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anders."

"Ja, ja," sprach die Frau beistimmend.

"Was wird aus den Geschöpfen, die wir in ein fremdes Land hinüber führen? bekommen sie vielleicht einen Herrn, der für sie sorgt, der sie zur Arbeit anhält, der sie lehrt und im Notfalle auch nährt? – Nein! nein! gewiss nicht! Die Buben werden nach und nach Bettler von Profession, Halunken, Spitzbuben, Räuber und Mörder, und die Mädchenna! Denen geht's noch viel schlimmer. – Das versichere ich Euch, Meister Schwemmer, alle Taten unseres Lebens, die wir im Dunkeln verübt, alle die zusammen genommen werden einmal nicht so schwer wiegen, wie der Jammer eines einzigen dieser unglücklichen Geschöpfe, wenn es am Ende eines elenden, sündhaften Lebens verkommen und jammervoll hinter irgend einer Hecke zum Teufel fährt."

Die Frau nickte stumm mit dem kopf, und Herr Sträuber, der, so lange Matias in der Nähe war, ausserordentlich wenig sprach, schien ihn trösten zu wollen, indem er sagte: "Man muss das nicht so genau nehmen bei dem Matias; er hat seine schwachen Augenblicke, nachher hat er doch wieder Alles vergessen."

Für diese Worte warf ihm Matias einen nichts weniger als freundschaftlichen blick zu, dann steckte er die Hand auf die Brust unter seinen Rock und erwiderte: "Leider ist es wahr, dass mir solche Gedanken nur auf Augenblicke kommen, aber auch das ist schon was wert, und ich bin mir gerade recht wie ich bin. Wenn ich auch zuweilen im Schmutz wate, tief bis an die Kniee, so ist es mir doch auch wieder einmal behaglich, trockenen Fusses über einen hohen Berg zu marschiren und ein bischen schöne Aussicht nach vorwärts zu geniessen. Das nennt Ihr freilich hie und da solche Gedanken haben, aber es ist doch, beim Teufel! besser, auch nur bisweilen solche Gedanken zu haben, als immer und ewig im feuchten Dreck daher zu schlampen, der Euch freilich nie recht beschmutzt, aber auch nie nur eine Sekunde lang reinlich erscheinen lässt. – Doch was werfe ich Perlen vor die Säue, wie es in dem Sprichwort heisst!" – Damit schlug er das Papier zusammen, griff nach seinem hut und ging, ohne ein Wort weiter zu verlieren, zum Zimmer und zum haus hinaus.

Herr Sträuber blickte ihm nach, bis er über den Hof verschwunden war, dann gewann er mit einem Male seine ganze Redseligkeit wieder. – "Es ist hart," sagte er, während er seinen Hemdkragen hervor zog, "mit solchen Menschen umgehen zu müssen, für einen Mann von Erziehung, wie ich, mit einem Kerl wie dieser Matias. Würde sich vielleicht kein Gewissen daraus machen, Jemand für ein paar Gulden niederzustechen, und nimmt sich da heraus, vor uns von besseren Gefühlen zu reden. – Das käme m i r vielleicht zu, wenn ich an meine Jugend und früheren Tage denke."

"Er s p r i c h t nicht nur zuweilen etwas Gutes," sagte die Frau, "sondern er t h u t es auch."

"Da wäre ich neugierig," meinte Herr Sträuber.

"Draussen in der Vorstadt, wo wir wohnen, wurde vorgestern ein armer Weber mit sechs lebendigen Kindern und wenigem armseligem Hausrat bei dem scheusslichsten Wetter auf die Strasse gesetzt. Ihr könnt Euch den Jammer gar nicht denken."

"Ja, ich weiss es," bemerkte lächelnd Meister Schwemmer.

"Das Weib," fuhr Frau Bilz fort, "hatte ein kleines Kind an der Brust, und Beide waren blau vor Kälte. Da kam Matias und verschaffte ihnen in einem Hinterhause ein ganz ordentliches Unterkommen."

"Aber er stellte Bedingungen dabei?" fragte besorgt der Hausherr.

"Nein," entgegnete die Frau, "davon weiss ich nichts. – Im Gegenteil: er riet dem mann, Bedingungen, die ihm ein Anderer gestellt haben musste, um keinen Preis einzugehen."

"Soll ihn der Teufel holen!" rief Meister Schwemmer.

"Und was waren das für Bedingungen?" fragte Herr Sträuber.

"Wieder ein Menschenhandel," sagte achselzukkend die Frau.

"Und also der Matias riet im wirklich davon ab?" fragte der Mann am Ofen, der sein Taschentuch zusammen knitterte und es dann schnell an seinen Mund drückte, um einem Hustenanfall zuvor zu kommen, den augenscheinlich der Zorn bei ihm erregt. – "Ja, – ja," sagte er nach einer Weile, als er wieder etwas zu Atem kam, – "sollihnlotweisder Teufelholen! – Verdirbt Einemden sauberstenHandel."

"Seht Ihr wohl," sprach Herr Sträuber, "ist das kameradschaftlich? Das nenne ich unter Freunden Verrat. Und passt nur einmal auf, wir können uns noch Alle vor dem Kerl in Acht nehmen; auf einmal wird man unsere Schliche kennen, wir sind gefasst und er spaziert hohnlachend umher."

"Davon ist kein Gedanke," versetzte Meister Schwemmer, "Matias ist treu und redlich wie Gold. – Sträuber, wie könnt Ihr so Etwas denken!"

"Nehmt Euch ja in Acht," sagte ruhig die Frau, indem sie ihm einen verächtlichen blick zuwarf, "dass Eure Gedanken nicht ausser diesem haus laut werden und ihm zufällig zu Ohren kommen. Das wäre eine scharfe Ecke für Euch; an der könntet Ihr