Ob sie schön ist! – ein glänzender Stern am dunkeln Nachtimmel."
"Nun, wir können dergleichen Sterne brauchen, es war zuweilen recht finster bei uns. – Wie heisst sie? – Nicht wahr, es ist ein fräulein von S.? Ihr seid ja wohl weitläufig verwandt."
"Ziemlich entfernt. Sie heisst Eugenie von S. – eine vornehme, aber nicht reiche Familie. Das Mädchen ist kaum Neunzehn, aber gross und majestätisch gewachsen, eine Figur wie Ihre Majestät; dabei dunkles Haar, ein glänzendes Auge und die herrlichsten Zähne von der Welt, ah! ich sage dir, Zähne, glänzend weiss; man ist glücklich, wenn sie den Mund öffnet."
"Nur wegen der Zähne?" fragte lachend der Graf.
"O nein, sie ist zugleich eines der gebildetsten und gescheidtesten jungen Mädchen, die ich seit längerer Zeit kennen lernte."
"Natürlicherweise wird sie häufig in euer Haus kommen?"
"Ich hoffe so; weisst du – eine Verwandte –"
"So werde ich mich bemühen, deine Frau zu warnen."
"Damit du einen Vorwand hast, öfters zu kommen," erwiderte lachend der Major. "Nimm dich in Acht, junger Mann, wenn sie dich anblitzt und du hast gerade einen erregbaren Moment, so ist's um deine Ruhe geschehen. – Aber," fuhr er lebhafter fort, während er einen Schritt vortrat, "sage mir offenherzig, hast du sie schon irgendwo gesehen – kennst du sie?"
"Ich gewiss nicht."
"Du wusstest nicht, dass sie so ausserordentlich schön und liebenswürdig ist?"
"Auf mein Wort, nein. Ich habe nur im Allgemeinen von ihr sprechen gehört. – Aber wozu diese fragen?"
"Nun, ich glaube dir. Vorhin unterhielt ich mich mit der Frau von B. –"
"Mit der Oberstofmeisterin?"
Der Major nickte mit dem kopf. "Wir sprachen über die Einrichtung der jungen Dame, über ihre wohnung und dergleichen –"
"So, über ihre wohnung! Wird die im schloss selbst sein?"
"Natürlicherweise; sie ist aber sehr gut ausgewählt, das kleine Appartement Numero sechzehn, die Fenster der Zimmer gehen auf den geschlossenen Hof, wo es euch nicht vergönnt ist, mit euren armen Pferden halsbrechende Courbetten zu machen. – Aber jetzt höre! Wir sprachen auch von ihrer Dienerschaft: eine ältere Kammerfrau brachte sie mit, ein jüngeres Kammermädchen bekommt sie hier."
"Ja, was geht das mich an?"
"Ein jüngeres Kammermädchen, das – du empfohlen."
"Ich empfohlen? – Und an wen?"
"Besinne dich. Du hast der Frau von B. neulich von einem Kammermädchen gesprochen, das eine Stelle suche."
"Ah richtig!" sagte sich erinnernd der Adjutant. "Ich kenne sie aber nicht; der Baron Brand hat mich darum gebeten."
"So, so, Baron Brand," erwiderte der Major nachdenkend. "Das ist ein gefährlicher Mensch bei den Damen; sogar die alte Oberstofmeisterin schwärmt für ihn, und das will viel sagen. Er war gestern Abend bei ihr zum Tee, zugleich mit fräulein Eugenie von S.; da kam die Rede auf deine Empfohlene und ob sie vielleicht passend sei für das neue Ehrenfräulein. Die Oberstofmeisterin schüttelte lächelnd den Kopf und meinte, sie wisse doch nicht recht, ob deine Rekommandationen in dieser Richtung zu beachten seien; aber Baron Brand erinnerte sich zufällig desselben Mädchens, – was weiss ich! sie habe bei einer seiner Cousinen gedient und besitze die glänzendsten Zeugnisse. – Was glaubst du wohl? Darauf änderte sich mit einem Mal die Ansicht Ihrer Excellenz und deine Empfohlene ist angestellt."
"Das sind schöne Geschichten!" sprach lachend Graf Fohrbach, indem er seine Säbelkuppel herabzog. "Nun ich hoffe, die person wird vorkommenden Falles einiges Dankbarkeitsgefühl besitzen."
"Gegen dich oder gegen den Baron?"
"Ich denke gegen mich, denn ich bin doch der unmittelbare Empfehler."
"Aber nimm dich in Acht, coeur de rose ist ein verfluchter Kerl. Es sollte mich gar nicht wundern, wenn er der schönen Eugenie nächstens ein Parfum aufschwätzt."
"Nein, dazu ist er zu klug; das könnte sie in einen üblen Geruch bringen. – Aber stille! der Kammerdiener an der tür hat sich schon dreimal geräuspert – man kommt."
Die Flügeltüren des anstossenden Saales wurden jetzt in der Tat geöffnet und die Damen vom Dienste erschienen. Es waren das meistenteils gereifte Schönheiten, künstlich erhaltene Blumen, aber ohne erquickenden Duft, gerade so wie ihre Schwestern von Papier und Seide, und ebenso wie diese rauschend und klappernd.
Eugenie von S., die bescheiden als die Letzte kam, hätte nicht so wunderbar schön zu sein gebraucht, als sie wirklich war, um zwischen ihren Kolleginnen wie eine Sonne aus grauem Gewölk hervorzustrahlen.
Graf Fohrbach war in der Tat überrascht von der lieblichen Erscheinung der jungen Dame und einigermassen befangen, als er ihr von seinem Freunde, dem Major, vorgestellt wurde. Sie verneigte sich auf's Freundlichste und versicherte im Laufe des Gespräches, sie wisse ganz genau, dass sie von ihrer Mutter Sr. Excellenz dem Herrn Kriegsminister empfohlen sei, sie hoffe, diese Empfehlung werde freundlich aufgenommen worden sein und ihr so recht bald gelegenheit werden, einen Mann kennen zu lernen, den sie sehr schätze und verehre.