!"
"Herrn Baron von Brand."
"Richtig! Dieser Herr wird dir Anweisung erteilen, wohin du dich zu begeben hast, und soviel ich vernommen, sollst du in einem sehr guten und vornehmen haus die Stelle als Jäger erhalten."
"O wie danke ich Ihnen, Herr!" erwiderte der Andere gerührt, während er die Hand des jungen Mannes ergriff und sie an seinen schwarzen Bart drückte. "Möge Gott mich vergessen, wenn ich Ihrer je vergesse! Aber," sprach er auf einmal mit ernstem Tone, "wie kann ich meinem neuen Herrn und zugleich Ihnen dienen?"
"Auf die einfachste Art; du hast deine Berichte zu machen über Alles, was in dem haus geschieht, vornehmlich aber hast du in einem anderen haus, in welchem der Vater deines neuen Herrn wohnt, irgend eine solide Verbindung anzuknüpfen, wenn diess geschehen, es zu melden und darauf meine Befehle in Empfang zu nehmen."
Der junge Mann zog sofort abermals die Klingel und sagte als er die tür öffnen hörte, in's Vorzimmer hinaus: "Der Jäger wird anständig gekleidet, du hast dafür zu sorgen, dass er morgen auf unverfängliche Art das Haus verlässt. – Lass das Mädchen kommen!" – Dann winkte er Josef freundlich mit der Hand und dieser zog sich zurück.
Gleich darauf wurde die tür zum kleinen Vorzimmer langsam geöffnet und das Mädchen, welches unter derselben erschien, sanft hineingeschoben. Sie hatte ihre Tränen getrocknet, doch war ihr Gesicht mit einer erschreckenden Blässe bedeckt; dabei irrten ihre Augen ängstlich in dem Gemache umher, blieben eine kleine Weile auf dem lodernden Kaminfeuer haften und erblickten erst dann den jungen Mann, der sich wie absichtlich hinter die Lehne des Stuhles zurückgezogen hatte. Sie zuckte erschreckt zusammen; er trat einen Schritt vor.
"Komm näher, mein Kind!" sagte er. "Nur näher,
fürchte dich nicht, – ganz nah."
Das zitternde Mädchen tat wie ihr befohlen
wurde, doch machte es so kleine Schritte, dass es trotz vieler derselben kaum die Mitte des Zimmers erreichte.
"Hör' auf meine Worte und antworte mir deutlich
auf meine fragen! – Willst du?"
"Ja," brachte sie mühsam hervor.
"Du kamst heute Abend hier an in Gesellschaft
einer Harfenspielerin. – Ich will dir etwas sagen," unterbrach er sich, indem er das erschreckte Gesicht des armen Geschöpfes bemerkte und ihre in diesem Momente fast glanzlosen, weit aufgerissenen Augen sah, "wenn ich dich etwas frage und es ist so, so brauchst du meinetwegen nichts zu antworten, wenn es dir schwer wird; dein Schweigen ist mir Bejahung. – Du trafst also mit dem Harfenmädchen heute Abend in A. zusammen? Du kamst von N., wo du einem anständigen, frommen haus entlaufen bist, nachdem du gestohlen."
"Nein, Herr! nein!" erwiderte jammervoll das
Mädchen, "bei Gott im Himmel! das ist nicht so."
"Man klagte dich aber an, du habest gestohlen,
man jagte dich desshalb fort, alle Menschen, welche die Sache erfuhren, glaubten deinem Herrn und hielten dich für eine Diebin."
"Aber bei Gott dem Allmächtigen, ich bin's nicht, gewiss, ich bin's nicht!"
"Möglich," versetzte der junge Mann, "aber bringe Beweise dafür; g e g e n dich liegen deren genug vor. Du bist ausgestossen von der Welt, Jedermann wendet sich mit Abscheu von dir, was bleibt dir übrig? – Du musstest Schutz bei jenem Mädchen suchen. Und worin besteht der Schutz derselben? Das will ich dir sagen: sie wird dich einige Accorde auf der Guitarre lehren, dann ein paar Schelmenlieder; sie zieht mit dir herum in Gastöfen und Kneipen, und wenn du heute noch keine Diebin bist, so kannst du es doch in ganz kurzer Zeit werden."
Das Mädchen faltete ihre hände und blickte mit einem Ausdruck des tiefsten Jammers zu dem mann auf, der allwissend schien und der ihre Vergangenheit und Zukunft so schonungslos entüllte.
"Ich weiss nun nicht," fuhr dieser fort, "ob du nicht im grund eine leichtfertige Dirne bist, ob dir das Leben, welches ich dir so eben bezeichnet, nicht vielleicht sehr gut gefällt, ob dir das Herumtreiben nicht lieber ist, als wenn man es dir möglich machte, auf anständige Art dein Brod zu verdienen."
"Nein! nein!" rief das Mädchen aus, und zum ersten Male drückte der Ton ihrer stimme nicht Furcht und Entsetzen aus; es war ein Ton der Hoffnung, die das Wort des Fremden in ihrer Brust geweckt, der ihr Herz plötzlich erfüllte, und der sich auch in den zitternden Lauten kund gab, mit denen sie "Nein! nein!" rief.
"Nun denn," sprach der junge Mann, "man hat Mitleiden mit dir, man will dich vom Abgrund zurück reissen, in den du unfehlbar gefallen wärest. Du sollst eine anständige sichere Existenz haben; du sollst in ein gutes Haus kommen, und es wird von dir abhängen, ob deine Zukunft gut oder schlecht ist."
Das Mädchen erhob bei diesen Worten die hände, doch zitterten dieselben so heftig, dass sie kaum im stand war, sie zusammen zu legen; dann hielt sie dieselben an ihre Stirne, bedeckte ihre Augen und schien eine Sekunde nachzusinnen, ob sie vielleicht nur