, wohin sie fahren will, wonach er sich hintenauf schwingt und nun oftmals den Kutscher mit lautem Gehuste dirigirt.
Der Kammerdiener im Zimmer des Herrn blickt hustend auf die Uhr, wenn irgend eine bestimmte Stunde herangekommen ist, und erweckt mit einem lauten Gehuste den Türsteher aus seinen Träumereien, der fast vergessen hätte, voraus zu springen und den Wagen vorfahren zu lassen.
Endlich bei Tafel dirigirt der Hoffourier mit einer wahren Verschwendung von dem feinsten und leisesten Husten das ganze Diner, der Tafeldecker macht den Lakaien auf gleiche Art mit vielsagendem Räuspern auf seine Dummheit aufmerksam, die er begangen, auf einen zerbrochenen Teller oder ein leeres Glas, und ein junger Hofbedienter prallt erschreckt und gelinde hustend vor dem fürchterlichen Abgrund zurück, in den er fast gestürzt wäre, da er im Begriffe war, dem ersten Kammerherrn einen wilden Schweinskopf von der rechten Seite zu präsentiren.
Um nicht zu ausführlich zu werden, wollen wir nur noch des vielsagenden Hustens gedenken, in welchem sich zwei vornehme Staatsbeamte, die sich durchaus nicht leiden können und die nun plötzlich im Vorzimmer zusammenstossen, steif und gemessen begrüssen. Jeder hat geglaubt, er komme dem Andern zuvor und könne Allerhöchsten Ortes seinem Kollegen eine unangenehme Suppe einbrocken. Dieser Husten klingt wahrhaft nervenerregend, und wir sind überzeugt, dass sich in gleicher Weise zwei Tigerkatzen begrüssen würden, die nur durch ein breites wasser verhindert sind, sich ihrem glühendsten Wunsche gemäss die Augen auszukratzen.
Ein Husten der furchtbarsten Art aber stört oft den Minister in seinem Vortrage, wenn er zum Beispiel irgend eine Auszeichnung, einen Orden, ein Geschenk für einen armen Künstler verlangt und er mit eindringlichen Worten spricht, wie aufmunternd ein solcher Sonnenstrahl der Allerhöchsten Huld sei, wie das Talent nur wachsen und gedeihen könne im warmen Schein der Königlichen Gnade: ein Husten Seiner Majestät nämlich, wobei sie sich an das Fenster wendet und die Excellenz versichert, es werde doch jetzt endlich ein beständigeres Wetter eintreten. –
Doch kehren wir in die wohnung des Grafen Fohrbach zurück, der unterdessen Cigarre und Toilette beendigt hat, und nun, im Begriff an den Wagen zu gehen, durch den Kammerdiener einen Augenblick aufgehalten wird, der sich erlaubt, ihm den neuen Jäger vorzustellen.
Das war, wie wir bereits wissen, ein grosser, schlank gewachsener Mann, der sich jetzt in der glänzenden Livrée, mit dem schwarzen, wohl gekämmten und frisirten Barte ungemein stattlich ausnahm. Dabei hatte sein Gesicht ein angenehmes Aussehen und sein Auge hielt den festen blick des Grafen, der ihm einige fragen stellte, sehr gut aus.
Um drei Viertel auf elf Uhr fuhr Graf Fohrbach am schloss vor und stieg die breiten Treppen hinauf bei zahlreichen Wachen, Türstehern und Lakaien vorbei. Ein verschmitzt aussehender Kammerdiener legte die Hand an den Drücker, um die tür zu öffnen und hustete in diesem Augenblicke ziemlich bedeutungsvoll. Es war dies wieder einer jener Husten, von denen wir vorhin gesprochen.
Der Adjutant wandte augenblicklich den Kopf herum und der Kammerdiener lächelte.
"Gibt es was Neues?" fragte Graf Fohrbach leicht hin.
"Nicht viel Besonderes," entgegnete der Kammerdiener, indem er die Augenbrauen in die Höhe zog. "Die Herren und Damen vom Dienste frühstücken in der gelben Gallerie und es erscheint heute zum ersten Mal das neue Ehrenfräulein Ihrer Majestät."
Nach diesen Worten öffnete der Kammerdiener leise die tür, und sobald der Adjutant eingetreten war, zog er sie geräuschlos wieder in's Schloss, zupfte seine weisse Halsbinde in die Höhe und rieb sich alsdann still lächelnd die hände.
Graf Fohrbach schritt durch mehrere Vorzimmer, die, wie in den Königlichen Schlössern gewöhnlich, einander ziemlich ähnlich sahen, nur dass Farben der Tapeten und Möbelstoffe in jedem verschieden waren, dass in diesem Alabaster- und Marmor-Vasen, dort welche aus China und Japan standen. Um diese kleine Verschiedenheit aber wieder auszugleichen und eine gewisse Harmonie herzustellen, waren die Gemälde an den Wänden meistens Protektionskäufe, gleich unbedeutend, gleich langweilig.
In der gelben Gallerie, wo der Frühstückstisch servirt war, befand sich ausser einigen Lakaien, die emsig und wichtig, geräuschlos und schnell auf einem Nebentische Porzellan und Silber ordneten, vorderhand nur ein alter einsilbiger Kammerherr, der damit beschäftigt war, nachdem er den Barometer prüfend betrachtet, die grauen am Himmel hinziehenden Schneewolken zu beobachten, und unser Bekannter, der Major S., den Graf Fohrbach heute ablöste. Der Major stand in einer Fenstervertiefung, und als er bemerkte, dass ihn der Graf mit den Augen suche, hustete er leicht.
"Wie gehts?" sagte der neue Adjutant, während er zu seinem Freunde in die Ecke trat.
"So, so! – Das Wetter ist nicht ganz klar, es scheinen mir trübe Wolken umher zu ziehen; auch haben wir noch keine Rapporte gehabt, was kein gutes Zeichen ist. Ferner wurde der Intendant des Hofteaters auf ein Uhr bestellt."
"Da wird man aufpassen müssen."
"Für dich gibt's eigentlich nicht viel zu tun. Nach dem Rapport sind einige Audienzen, deren Namen du im Vorzimmer aufgeschrieben findest; das Papier liegt im Pult."
"Schön. – Wirst du mit uns frühstücken?"
"Ich habe nicht Lust, muss auch nach haus. – Apropos! du wirst eine Bekanntschaft machen: das neue Ehrenfräulein Ihrer Majestät hat heute den ersten Dienst und kommt zum Frühstück."
"Ist sie schön?"
Der Major erhob den Kopf, zog die Augenbrauen in die Höhe und entgegnete: "