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zwischen jener Sklavengeschichte und Manchem, was hier im haus geschehen ist, nicht eine gewisse Aehnlichkeit?"

"Nicht sogleich," entgegnete August.

"Na, besinnen Sie sich einmal, ist Ihnen nie was von Hunger und Schlägen passirt?"

"O ja doch, dessen erinnere ich mich wohl."

"Und Ihre Schwester? –"

"Auch sie hat mir manchmal geklagt, er habe sie gestossen und dergleichen."

"Und dann sie wieder gehätschelt und ihr gute Worte gegeben –?"

"Ja, und jetzt fällt mir noch eine Aehnlichkeit ein."

"Nun, Gott sei Dank! dass Ihnen endlich ein Licht aufgeht."

"Meine Schwester ist auch einmal heimlicher Weise fortgegangen."

"Sehen Sie wohl," sagte Herr Beil, indem er die Zähne auf einander biss. – "Und da fanden sich auch zwei vornehme und reiche Damen, die ihr halfen?"

"Nein," erwiderte traurig der junge Mensch, "sie ging zu ihrer Patin, einer wohlhabenden und sehr frommen Frau. Die hat sie aber schön empfangen. Wie kannst du dich unterstehen, sprach sie, von einem so braven Herrn wegzulaufen, wie der Herr Blaffer ist! Glaubst du, ich werde dich in deinem Ungehorsam unterstützen? Nicht eine Stunde darfst du hier in meinem haus bleiben, darfst mich überhaupt nie mehr besuchen, bis du mir schriftlich von deinem Herrn bringst, dass er dir deine Unart verziehen und wieder vollkommen mit dir zufrieden ist."

"Das zeugnis wird er ihr jetzt geben können," sagte düster und wie zu sich selbst sprechend Herr Beil. Dann wandte er sich wieder an den Lehrling. – "Und Marie hat der Alten nicht gesagt, wesshalb sie das Haus verlassen?"

"O ja, das tat sie; aber da hob die Patin die hände zum Himmel auf, verdrehte andächtig ihre Augen und erwiderte: Gott sei uns Sünder gnädig! der Mensch ist schwach und wenn dein Herr je so etwas gesagt hat, so hast du ihn gewiss durch ein leichtfertiges Betragen hiezu aufgemuntert."

"Amen!" sprach laut lachend der Commis.

"Darauf schickte die Patin meine Schwester aus dem haus, und Marie kam wieder hieher zurück."

"O ich weiss, ich weiss das!" rief gewaltsam ausbrechend der Andere. "Sie blieb einen Tag auf ihrem Zimmer; hier in dieser kammer, auf diesem Bette sass sie, ein Bild des Jammers; und ich schlich mich zu ihr herauf, nahm ihre Hand und versuchte sie zu trösten."

"Ich weiss, ich weiss."

"Da kam jener schreckliche Auftritt! Der Sklavenhändler kam hier herauf, und da er mich sah, übermannte ihn eine eifersüchtige Wut und er schlug mir mit dem Stocke, den er in der Hand trug, über den Kopf; die Narbe wird nie vergehen. Aber nur Marie ist schuld, dass ich ihn damals nicht umgebracht. Ja, ich hätte ihn doch niedergeworfen, obgleich er fester auf seinen Füssen steht als ich. – Darauf musste sie hinunterziehen in den ersten Stock, und dort blieb sie ein paar Tage eingeschlossen; wir haben sie Beide nicht mehr gesehen. Es wurde eine Magd angeschafft, wir beide speisten Mittags und Abends allein, und ichbekam meinen Abschied. – Hurrah: das vergnügte Leben fängt an!"

"Aber nach allem dem, was Sie hier erduldet, muss es Ihnen doch im Ganzen angenehm sein, wenn Sie dieses Haus verlassen können," meinte der Lehrling.

"Lieber Freund, Sie sprechen wie Sie es verstehen. Glauben Sie denn, dass ich es ohne die gewichtigsten Gründe überhaupt länger als ein paar Tage bei dem Herrn Blaffer ausgehalten hätte? Ach! durch gewisse Sachen, deren Mitteilung Ihnen nichts nützen würde, hatte er mich von Anfang an in der Hand; dann erschien auch Ihre Schwester, und das war ein starkes Band, welches mich an dieses Haus kettete; ja, das würde mich an die Hölle festschliessen, wenn ich am Ende aller Qualen nur den kleinsten Hoffnungsstrahl glänzen sähe. – Aber so ist Alles Nacht, – tiefe, dunkle Nacht."

"Aber wenn Sie meine Schwester wirklich so gerne haben, wie Sie sagen, so müsste es Sie doch eigentlich freuen, dass sie nicht mehr die Magd hier im haus zu machen braucht und dass sie nicht mehr nötig hat, hier oben in der kalten kammer zu schlafen. Ich versichere Sie, es geht ihr jetzt recht gut, sie bewohnt drunten ein angenehmes Zimmer und näht und stickt den ganzen Tag."

Der Commis schaute bei diesen Worten den jungen Menschen achselzuckend an, dann murmelte er zwischen den Zähnen: "Da helfen keine Katzenköpfe, um den zur erkenntnis zu bringen. – Also sie näht und stickt?" fuhr er lauter fort; "und was treibt sie nebenbei? lacht sie oder weint sie?"

"Singen habe ich sie freilich lange nicht gehört, auch schaut sie ziemlich betrübt aus; aber Sie wissen, dass sie schon seit langer Zeit nicht recht heiter war."

"Ja, ich weiss das," entgegnete Herr Beil, "und ich kann mir auch die Ursachen davon erklären. Aber jetzt will ich Ihnen etwas sagen: gehen Sie in mein Zimmer zurück, ich folge Ihnen sogleich: Sie können auch das Licht mitnehmen, ich brauche es nicht, denn ich will nur ein wenig da zum Fenster hinaus sehen