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Der Kriegsminister war ein grosser, stattlicher Mann mit stark ergrautem Haar und Bart, ein schöner alter Herr, der in der Generalsuniform vortrefflich aussah und dessen zahlreiche Orden ebensoviele Gefechte und Schlachten zu bedeuten hatten.

Der Generalstabsarzt dagegen war klein, wohlbeleibt, von beweglichem Wesen. Wenn er eifrig sprach, so fuhren seine Augen lebhaft hin und her und sein Arm arbeitete wie ein Telegraph.

Seine Excellenz begrüsste den Sohn freundlich mit der Hand, wobei sie ihm zurief: "Bon jour, mon garçon!" Dann wandte sie sich wieder zu dem arzt, der sein Gespräch einen Augenblick unterbrochen hatte, und nun zu dem Adjutanten hinlief, mit seiner Rechten dessen Hand freundlich schüttelte und zu gleicher Zeit die Linke auf die breite gewölbte Brust des jungen Offiziers legte. Dann wandte er den Kopf pfiffig lächelnd gegen den Kriegsminister, indem er sagte: "Sehen Euer Excellenz, hier in ihrem Sohne kann ich meine Behauptung ad oculos demonstriren; das ist eine Kavallerie-, überhaupt eine Militärgestalt, das kann was im Sattel aushalten. Bemerken Sie wohl die gut geformte Taille, die aufschwellende Brust und die breiten Schultern?"

Der alte General sah zufrieden lächelnd auf seinen Sohn und schien dem arzt Recht zu geben.

"Hier kann man die Schultern zusammendrücken, wie man will, da zeigt sich keine Spur von Husten, und wenn man vornen hinklopft, da ist es gerade als höre man ein entferntes Glockengeläute. Und das Untergestell, – solches Zeug braucht man zum Dienst, wenn man es zu Etwas bringen will. – Aber gehen Sie mir nur mit Ihrem Herzog!" schloss er achselzuckend.

"Aber, lieber Freund," entgegnete ruhig der Kriegsminister, "Sie verkennen offenbar den Standpunkt der Sache. Seine Majestät der König, vielleicht von Bitten bestürmt, haben einmal nachgegeben, haben erlaubt, – nein, haben befohlen, dass der Herzog die Universität und mitin auch die Civilcarrière verlassen soll, um in das Gardedragonerregiment einzutreten."

"In das Gardedragonerregiment!" rief der Arzt mit einem wahren Aufschrei, indem er beide hände auf dem hervortretenden Bäuchlein zusammenlegte. "In das Gardedragonerregiment!" wiederholte er und blickte kopfschüttelnd in die Höhe.

"So ist es," versetzte die Excellenz. "Sie wissen, wie sehr sich Ihre Majestät die Königin dafür interessirt, den Sohn Ihrer Schwester –"

"Statt im schwarzen Frack in der glänzenden Uniform zu sehen," sagte der Arzt krampfhaft lachend.

"Meinetwegen soll es so sein; aber wie bemerkt, Ihre Majestät baten mich sogar darum, ersuchten mich auf's Freundlichste, mich bei dem König für die Sache zu verwenden."

"Und Seine Majestät?" – entgegnete der Arzt mit einem pfiffigen Gesichtsausdruck.

"Seine Majestät verlangt natürlich Ihr Gutachten," erwiderte der Kriegsminister.

"Weil Seine Majestät," versetzte der Doktor mit erhobenem und wichtigem Tone der stimme, indem er zu gleicher Zeit mit der rechten Hand zu jedem Wort den Takt in der Luft schlug, "ein Herr von der grössten überlegung sind, ein Herr, der selbst genau weiss, was zum Militär nötig ist, wie man zu einem Gardedragoneroffizier aussehen muss, ein Herr, der mit einem Worteselbst ein vollkommener Soldat ist."

"Aber, lieber Doktor, sind Sie nicht kindisch!" sagte fast bittend der alte General. "Mir kann es ja am Ende gleichgiltig sein; aber ich versichere Sie, Ihre Majestät hat sich einmal auf dieses Projekt capricirt; es ist in der Tat ein Wunsch von ihr, und es würde sie schmerzen, wenn der Herzog nicht unter das Gardedragonerregimet käme."

"So soll man ihn nehmen! – nehmen! – nehmen! – aber man soll mich nicht fragen. Dann können Sie ihn meinetwegen zum Dragoner, zum Artilleristen, ja zum Kürassier machen; – oder," sprach der Arzt plötzlich in einem andern Tone, während er die hände auf den rücken legte, "sagen doch Euer Excellenz: der Generalstabsarzt hat diesmal total Unrecht; garantiren Sie für seine Gesundheit, Sie, ein langgedienter Kavalleriegeneral, – und ich will Ihnen in keinem Titelchen widersprechen."

Bei diesen Worten hustete der Kammerdiener an der tür bedeutungsvoll, öffnete dann die Flügeltüre, und die beiden Herren, welche wussten, was es zu bedeuten habe, beeilten sich, in das Kabinet zu treten.

Sie blieben nicht sehr lange darin, und als sie wieder heraustraten, sagte der Kriegsminister, indem er den Arzt scheinbar ärgerlich am arme schüttelte: "Sie sind ein alter harterziger Kerl; nächstens halte ich eine grosse Kavallerieparade und lasse Sie in der Suite mitreiten, bis sie schwarz werden."

"O Excellenz," entgegnete pfiffig lachend der Doktor, "warum desavouirten Sie mich nicht soeben? Der Herr schien das fast zu erwarten, aber Sie sind einIhnen ist der Herzog auch lieber auf der Universität als unter dem Gardedragonerregiment. Sprechen Sie über mich bei Ihrer Majestät was Sie wollen und mögen: ich halte still, – denn Recht habe ich. – Sie, Graf Fohrbach," wandte er sich an den Adjutanten, "müssen mir beistimmen, Sie kennen den Herzog. – Ist das ein Kavallerist? – Nie! nie! ebensowenig als ich selber, und wenn mir Einer das Gegenteil beweist, so will ich alles Praktiziren bleiben lassen und Bärte scheeren."

"Was vielleicht ein grosser Vorteil wäre für die leidende Menschheit," sagte lachend der Kriegsminister,