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versteht sich; seid unbesorgt. Unser Vertrag ist ganz einfach; ich bekomme heute die vier Taler, ich lasse Euch in einigen Tagen sagen: Alles ist fertig, Ihr könnt um die und die Stunde den Wagen schicken, Ihr tut so, ich besorge sie hinein, und dann hat er nach Eurer Anweisung zu fahren, wohin er soll. Läuft Alles glücklich ab, so erhalte ich am andern Tag meine zwei Karolin. – Ist's so recht?"

"Dagegen kann ich nichts einwenden," erwiderte Madame Becker. "Und damit Ihr seht, wie bereitwillig ich bin, den Kontrakt einzugehen, so habt ihr hier die vier Taler."

Sie zog bei diesen Worten eine kleine Börse aus der tasche und legte das Geld in vier Stücken hin, welche Madame Wundel vorher genau auf beiden Seiten besah, ehe sie dieselben still lächelnd in ihre tasche steckte.

Hiermit nahm die Unterredung ein plötzliches Ende, denn erstens war die Sache abgemacht, und zweitens kam Emilie, vor welcher Madame Becker überhaupt nicht gerne mit der Sprache heraus gegangen wäre, wieder aus dem Nebenzimmer zurück. Da es auch mittlerweile spät geworden war und sie ihren Zweck erreicht zu haben glaubte, so affektirte sie etwas Müdigkeit und stand nach einigem vergeblichen Nötigen der Hauswirtin, doch noch dableiben zu wollen, mit einem unterdrückten Gähnen auf und versicherte, es sei endlich Zeit, dass sie nach ihrem Hauswesen sehe. – "Marie wird von einer Bekannten, bei der sie den Abend zugebracht, schon lange nach Haus zurückgekehrt sein und nicht wissen, wo ich eigentlich bleibe." – – Da sie nun auf keine Weise zu bestimmen war, noch länger in der, wie sie sagte, so angenehmen Gesellschaft ihrer guten Freundin zu verharren, so wickelte sie die noch übrigen Handschuhe in ein Stück Druckpapier ein, das auf dem Tische lag; Emilie Wundel zündete ein Licht an und begleitete den Gast bis auf die untere Treppe, wo beide von einander einen recht freundlichen Abschied nahmen.

Madame Wundel hatte die vier Geldstücke wieder aus ihrer tasche heraus genommen, sie vor sich hingelegt und mit einem triumphirenden Lächeln angesehen. Sie wollte augenscheinlich ihre Tochter damit überraschen, denn sie war eine gute Mutter, die mit ihren Kindern so weit als möglich Alles gemeinschaftlich genoss und namentlich vor ihrer Aeltesten keine Geheimnisse hatte. Desshalb zeigte sie auch, als Emilie wieder in's Zimmer trat, freundlich lachend auf die vier Talerstücke, indem sie sagte: "Nun, was meinst du dazu? – Verstehe ich es, Jemand was auszupressen? – He!"

"Und das hast du von der Becker?" fragte verwundert die Tochter. "Was der heute überfahren ist, begreife ich nicht; geht da her und schenkt mir ein halbes Dutzend neue Handschuhe. Ist dir je so was vorgekommen?"

"Und mir vier Taler!"

"Auch geschenkt?"

"eigentlich nicht: ich will sie redlich verdienen."

Emilie sah ihre Mutter fragend an.

"Schliess' die tür," fuhr diese fort, "und setze dich daher; ich will dir was mitteilen, aber natürlicherweise halte mir reinen Mund, das ist ein geheimnis; sprich auch mit der Louise nicht darüber."

"Mit der am allerwenigsten," antwortete Emilie mit geringschätzender Miene. Damit schloss sie die tür und setzte sich zu ihrer Mutter hin, welche sich noch ein neues Glas Punsch gemacht hatte und als eine ökonomische Frau den, welchen Madame Becker hatte stehen lassen, in das Glas ihrer Tochter goss.

"Apropos!" sagte sie darauf, während sie ihre hände behaglich über einander legte, "du kennst doch von den Mädchen der Putzmacherin an der Ecke der Kastellstrasse die hübsche schlanke mit dem dunklen Haar? – Sie ist meistens im Laden. Weisst du?"

"Ach ja, ich erinnere mich."

"Wenn du die siehst, fällt dir da nichts ein?"

"Was soll mir da einfallen?" erwiderte Emilie nachdenkend.

"Nun ich meine, erinnert sie dich mit ihrer Figur und ihrem Gesicht nicht an Jemand? – Besinne dich, es ist mir das von grosser Wichtigkeit."

"O, da brauche ich mich nicht lange zu besinnen," sagte die Tochter, die einigermassen verwundert war über die seltsamen fragen ihrer Mutter; "die gleicht der Clara Staiger, und das auf merkwürdige Art."

"Nicht wahr?" rief Madame Wundel. "Sind die beiden nicht zum Verwechseln?"

"Gewiss, für Jemand, der sie nicht ganz genau kennt," erwiderte Emilie. – "Aber was willst du damit?"

"Nun, ich will die Beiden auch verwechseln," entgegnete lachend die Mutter. Worauf sie ihrer Tochter mit kurzen Worten die Verlegenheit aus einander setzte, in welcher sich ihre würdige Freundin, die Madame Becker, befand. "Dass nun," sagte sie schliesslich, "mit dem hochmütigen Fratz da drüben nichts zu machen ist, das weisst du so gut wie ich. – Aber zwei Karolin sind auch kein Spass, und obendrein setze ich mich bei der Becker in grossen Respekt und kann noch öfters ein Geschäft mit ihr machen."

"Vielleicht können wir noch öfters mit ihr Geschäfte machen," versetzte nachdenkend die Tochter.

"Nun, siehst du also," fuhr Madame Wundel fort, "die Putzmacherin kenne ich; die ist zu Allem bereit; ich teile ihr so viel mit, als