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Hand über die Stirne und versicherte mich, es werde ihr jetzt schon ganz dunkel vor den Augen."

Während dieses Gesprächs war der Hofmarschall ebenfalls leise wieder näher getreten, wurde aber in seiner Aufmerksamkeit durch einen der Oberhoffouriere gestört, der ihm ein Blatt Papier überreichte und ihm ein paar Worte zuflüsterte.

"Das ist ja ganz unmöglich!" rief der Hofmarschall, während Jener sich wieder entfernte. – "Vollkommen unmöglich! – gar nicht zu machen?"

"Was haben Sie, bester Freund?"

"Seine Majestät lässt mir soeben sagen," antwortete er, "Sie wünschen Ihr Diner im kleinen blauen saal zu halten. Ich bitte Sie, meine Herren, bei der jetzigen Jahreszeit!"

"O! das wird ganz gut gehen," bemerkte der Minister des Hauses.

"Im kleinen blauen saal?" fragte mit einem wahren Schrecken der Hofmarschall. "Ich versichere Sieganz unmöglich."

"Aber wenn der Herr befiehlt," sagte lachend der Oberststallmeister, indem er sich der Worte des Andern von vorhin bediente.

"Der blaue Saal ist zu klein und zu gross," versetzte wichtig der Hofmarschall. "Lasse ich einheizen, so haben wir dort gleich eine unerträgliche Hitze; lasse ich nicht einheizen, so klappern die Zähne vor Kälte. Das ist ein Lokal für den Sommer, man muss die Hausordnung nicht so unterbrechen wollen."

Der Minister das Hauses war unterdessen in das innere Zimmer getreten, kehrte aber bald still lächelnd wieder zurück und sagte dann: "Ich habe um drei Uhr meine Audienz."

Ihm folgte der Oberststallmeister zum Rapport. Doch blieben Seine Excellenz auch nicht lange im kleinen Kabinet, und als er zurückkam, sagte er zu dem Minister, indem er sanft die Augen zufallen liess und dabei schmatzte, als genösse er etwas sehr Angenehmes: "Seine Majestät werden nicht ausreiten, Sie haben nach drei Uhr einen ihrer kleinen Wagen befohlen und dabei ausdrücklich gewünscht, die neuen Rappen zu probiren."

"Ist das möglich?" fragte die andere Excellenz.

"Es wird sich tun lassen," entgegnete der Oberststallmeister; "natürlicherweise hänge ich auch von meinen Untergebenen ab, namentlich von meinem ersten Stallmeister, denn er muss mir die Versicherung geben, dass die beiden Rappen vollkommen eingefahren sind, und das wird er auch schon tun, wenn er bei guter Laune ist."

Jetzt kehrte auch der Intendant von dem Rapport zurück und stellte sich wieder achselzuckend zu der Gruppe am Fenster. "Der schwarze Domino!" seufzte er kläglich. "Ich weiss in der Tat nicht, wesshalb Seine Majestät auf diese an sich langweilige Musik so versessen ist."

"Sie werden aber doch den allerhöchsten Befehl befolgen müssen?"

"Ich befinde mich da zwischen zwei Feuern; hier befiehlt Seine Majestät, dort will die erste Sängerin nicht."

"Ich fürchte, wir haben den schwarzen Domino nicht," sagte der Oberststallmeister, "denn Madame Wiesengrün-Spitzkopfin wird sich nicht erweichen lassen."

"Ich glaube es auch nicht," meinte der Intendant des Hofteaters. "Ich muss auf die Nachsicht Seiner Majestät bauen; um mit Schiller zu sprechen: – der See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen."

"Aber diesmal wird es schwer halten," versetzte der Hofmarschall. "Seine Majestät sagten mir, Sie freuen sich auf die heutige Vorstellung ausserordentlich."

"Und zu mir sprach der Herr," entgegnete einigermassen pikirt der Intendant, "es speise sich im blauen Salon vortrefflich, und er liebe es ebenfalls ausserordentlich, da zu diniren."

"Jeder so gut er kann!" antwortete der Hofmarschall. "Was geschehen kann, geschieht ja gerne. Aber Seine Majestät haben sicherlich nicht an die Beschaffenheit des blauen Saales gedacht."

"Es tut freilich Jeder, was ihm möglich ist," meinte wichtig der Oberststallmeister; "es ist ja unsere Pflicht, für das Wohl und die Gesundheit des Herrn zu sorgen. Aber bei solchem Wetter auszureiten, ist gewiss untunlich."

Damit entfernten sich die beiden Excellenzen Arm in Arm, nachdem sie den Grafen Fohrbach freundlichst gegrüsst. Der Intendant ging ebenfalls seufzend seiner Wege.

Der Hofmarschall gab, ehe er sich entfernte, einem der Hoffouriere noch einige geheime Befehle, und da wir auf die Diskretion des geneigten Lesers bauen, so wollen wir demselben in's Ohr flüstern, dass der Hofmarschall anordnete, in dem blauen Salon die Vorhänge und Portièren behufs notwendiger Ausbesserung herunter zu nehmen, auch die Kette des grossen Kronleuchters zu untersuchen, die so schadhaft sein müsse, dass es dringend notwendig sei, sie noch heute durch eine neue zu ersetzen.

Das Vorzimmer blieb einen Augenblick leer und der Adjutant ging nachdenkend auf und ab, hie und da lustig in sich hinein lachend, über Alles, was er während des Rapports vernommen. Es dauerte indessen nicht lange, so fuhr draussen abermals ein Wagen an; es näherten sich Schritte, doch waren sie nicht leise wie die der Minister und Hofbeamten, sondern man vernahm Sporengeklirr und hie und da ein leichtes Aufstossen eines Kavalleriesäbels: auch hörte man, wie die Wachen ihr Gewehr präsentirten, worauf der Kammerdiener beide Türen aufriss, um Seine Excellenz den Herrn Kriegsminister einzulassen, der nun in das Zimmer trat im eifrigen gespräche mit dem Generalstabsarzte der Armee, welcher zugleich als zweiter Leibarzt fungirte.

Der Adjutant nahm seine schönste Haltung an, um den hohen Chef und Vater bestens zu begrüssen.