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, mit allerlei Kesseln und Eisenwaaren herumhantirte; dazwischen hindurch vernahm man zuweilen, aber aus weiterer Entfernung, das halb unterdrückte Geschrei von kleinen Kindern, bald ein lautes Aufkreischen, bald leises Wimmern derselben.

"Ich bin auf neun Uhr herbestellt," sagte endlich Herr Sträuber "jetzt ist es wenigstens halb Zehn. Was soll ich eigentlich und warum muss ich unnütz warten? Ihr wisst, dass meine Zeit kostbar ist."

"Wir wissen das," entgegnete ruhig Meister Schwemmer, "und da Ihr nichts umsonst tut, so braucht Ihr auch nicht aufzubegehren."

"Aber was soll ich denn?"

"Der Matias wird gleich herkommen; es ist wieder ein artiger Transport bei einander, und den soll er in den nächsten Tagen fortführen. Ihr wisst, dass wir immer was Schriftliches mit einander machen, und da wir Eure geübte Feder kennen, so sollt Ihr das Nötige aufsetzen und nebenbei wieder einige Briefe schreiben über die Gesundheit und das Wohlergehen der Kostkinder."

"Das Erstere meinetwegen," versetzte finster Herr Sträuber, "aber die Briefe zu schreiben ist mir unangenehm; ich lüge nicht gern. – Auch muss ich sagen, dass ich mit jedem Anderen gerner zu tun habe als mit dem Matias; wir passen nicht zu einander."

"Das ist wahr," lachte Frau Bilz, "Ihr lebt immer wie Hunde und Katzen mit einander."

"Sagen wir lieber, wie Katze und Maus," meinte Meister Schwemmer hustend, "denn wenn Ihr den Matias erblickt, so seht Ihr Euch gleich nach einem Schlupfwinkel um."

Herr Sträuber wollte etwas Heftiges erwidern, doch hielt er sich im nächsten Augenblick die Ohren zu, zuckte zusammen und verzog das Gesicht auf eine höchst unangenehme Art. Seine zarten Nerven waren durch das erneuerte Kindergeschrei unangenehm berührt worden, das sich jetzt in den verschiedensten Tönen und wahrhaft ohrenzerreissend vernehmen liess.

Meister Schwemmer klopfte wieder auf das Blech und rief hinüber: "Was ist denn das heute Morgen für ein niederträchtiges Geheul? Schaff' doch in's Teufels Namen einmal Ruhe! – Wo ist denn die Katarine, das schlampige Weibsbild?"

"Ich habe sie ausgeschickt," entgegnete die stimme im Nebenzimmer. "Kann ich doch den Bestien da draussen nicht beständig eine eigene Magd hinstellen; ich möchte wissen, wo das herein kommen sollte!"

"Geh' Sie einen Augenblick hinaus, Frau Bilz," sagte Meister Schwemmer, "bring' Sie die Rangen zur Ruhe!"

Die Frau am Fenster erhob sich und trat in das Nebenzimmer, wo sich Madame Schwemmer befand, ein altes, schmutzig aussehendes Weib; sie hatte einen abgeschossenen Rock an, eine gelb gewordene Schlafjacke, ihre blossen Füsse staken in niedergetretenen Schuhen, und auf dem kopf hatte sie eine alte Haube, unter der nach allen Richtungen das graue, zerzauste Haar hervorstand. Das Gesicht der Dame passte vollkommen zur ganzen Erscheinung, das einzige Lebhafte in demselben waren ihre unheimlich glänzenden Augen, die aber in einigem Rapport zu der stark geröteten Nase zu stehen schienen, – einer Röte, die erklärbar war, wenn man die Schnapsflasche betrachtete, die vor der Frau stand, und wenn man die Düfte roch, die ihrem mund entströmten, wenn sie sprach.

Madame Schwemmer stand in diesem Augenblicke vor einer Falltüre, die sich im Boden befand und die in irgend einen Keller oder sonstiges Gelass führte, und war beschäftigt, dort hinunter allerlei alte Gerätschaften, namentlich Eisen- und Kupferwaaren, zu werfen.

"Geh' Sie einen Augenblick in den Stall!" rief sie der eintretenden Frau Bilz entgegen, "nehm' Sie aber die Peitsche mit, dort hängt sie am Nagel; hau Sie drunter wie unter altes Eisen, da verdient Jedes seine Schläge; – kann das Volk nicht einmal eine halbe Stunde allein und ruhig sein!"

"Aber die kleinsten Kinder schreien auch," entgegnete die Frau, "und da hilft das Prügeln nicht viel."

"So schaut einmal dort auf dem Herde nach, da muss die Katarine ihren Mohnblumentee stehen haben. Giesst ihnen davon etwas in's Maul, damit sie wieder einduseln."

"Aber wenn sie heute Morgen schon bekommen haben, so könnte es ihnen doch zu viel werden."

"Ach! denen wird's nicht zu viel," entgegnete Madame Schwemmer; "ich sage Euch, Frau, je weniger man sich aus dem Zeug macht, und je schlechter man es behandelt, um so besser gedeiht's. Nehmt nur die Peitsche und den Tee!"

"Na, was das Gedeihen anbelangt, da wollen wir lieber still schweigen."

"Gedeihen?" erwiderte Madame Schwemmer verwundert. "Allerdings gedeiht's, das heisst, wie es für uns gedeihen muss, so langsam in den Himmel hinein. Man wird die Geschöpfe doch nicht aufziehen sollen bis sie gross sind? Da käme man weit mit seinem Geschäft; da muss eins dem andern Platz machen, das gibt neues Eintrittsgeld; und an den Begräbnisskosten ist auch was zu verdienen."

Frau Bilz ging achselzuckend nach der tür, drehte sich aber unter derselben herum und sagte: "Und das Eine ist auch drüben? – das, welches ich vor acht Tagen hergeliefert?"

"Allerdings," versetzte Madame Schwemmer, indem sie ihre Schnapsflasche hastig verbarg, die sie an den Mund führen wollte, sobald ihr Jene den Rükken gewendet. – "Das ist zäh