?"
Die Andere zuckte mit den Achseln. "Das erfordert viel Zeit," sagte sie, "und nutzt am Ende doch nichts. – Schade! schade! da wären für jeden Helfer ein paar Karolin herausgesprungen."
"Für jeden Helfer?" fragte gierig Madame Wundel. "Aber könnte man mit List nichts anfangen?"
"Wie so mit List?"
"Nun, ich spekulirte zum Beispiel einmal aus, wenn drüben Alles fortgegangen und sie allein zu haus ist, was zuweilen vorkommt."
"Und dann?"
"Dann benachrichtigt man ihn davon, und er soll sein Glück versuchen. Am Ende kann man doch mit so einem Mädel fertig werden."
"Geht nicht!" erwiderte die Becker kopfschüttelnd. "Dazu ist jener Herr zu anständig, wisst Ihr, auch zu vornehm. – Und dann, wie könnte man hier so was riskiren. – Ja, wenn ich sie in meiner Kaserne hätte," fuhr sie lächelnd fort, "rechts und links, oben und unten leere Zimmer, und wo man schon gewöhnt ist, auf ein bischen Geschrei nicht zu achten, da ginge so was. – Aber hier; wo denkt Ihr hin?"
"Und zu Euch lässt sich die nicht hinlocken?"
"Eher zum Teufel! – Nein, ich gebe die ganze Sache dran; man kann sich da auch garstig die Finger verbrennen."
"Aber der Gewinn!" sagte seufzend Madame Wundel.
"Ich hätte gern was für Euch herausgeschlagen, und da wäre es, wie schon gesagt, auf ein paar Karolin nicht angekommen."
Madame Wundel versank in tiefes Nachsinnen, während sich die Andere ein Stück Kuchen herunter schnitt und langsam verzehrte. Dabei sahen die Züge der Hauswirtin nachdenkend und finster aus, und sie fuhr sich zuweilen mit der Hand über die Stirne, woraus man wohl entnehmen konnte, dass sie ihren Kopf abmarterte, um einen Weg zu den verheissenen Goldstücken zu finden.
Nachdem die Weiber so einige Minuten lang stumm einander gegenüber gesessen hatten, schienen die tiefen Betrachtungen der Wundel von einem Erfolge gekrönt zu werden; ihre Augenbrauen hoben sich in die Höhe, ihr Mund zog sich in die Breite, endlich patschte sie mit der Hand schwer auf den Tisch, so dass ihr Gegenüber erschrocken auffuhr, und sagte mit triumphirendem Tone: "Beckere, ich hab's! Seht Ihr, es war doch klug, dass Ihr Euch an mich gewendet habt."
"Nun, was habt Ihr denn?" fragte erstaunt die Andere.
"Ich unternehme die geschichte."
"Wie so?"
"Ich unternehme sie ganz allein; ich liefere Euch das Mädel, wohin Ihr sie haben wollt."
"Ah! geht mir weg, Wundel! Ich glaube, der Punsch war zu stark. – Macht doch keine Flausen."
"Nichts von Flausen; wollt Ihr mir freie Hand lassen und – denn das versteht sich ganz von selbst, – etwas Ordentliches vom Profit versprechen?"
"Aber so sagt mir erst –"
"Sagen kann ich nichts," entgegnete die Andere, indem sie sich die hände rieb; "mir ist auf einmal ein Licht aufgegangen, und so kann es gehen. Wie gesagt, seid froh, dass Ihr zu mir gekommen. Mir ist der Weg, den wir einschlagen müssen, jetzt ganz klar. Wisst Ihr, wenn man so lange in einem haus zusammen wohnt, wie ich und die Staiger's, da lernt man sich genau kennen; und wenn es Einem auch nicht gleich einfällt, mit ein bischen Nachdenken kommt man doch schon an einen Haken, wo man anbandeln kann. – Aber," fügte sie mit emporgezogenen Augenbrauen hinzu, "etwas Geld brauche ich. Ihr sollt zu Eurem Zweck kommen, müsst aber nicht knickerig sein."
"Wenn ich zu meinem Zweck komme," entgegnete Madame Becker nicht ohne einen Anflug von Misstrauen, "so kommt es mir auf ein paar Taler mehr oder weniger nicht an. Aber Ihr solltet mir doch sagen, wie Ihr das anstellen wollt; ich bin auch in der Praxis ziemlich bewandert, aber im vorliegenden Fall geht mir der Faden aus."
"Ihr traut mir nicht recht," bemerkte lächelnd Madame Wundel, die den forschenden blick ihrer Freundin wohl verstanden. – "Aber was habt Ihr dabei zu riskiren? Höchstens ein paar lumpige Taler, die ich zur Einleitung des Geschäfts brauche; die Hauptsache zahlt Ihr mir, wenn Alles vorüber ist."
"Das lässt sich allenfalls hören."
"Und wie viel bekomme ich alsdann später?"
"Nun, was meint Ihr zu zwei Karolin, wie ich vorhin sagte?"
"Und vorher ein paar Taler, die ich notwendig brauche."
"Meinetwegen auch. – Und wie viel denn?"
"Nun, ich denke vier Taler, die ich aber dann sogleich brauche, damit ich morgen an's Geschäft gehen kann."
"Ihr seid ein merkwürdiges Weib," sprach vergnügt lächelnd Madame Becker; "wenn Ihr haltet, was Ihr versprecht, so habe ich eine grosse achtung vor Euch. – Aber seht Euch vor, dass Ihr in keine Ungelegenheit kommt; und etwas bitte ich mir aus: mein Name darf nicht genannt werden, denn wisst Ihr, wenn ich eine Sache nicht selbst in der Hand behalte, so kann ich auch nicht dafür einstehen."
"Das