1854_Hacklnder_152_179.txt

hier geschlossen," sagte er laut und lustig, "und das wäre mir äusserst unangenehm gewesen, denn ich muss Sie noch bei spätem Abend bemühen und Sie um das Neueste bitten, was es in kleinen seidenen Halstüchern für Damen gibt."

"Ah! Herr Doktor!" versetzte das Mädchen, das eifrig aufgesprungen war. "Wir werden nur heute Abend bei Licht die Farben nicht recht unterscheiden können, das nimmt sich Alles bei Tage anders aus."

"Sie haben vollkommen Recht, mein Kind," entgegnete der Herr; "aber meine Zeit am Tage ist ausserordentlich kostbar, namentlich im Winter, wo es so viele Kranke gibt. – Und dann verlasse ich mich auf Ihren Geschmack. – Bringen Sie auch sogleich einen Carton mit Damenhandschuhen, davon kann ich auch etwas brauchen," rief er dem Mädchen nach, das nach dem Hintergrunde gegangen war, um das verlangte zu holen. – "Gott! ich hätte beinahe den ganzen Weihnachtsabend vergessen!"

"Das würde der Frau Doktorin nicht lieb gewesen sein," sprach lächelnd die Ladenjungfer, indem sie die beiden Schachteln auf den Tisch stellte. – "Aber das ist Ihr Scherz, und Sie haben gewiss schon seit mehreren Tagen prächtige Sachen für die lieben kleinen Kinder bereit liegen."

"Ah! das will ich meinen!" erwiderte der Herr; "den Kindern eine Freude zu machen ist leicht; man findet da immer Geschichten, die ihnen gefallen. Aber bei den Erwachsenenist das oft unendlich schwer," setzte er leise hinzu.

"Sehen Sie, Herr Doktor, diese kleinen Shawls sind das Neueste, was wir habenund sehr elegant."

"Ja, – nicht übel. Nehmen wir zwei: einen roten und einen blauen, ich weiss nicht, welche Farbe meine Frau am liebsten hat. – Nun zu den Handschuhen!"

Während das Mädchen den Carton öffnete, der das verlangte entielt, und die zierlichen Pakete heraus legte, trat ein anderer Herr in den Laden, nahm unter der tür seinen Hut ab und schlenkerte ihn hin und her, um einige Schneeflocken zu entfernen, die darauf gefallen waren, da er keinen Regenschirm bei sich hatte. Dann bedeckte er sich wieder und trat an den Ladentisch.

Dieser Herr trug eine Brille, und da ihm die Gläser derselben plötzlich anliefen, als er in das erwärmte Gewölbe trat, so zog er sein Sacktuch heraus, nahm die Brille herunter und putzte sie sorgfältig rein, wobei er mit dem eigentümlichen blick, den die Kurzsichtigen gewöhnlich haben, vor sich hinstarrte.

Das Mädchen bot ihm freundlich einen guten Abend.

"Wählen Sie für mich," sagte der Doktor, der über die Handschuhpakete gebeugt stand, "nehmen wir meinetwegen zwei Dutzend, Numero sieben hat meine Frau; die Farbe will ich Ihnen überlassen."

Der andere Herr hatte seine Brille schnell wieder aufgesetzt, blickte den, der eben sprach, von der Seite an, und dann klopfte er ihm leicht auf die Schulter.

Der Doktor richtete sich in die Höhe.

"Ah! du bist es, Alfons," sagte er. "Was treibt denn dich so spät hier in den Laden?"

"Oh!" erwiderte dieser, "wahrscheinlich dasselbe, was dich hieher führt. Ich brauche ebenfalls noch ein paar Kleinigkeiten für heute Abend. – Ihr kommt doch auch zu uns?"

"Zur allgemeinen Bescheerung; das versteht sich von selbst. Ah! da haben wir noch nie gefehlt."

"Diese Farben sind schön," meinte das Ladenmädchen, indem sie die ausgesuchten Handschuhe vor den Doktor niederlegte, "es ist die gleiche Qualität, die Ihr Herr Schwager vorhin gekauft, nur habe ich andere Farben ausgesucht."

"So, du hast auch Handschuhe für deine Frau gekauft?" versetzte der Doktor mit gleichgiltigem Tone. Da er aber hiebei den blick auf die seinigen warf, so bemerkte er nicht, dass Alfons in diesem Augenblicke auf höchst unangenehme Art sein Gesicht verzog.

"Ja, ich habe auch Handschuhe gekauft," erwiderte dieser nach einer Pause, "natürlich für Mariannen, aber – – nicht zum heutigen Abend; dafür habe ich schon andere Sachen. Ich werde ihr die Handschuhe gelegentlich nächster Tage geben. – Hast du denn schon zu haus den Kindern bescheert?" fragte er darauf, um von etwas Anderem zu sprechen.

"Nein, nein," antwortete der Doktor lustig, "das kommt noch und ich freue mich darauf, als wenn ich selbst ein Kind wäre. Wenn man so den ganzen Abend wie ich, in den verschiedensten Wohnungen herumkommt, und bald hier bald dort jubelnde Kinderstimmen hört, oder den Lichterglanz sieht, wenn sich in irgend einem dunkeln Gange plötzlich eine Tür öffnet, und wenn man das Alles so aus der Ferne und eigentlich teilnahmlos mit ansehen muss, so ist man ordentlich begierig darauf, dies fest auch bei den Seinigen zu feiern."

"Aber der Herr Doktor haben doch heute Abend schon bescheert," sagte lächelnd das Ladenmädchen; "als Sie Nachmittags vorbei fuhren, reichte man dem Kutscher von dem haus gegenüber eine ganze Menge Sachen in den Wagen hinein."

"Ei, ei! der Herr Doktor!" sprach Alfons, indem er unangenehm lächelnd seine Augenbrauen in die Höhe zog.

"Es war nur Kinderspielzeug," fuhr das Ladenmädchen fort.

"Ei der Tausend! auch Kinderspielzeug?" meinte Alfons forschend.