben mich zu schön beschenkt," sagte er; "liebe Clara, wie soll ich Ihnen dankbar dafür sein! Freilich habe ich Ihnen auch Etwas mitgebracht, aber es ist so unbedeutend und klein, dass es Ihnen vielleicht gar nicht einmal gefällt."

"Es gefällt mir gewiss," entgegnete Clara, und liess ihm ihre Hand, die er bei den letzten Worten ergriffen. Fast hätte sie sie aber wieder zurückgezogen, denn er genirte sich nicht im Geringsten, sondern küsste vor den Augen des Vaters ihre Finger, was er früher nur beim Abschiednehmen auf der halbdunkeln Treppe getan.

Sie errötete stark, fürchtete sich aber, vor ihm zurückzutreten, denn seine Augen glänzten so selig, er blickte sie so überaus freundlich an, dass sie noch viel Aergerem entgegen sah, wenn sie sich das nicht geduldig gefallen liess.

"Aber Sie müssen raten, was ich habe!" rief er und hielt etwas in der rechten zusammen geballten Hand empor.

"Wie ist das möglich?" sagte Clara. "Nein, nein, ich will nicht raten; ich habe Ihnen ja gleich offen und ehrlich gezeigt, was ich für Sie gemacht, und das Gleiche müssen Sie auch tun."

"Sie hatten Ihr Geschenk zuerst mit einem Tuche bedeckt," entgegnete er lustig, "und damit Sie auch das meinige nicht gleich sehen, so machen Sie die Augen zu, bis ich sage, Sie dürfen sie wieder öffnen. – Nicht wahr, lieber Herr Staiger, das kann Clara schon tun?"

"Ja, das meine ich auch," erwiderte der alte Mann; "du kannst in dem Falle die Augen schon zumachen."

"Um so mehr, da Ihr Vater sehen wird, was geschieht," fuhr Artur nicht ohne Bedeutung fort.

"Nun meinetwegen denn," sprach das liebliche Mädchen, indem sie über ihre glänzenden Augen die Augenlider sanft herabfallen liess. – Dabei sah sie sehr blass aus, und jetzt noch mehr als wie einen Moment vorher; ihr Herz schlug gewaltsam und sie konnte sich eines eigentümlichen Gefühls nicht erwehren. Ja, sie zuckte fast zusammen, als nun Artur ihre Hand wieder ergriff, als er langsam ihre Finger öffnete, um einen kalten, glatten Ring daran zu stecken. Sie hob ihre Hand empor, wagte es aber erst ihre Augen zu öffnen, als sie der junge Mann bat, dies zu tun. – Da fielen ihre Blicke auf einen kleinen goldenen Reif, den sie am Finger hatte, einen Ring ohne Zierrat und Stein, einen Ring, dessen Form sie aber wohl kannte.

Was sollte das Alles bedeuten? Der alte Mann sah fragend auf Artur; Clara schlug ihren blick nieder und zitterte so heftig, dass sie sich am Tische festalten musste.

Auch Artur war in diesem Augenblicke erblasst, und auch sein Atem wand sich mühsam aus der Brust. – "Was das heissen soll?" sprach er mit einem sonderbaren Lächeln, wobei seine Augen eigentümlich blinzelten, "das soll heissendass ich die Clara unendlich liebe, und dass sie und keine Andere meine Frau werden soll!" –––––––––––––––––––––––––––

Der geneigte Leser wird uns verzeihen, dass wir hier dieses Kapitel schliessen, aber ein Moment, wie der, welchen nun die drei glücklichen Menschen verlebten, lässt sich unmöglich der Wahrheit gemäss schildern. Wir wollen nur noch sagen, dass Herr Staiger, so glücklich er sich fühlte, doch den Kopf schüttelte und von einer Einwilligung seitens der Eltern Arturs als von einer fast unmöglichen Sache sprach, und dass Clara, die anfangs wie betäubt gestanden, bald darauf so voll Glück und Freude war, wie selten eine menschliche Seele; sie küsste tausendmal den Ring an ihrem Finger, denn dieser Ring gab ihr ein Recht auf die Liebe Arturs; sie brauchte jetzt nicht mehr sich selbst und ihm zu verheimlichen, wie unaussprechlich sie ihn liebe, sie war vollkommen glücklich, sie kannte weiter keine Wünsche und Hoffnungen. – Wenn sie in dem Augenblicke gestorben wäre, so wäre sie hingegangen im glücklichsten Moment ihres Lebensein reiner, unschuldsvoller Engel. –

Zweiundfünfzigstes Kapitel.

Ein nächtlicher Gast.

Wenn man nach einem Abende, wie ihn Artur im vergangenen Kapitel verlebt, nach haus geht, das Herz voll Seligkeit, die Augen strahlend, wenn man zum ersten Male von dem Mädchen, welches man liebt, öffentlich einen zärtlichen Abschied genommen und sie fest an's Herz gedrückt, unbekümmert um Vater und Mutter, Tante und ältere Schwestern, die vielleicht in grosser Verlegenheit, dass ihnen das selbst noch nicht begegnet, den Kopf auf die Seite wenden und bedeutsam husten, so betritt man die Strasse mit einem sonderbaren Gefühle. Man lacht in sich hinein, man reibt sich die hände, man betrachtet die Häuser, ob es in Wahrheit noch dieselben seien