Jetzt können wir auch an unser Geschäft gehen," sprach Matias. "Ich habe nur warten wollen, bis die Frau kam, denn sie muss mich dieses Mal eine Strecke weges begleiten."
"Richtig! richtig!" versetzte Meister Schwemmer; "wir haben Mädchen bei dem Transport, so ein Stück vier. – Also lasst hören, Matias, was braucht Ihr noch?"
"Der von C. schrieb mir vor einigen Tagen, es sei eine passende gelegenheit da, eine grössere Anzahl hinüber zu bringen, auch könnte er sehr gut im Ganzen ein Stück zwanzig plaziren, natürlicherweise über die Hälfte Buben; sechs, höchstens acht Mädchen dürfen darunter sein."
"Doch nur Mädchen unter zehn Jahren," sagte Herr Sträuber, der unterdessen ein Papier aus der tasche gezogen hatte.
"Versteht sich," entgegnete der Hausherr, "die über sechzehn gehören in ein ganz anderes Register und können viel vorteilhafter in der Nähe untergebracht werden."
"Davon nachher!" versetzte Matias. – – "Um nun den Transport vollzählig zu machen, fehlen mir noch ungefähr zehn Buben, aber es müssen ansehnliche Kerle sein. – Was habt Ihr nun für mich im Auge, und welche Preise wollt Ihr machen? Seid aber billig, denn w i r leiden doch alles Risiko: wenn wir abgefasst werden, ist nicht nur alles Geld hin, sondern es könnte uns auch leicht an den Kragen gehen."
Meister Schwemmer nahm ruhig eine Prise, dann nickte er mit dem kopf und sagte pfiffig lächelnd: "Ja, ja, die Gefahr ist gross, aber nicht so sehr für Euch, wie für mich. Ihr seid gedungen worden, mit den Kindern zu reisen, – was wisst Ihr mehr von der Sache? Ihr tatet nur, was man Euch befohlen, aber an Unsereinem bleibt's hängen. Ihr, Matias, seid ein rüstiger Mann, ohne Anhang: Ihr schlagt Euch im Notfalle durch ein halbes Dutzend Polizeidiener durch, gewinnt das Freie, haltet Euch ein halbes Jahr versteckt und seid ein Mann bei der Stadt wie vorher. – Aber seht mich an: ich bin ein armer kranker Kerl, der sich kaum vom stuhl rühren kann, habe auch noch eine grosse Wirtschaft am Hals, eine Wirtschaft, bei der es mir sehr unangenehm wäre, wenn die da droben einmal ihre Spürnase hinein steckten."
"Wozu das Gefasel!" erwiderte Matias ärgerlich. "Sagt, was Ihr habt und Eure Preise, ich brauch' es ja nicht zu nehmen, wenn es mir nicht ansteht. Und dass Ihr mich schindet, wo Ihr könnt, weiss ich ohne Eure Vorrede. Also heraus mit der Sprache! Könnt Ihr mir ein Stück zehn Buben verschaffen?"
"Seid nur nicht immer so stürmisch!" sagte der Andere. Und dabei zog er unter seinem Sitze ein Papier hervor. "Man meint immer, wir wollen uns am Halse fassen, und scheiden doch meistens als die besten Freunde. – Hier ist eine artige Liste'" fuhr er nach einer kleinen Pause fort, während welcher er in das Papier geblickt, "aber da nicht viele Kinder dabei sind, die keine Eltern mehr haben, so kommt die Sache etwas höher zu stehen."
"Gebt her," sprach rasch Matias, indem er das Papier in die Hand nahm und durchflog. – "Die vier Ohren hier kosten nicht viel, aber für die andern sechs finde ich den Preis unverschämt gestellt. – Da Einer mit vierzig Talern."
"Dessen Stiefmutter ein tüchtiges Geschenk verlangt hat."
"Da Einer sogar mit sechzig Talern."
"Ist schon zehn Jahre alt und hat eine Schwester, die an ihm den Narren gefressen hat. Kostet mich an zwanzig Taler für Briefe und Zeugnisse, um zu beweisen, dass der Bube in eine gute Lehre kommt."
"Wird sich wundern," brummte Matias, während er an den Fingern rechnete. Dann liess er die Hand mit dem Papiere sinken und sagte: "Aber dass sie Alle gerade gewachsen sind, dafür steht Ihr mir natürlich ein."
"Versteht sich von selbst," erwiderte Meister Schwemmer. "Ihr zahlt überhaupt nicht eher, als bis der ganze Transport bei einander ist und Ihr Alles durchgemustert habt. – Na, macht kein so finsteres Gesicht; es ist und bleibt doch ein gutes Geschäftchen."
Matias hatte die hände auf den rücken gelegt und blickte gedankenvoll durch das Fenster in den kleinen Hof.
Frau Bilz, welche gerade vor ihm sass, schaute aufmerksam in seine düsteren Züge, und ihre hände, die bis jetzt über einander lagen, falteten sich langsam zusammen.
"Ich muss überhaupt schon gestehen," sagte Matias nach einer Pause, "dass mir dieses Geschäft vollkommen entleidet ist; es ist doch das Niederträchtigste, was ich kenne, – ein förmlicher Sklavenhandel, und ein Sklavenhandel, weit schlimmer wie der, den sie drüben in Amerika betreiben. Dort wechselt so ein armer Teufel von Schwarzem oder so ein Kind nur seinen Herrn; der eine ist ein bischen besser, der andere ein bischen schlimmer, aber ihr Leben bleibt sich im Allgemeinen gleich; sie müssen freilich arbeiten, sie bekommen auch wohl ihre Schläge, doch an Leib und Seele werden sie darum nicht schlechter, und wenn sie auch durch ein Dutzend der verschiedenartigsten hände gegangen wären. Aber bei dem Sklavenhandel, den wir betreiben, ist es ganz, ganz