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sollten, so zeigen Sie solche Ihrer Schwester Mariedie Uhr ist damals stehen gebliebenund sagen ihr dazu, das sei die gewisse Stunde. – Hier ist ferner noch ein kleiner Ring, den bitte ich Marien so bald als möglich einzuhändigen; bemerken Sie ihr hiebei, es habe unser Leben viel Unglück betroffen, aber es werde wahrscheinlich eine Zeit kommen, wo wir Beide in eine gewisse klarheit kämen, und in einen Zustand, den man ein schöneres Wiedersehen nennt. Wenn das, wie ich nicht anders glaube, körperlich vor sich geht, so werde ich sogleich nach ihrer Hand schielen und nach jenem Ringe, und es sollte mich innig, innig freuen, wenn ich ihn an einem ihrer Finger bemerken, das heisst, wenn ich ahnen würde, dass sie ihn mir zum Andenken so lange getragen."

August schüttelte den Kopf und sah seinen Freund verwundert an. – "Sie sprechen da Worte," sagte er, "die ich nicht völlig verstehe, und tun Dinge, die ich nicht begreife. – Warum wollen Sie alle Ihre Sachen hier lassen, da Sie doch nicht mehr in dies Haus zurückkehren werden, und da Sie keine anderen haben, wie ich wohl weiss?"

"Das Letzte ist vollkommen richtig," entgegnete lächelnd Herr Beil; "aber unter uns gesagt, ich bin eben im Begriff, in eine neue Carrière zu treten, und einen ganz anderen Menschen anzuziehen. Und daran würden mich diese Fetzen hindern; sprechen wir also nicht weiter darüber, tun Sie, was ich Ihnen gesagt und lassen Sie mich ohne Sang und Klang meiner Wege ziehen."

"O, es kann Ihr Ernst nicht sein, heute Nacht dies Haus zu verlassen! Es ist schon spät, Sie werden kaum noch sonst irgendwie eine tür offen finden."

"O ja, ich finde schon noch ein Haus offen," versetzte der Andere mit einem leichten Schauder, "und wenn ich da einmal eingetreten bin, so wird meine Ankunft einiges Geräusch verursachen. Es werden sich um mich Leute bemühen, die mich bis jetzt gar nicht gekannt, man wird mich aufs Feinste bedienen und ich werde mehrere Kammerdiener haben, die für meinen Anzug und meine Frisur sorgen; darauf wird man sich auch bemühen, mir ein eigenes Haus zu bauen, und wenn ich dort eingezogen sein werde, so könnte es mir am Ende auch wie einem hohen Herrn ergehen, der von seiner Grafschaft Besitz nimmt, bei dessen Ankunft die Glocken zusammen läuten und das Volk herbeiströmt."

"Ach! Sie machen wieder Ihre Spässe," entgegnete der Lehrling. "Wenn Sie ein solches Haus haben könnten, so würden Sie schon lange dahin gegangen sein und hätten nicht Jahre lang dieses Leben geführt."

"Da haben Sie wieder einmal Recht," sagte tief bewegt Herr Beil, während er seine Hand auf die Schulter des jungen Menschen legte. "Kinder und Narren sprechen die Wahrheit. Ich hätte allerdings meinem Herzen Manches erspart, wenn ich früher heimgegangen wäre, vielleicht ganz früh, als ich noch ein kleines Kind war und nichts von Sklavengeschichten wusste. Damals hätte es meine Eltern gefreut, wenn ich ihnen gefolgt wäre."

"Aber Sie werden mir doch Nachrichten von sich geben," meinte August. "Tun Sie das doch ja, und wenn Sie nicht gar zu weit weg wohnen, so werde ich Sie, sobald ich kann besuchen."

"Ihnen Nachrichten zu geben wird etwas schwer sein; von dort hieher sind die Posteinrichtungen noch ziemlich mangelhaft; aber was einen Besuch betrifft, so können Sie darüber ganz ruhig sein, ich bin überzeugt, dass es über kurz oder lang dazu kommen wird und wir alsdann ein freudiges Wiedersehen feiern."

August schüttelte den Kopf und meinte nach einer Pause: "Sie sprechen immer in so unbestimmten Ausdrücken, und ich begreife nicht, wesshalb Sie vor mir all' die Heimlichkeiten haben. Sie könnten mir wenigstens eine Adresse da lassen, damit ich im stand wäre, Ihnen nächstens einmal Nachrichten von uns zu geben; es wird Sie doch gewiss interessiren, zu erfahren, wie es mir und Marie eigentlich geht."

"Seien Sie unbesorgt," erwiderte der Commis, "ich werde das seiner Zeit gewiss schon erfahren. – Wissen Sie," setzte er eigentümlich lächelnd hinzu, "wenn auch das Haus, in das man mich dringend eingeladen hat, ziemlich abgelegen ist, so bin ich doch überzeugt, dass es in mannigfaltigem Rapport mit der äusseren Welt steht, namentlich Sommers, wo die Nachtigallen schlagen, wo die Rosen blühen und verschiedenartige Blumen ihre kleinen Wurzeln tief, tief hinab in die Erde treiben. – – Es ist das ein ganz merkwürdiges Haus," fuhr er nach einem längeren Stillschweigen fort, "und es hat Aehnlichkeit mit den Palästen und hängenden Gärten der Semiramis, denn man wohnt dort parterre und hat über sich die schönsten Terrassen, bedeckt mit Grün und blühenden Blumen. – Aber jetzt genug der Faseleien: die Zeit verrinnt; leben Sie wohl, teurer Antonius!"

Der junge Mensch nahm mit seinen beiden Händen traurig die dargebotene Rechte und sagte mit wehmütiger stimme: "Leider weiss ich wohl, dass, wenn Sie einmal einen Entschluss gefasst haben, es ganz unmöglich ist, Sie davon abzubringen. Aber Sie hätten wohl das Haus morgen Früh verlassen können; wer weiss, es hätte sich doch vielleicht noch Manches besser gemacht."

"Das ist Alles vorbei,