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, sonst müsste offenbar dies zudringliche fragen nach Sachen, die Euch durchaus nichts angehen, mit einem stolzen Stillschweigen beantwortet werden. – Im Uebrigen kostet das Tuch zwei Gulden, nicht einen Kreuzer weniger."

"Zwei Gulden!" lachte die Frau mit geringschätzender Miene, erfasste aber eifrig einen Zipfel des fraglichen Gegenstandes, um ihn näher zu betrachten.

"Halt da!" sprach Herr Sträuber mit grosser Gelassenheit, "zwei Gulden und dann das Tuch."

"Aber ich darf es doch vorher ansehen?"

"Nicht die idee einer Tertie vorher; das Tuch hat zehnmal so viel wirklichen Wert. – Dann kommt es auch," setzte er seufzend hinzu, "von einer schönen Herzogin, die –"

Der Mann am Ofen wollte laut hinaus lachen, brachte es aber nur zu einem grässlichen Hustenanfall; worauf sich der Andere geringschätzend nach ihm umwandte und verächtlich die Achseln zuckte.

"Nun, ich will Euch was sagen," meinte Frau Bilz, "für das Tuch gebe ich Euch einen Gulden, und lege noch dreissig Kreuzer darauf für das Andenken an die schöne Herzogin. – Hier ist klingendes Geld, nehmt es, denn ich weiss, dass Ihr sehr auf dem Trockenen seid."

"Da irrt Ihr Euch," entgegnete gelassen Herr Sträuber und zog das gefundene Portemonnai heraus. "Seht her, wie ich bei Kasse bin, – das Honorar eines Clienten, für den ich einen schwierigen Prozess gewonnen; es handelte sich dabei um nichts Geringeres, als die ersten Advokaten des Gerichtshofes total hinter das Licht zu führen. – Ich tat es."

"O weh! er hat Geld," rief die Frau; "da kostet mich das lumpige Tuch zwei Gulden."

"Und vierundzwanzig Kreuzer," sagte gravitätisch Herr Sträuber; "sein Wert steigt mit jedem Zaudern."

"Nun denn, in's Teufels Namen, gebt her!" versetzte ärgerlich das Weib, warf einen Fünffrankentaler auf den Tisch und zog dann das Tuch hastig an sich. – "Das sind vier Kreuzer weniger, das hält uns an einander."

Bei diesen Worten breitete sie das Tuch gegen das Licht aus, und als sie sah, dass es vollkommen unversehrt war, steckte sie es schmunzelnd ein.

"Braucht Ihr auch Ohrringe?" fragte Herr Sträuber nach einer kleinen Pause, während welcher er aus seiner Cigarre mächtige Züge getan. – "Fast neue goldene Ohrringe."

"Auch von einer Herzogin?"

"Nein, Herzoginnen tragen nur Brillanten. Doch wie solltet Ihr das wissen? Diese Ohrringe liess ich für ein Patchen von mir machen, sie waren aber etwas zu gross ausgefallen, und nun will der Spitzbub von Juwelier sie nur für den Goldwert zurücknehmen. – Da sind sie."

"Ei!" rief der Mann am Ofen, "Goldsachen! – Das ist mein Geschäft; lasst die Finger davon, Frau Bilz, und begnügt Euch mit Euren Lumpen. – Gebt mir die Ohrringe einmal her!"

"Hier sind sie," sagte die Frau; worauf sie dem Meister Schwemmer die Ringe gab. "Aber Euer Patchen," wandte sie sich hierauf an Herrn Sträuber, "muss ein recht ungewaschenes Ding sein: von einmaligem Anprobiren sind die Ohrringe schon ganz angelaufen! – Da ist auch ein Blutflecken."

"Lasst mich aus mit Euren Dummheiten!" schnaubte sie Herr Sträuber an. – – "Blut, Blut! Mit Eurem miserablen Gewäsch! Ihr wisst wohl, dass ich das nicht leiden kann."

"Richtig," sprach der Mann am Ofen, "er kann das nicht leiden, kann's auch weder sehen noch riechen, das hat er bei vielen Veranlassungen bewiesen. – Nun, ihr braucht Euch nicht zu ärgern, es ist einmal Eure Art so, Ihr habt Sympatien für schöne Herzoginnen, aber nicht für das Dreinschlagen."

Meister Schwemmer hustete hierauf gewaltig, dann erhob er seinen Knotenstock und klopfte damit auf ein Blech hinter dem Ofen, worauf eine Weiberstimme aus dem Nebenzimmer sogleich fragte: "Was gibt's denn?"

"Bring' mir den Probirstein und die Goldwage."

Bei dem Schlag auf das Blech war der Herr Sträuber erschrocken zusammen gefahren. Wahrscheinlich hatte das Gespräch von Blut seine Nerven irritirt, denn er warf hastig seinen Kopf herum und murmelte alsdann etwas von rohem Volk, von Mangel an Erziehung und Bildung und vom Unglück eines honetten Menschen, der durch Ungunst der Verhältnisse gezwungen sei, unter solcher Canaille zu leben.

"Das Gold ist gut," sagte Meister Schwemmer, "sechzehnkarätig; ich zahle Euch dafür einen Gulden und dreissig Kreuzer; und wahrhaftig nur so viel, weil der Blutflecken daran ist; seit ich meinen Blutusten habe, macht es mir doppeltes Vergnügen, dergleichen auch von Anderen zu sehen. – Wollt Ihr einen Gulden und dreissig Kreuzer?"

"Meinetwegen! meinetwegen!" versetzte hastig Herr Sträuber, "obgleich ich den bittersten Schaden daran habe, denn mich kosten sie sechs Gulden."

Beide Teile schienen indessen mit dem gemachten Handel wohl zufrieden zu sein. Herr Sträuber strich sein Geld ein und Meister Schwemmer polirte mit dem rotkarrirten Taschentuch eifrigst an den Ohrringen, bis sie wieder in hellem Glanze strahlten.

Es trat hier eine Pause ein, nur zuweilen unterbrochen von einem leisen Husten des Mannes am Ofen, oder von einem Geklapper im Nebenzimmer, wo das Weib, welches vorhin die Goldwage gebracht