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Sie, von dänischem Leder mit Stahlschloss; ich versichere Sie, bester Freund, es ist gut, dass es mir jetzt noch einfiel, ich hätte böse Feiertage gehabt."

"So kann man Unglück haben!" ruft ein anderer Herr, der eilig in den Laden tritt. – "Bitte um neue Glaskugeln," sagt er zu dem Ladendiener, der mit offenem mund herbeieilt. "Da sehen Sie die Bescheerung!" wendet er sich an den dicken Herrn, "gehe ich noch von hier aus zur Putzmacherinsie hat die Sammetmantille für Madame noch nicht geschicktund da ich warten soll, setze ich mich nieder auf einen Stuhl und auf die Glaskugeln. Es ist nur ein Wunder, dass mir kein Scherben irgendwo eingedrungen ist. – So. – Wie viel macht's?"

"Einen Gulden und zwölf Kreuzer."

"Hier sind sie. – Gute Nacht, ihr Herren, vergnügte Weihnachten!"

Wer aber auch nicht im stand ist, Glaskugeln, Sammetmantillen oder Portemonnaies zu kaufen, wie sie die Staatsrätin hat, ja wer es kaum zu einem verkrüppelten Tannenbaume und zu einigen vergoldeten Nüssen zu bringen vermag, freut sich des Lebens und ist mit den Seinigen heiter und guter Dinge. Das hölzerne Pferd, das der Vater geschenkt erhielt, wird auf's Künstlichste wieder hergerichtet, die Mutter macht einen neuen Zaum, der Vater einen superben Schweif von Baumwolle, der aus der Dintenflasche schwarz gefärbt wird. Am Baume hängen ein paar Brezeln oder einige Wecken an Schnüren, auf dem Tische liegen die neuen Höschen und das neue Wamms mit glänzenden Knöpfen besetzt, und mit weit aufgerissenen Augen wird alles Das betrachtet, bis auf die Rute, die am Baume schwebt, und die verstohlene, ehrerbietige Blicke auf sich zieht.

Selbst die Armen, denen zu Haus kein Weihnachtsbaum glänzt, denen Vater und Mutter nichts zu bescheeren im stand sind, erfreuen sich am heutigen Abend der allgemeinen Pracht und Herrlichkeit und es muss schon ein besonderer Segen in der heutigen Nacht über alle Menschenkinder ausströmen, der Neid und Missgunst nicht aufkommen lässt; denn die Kleinen da draussen vor dem Fenster, die soeben noch frierend durch die Strassen zogen, bleiben jetzt plötzlich stehen, wenn sie den herrlichen Lichterglanz erblicken, klettern an das Fenster des Erdgeschosses empor und blicken mit leuchtenden Augen so lange in die hellbestrahlte stube auf den Tannenbaum mit den vielen Lichtern, auf all' die seltsamen Spielsachen, bis der Hauch ihres eigenen Mundes die Scheibe trübt und Alles in einen dichten Nebel verschwimmt.

Wenn aber ein gutes Kind drinnen im Zimmer sieht, dass vor dem Fenster so arme kleine Geschöpfe stehen, denen der heilige Christ am heutigen Abend nichts bescheert als Hunger und Kälte, so erbittet es sich von den Eltern etwas Spielzeug und Backwerk, öffnet leise das Fenster und reicht es den armen Kindern hinaus. Die nehmen es, und geblendet von dem Lichterglanz glauben sie vielleicht, es sei am Ende das Christkind selbst gewesen, das ihnen bescheert, und eilen mit dieser frohen Botschaft nach haus, indem sie das, was sie erhalten, freudestrahlend vorzeigen.

Dazu läuten die Glocken der Kirche, die tiefen Töne der Orgel dringen aus den geöffneten Türen hervor, und die Menge strömt ab und zu, um die Krippe mit dem heiligen Christus zu sehen, die am Hochaltar entüllt wird. Der Boden der Kirche ist feucht und die Fusstritte hallen wider auf dem Steinpflaster; die Regenschirme und nassen Mäntel verbreiten einen sonderbaren Geruch, und dazu duftet der Weihrauch so bekannt und angenehm. Man verrichtet sein Gebet, eilt wieder hinaus, und vor der Kirchentüre blickt man aufwärts, ob der Himmel ein freundliches Gesicht mache und gute Feiertage verheisse. – Ah! es sind da viele schwarze Wolken: doch wird es über uns an einer kleinen Stelle heller und es erscheint ein schöner blauer, sanft strahlender Stern. Der ist vielleicht ein Prophet für gutes Wetter, oder es ist auch jener Stern, der sich immer über der Krippe des kleinen Christkindes zeigt und dem die heiligen drei Könige nachgegangen. – Ja, der muss es sein, – geschwind nach haus, das muss man den Kindern erzählen! –

Wenn an einem solchen Christabende die Menge der Käufer und Käuferinnen anfängt, in den Gewölben nachzulassen, – das geschieht nun nach sechs Uhr, – so werden die meisten der Läden geschlossen, damit auch die den ganzen Tag so beschäftigten Leute jetzt schon ihren Feiertag beginnen können; oder man lässt vielleicht noch zur Beaufsichtigung des Ganzen eine der Ladenjungfern zurück, die sich alsdann verdriesslich an den Tisch setzt, den Kopf auf die Hand stützt und wohl an ihre Heimat denkt, wo jetzt Alles heiter und vergnügt um den Christbaum steht, während sie hier noch ein paar Stunden allein sitzen muss. Das Geschäft darf noch nicht geschlossen werden: es könnte vielleicht noch ein verspäteter Kunde etwas brauchen.

Diese Vorsicht war denn auch in einem der grössten Läden der Hauptstadt nicht unnötig, und die junge Dame, welche hier sass, hatte sehr Unrecht, als sie soeben einen kleinen Monolog hielt, worin sie von hartem Dienste sprach und von überflüssigen Quälereien, die darin beständen, noch hier sitzen zu müssen, nachdem schon Alles längst auf seine Zimmer gegangen; – denn kaum hatte sie ihn beendigt, so fuhr ein Wagen dicht vor die Ladentüre, und ein Herr, der darin sass, öffnete den Schlag selbst, sprang heraus und trat in das Gewölbe.

"Schon dachte ich, es wäre auch