von dunklem Leder, mit Stahl und eingelegtem Golde verziert, und der Griff bestand aus weissem Elfenbein, hatte aber an der Spitze einen gewaltigen Eisenknopf, der offenbar dazu diente, im Handgemenge einen Gegner von oben herab niederzuschlagen.
Der Kopf dieses Mannes war von ebenso gefälligen und angenehmen Formen wie der Körper, nur war sein Teint dunkel gefärbt wie der eines Zigeuners, und dazu passte auch das kohlschwarze Haar, sowie der Bart von derselben Farbe, den er lang herabhängend trug. Seltsam kontrastirten hiemit die blauen Augen.
In dem Momente, wo wir unsichtbar eintreten, hatte er den rechten Arm auf die Lehne des Stuhles gestützt, und die Finger des linken spielten mit dem Stahlknopfe des Dolchgriffs.
"So stehen also die Sachen," sprach er mit einer kräftigen, angenehmen stimme, "und da ich nicht gern Jemand ungehört verdamme, so kannst du sagen, was du noch zu deiner Entschuldigung vorzubringen hast; oder auch sonst Jemand, der für ihn sprechen will, kann vortreten."
Der Lakai schluckte mehrere Male heftig und blickte scheu und zitternd die Männer an, welche um ihn standen, die ihn aber keines Blickes würdigten und noch viel weniger eine Silbe laut werden liessen.
"So sprich denn selbst!"
"Ach Herr! ich weiss nicht, was ich sagen soll!" jammerte der Gefragte. "Und wenn es denn gar so arg ist, dass ich jenen freilich überflüssigen Messerstich getan, so bestrafen Sie mich; aber ich flehe Sie an, machen Sie es nicht so streng mit mir!"
"So sei," antwortete der junge Mann, – "vielleicht zum ersten Mal in deinem Leben – ehrlich und offenherzig. Jener schändliche, niederträchtige Messerstich ist freilich schlimm genug, aber ich will ihn dir verzeihen, wenn du mir gestehen willst, was du sonst noch gegen uns begangen."
"Ich sonst noch gegen Sie begangen?" entgegnete bestürzt der Lakai und liess seine Augen im Kreise umherlaufen; "will ich doch verkrummen und verderben, wenn ich etwas gegen Sie getan habe."
"Sei ehrlich!" sagte ernst der Frager. "Ich rate dir, sei ehrlich oder es nimmt mit dir ein fürchterliches Ende."
"Worin soll ich ehrlich sein? – Ich weiss nichts."
"Du weisst nichts?"
"Nein, nein!" jammerte der Lakai. "Blickt mich nicht so entsetzlich an – ich – weiss nichts."
"Nun, so will ich für dich sprechen," fuhr der junge Mann fort, indem er vor den Stuhl trat, sich ein paar Zoll höher streckte und die rechte Hand in die Seite stemmte, ohne dass aber die linke den Griff des Dolches fahren liess. – "Passt mir auf, ihr Männer, und erinnert euch, was ich euch schon vor längerer Zeit von diesem Menschen sagte! Denkt daran, wie ihr für ihn gebeten, als ich ihn schon vor einem halben Jahre wollte verschwinden lassen, denkt daran!" Diese Worte sprach er langsam, bestimmt, aber mit solch schauerlicher Kraft und Kälte, dass jedes derselben wie ein Keulenschlag auf das Haupt des Lakaien niederfiel. Dann setzte er in gefälligerem Tone hinzu: "Weisst du noch nichts, hast du mir noch nichts zu sagen?"
"Nein," entgegnete der Andere, während er die Zähne über einander biss.
"Nun wohlan, so will ich für dich sprechen. Ich erfuhr vor ein paar Tagen zufällig, dass e r , dort jener Mensch, sich – zum Polizeidirektor begeben."
Dieses Wort wirkte wie ein Donnerschlag sowohl auf den Betreffenden, als auf die umstehenden Männer. Wie auf ein Kommando fassten ihn zwei derselben an den Schultern, als scheine es ihnen, er habe die Absicht, zu entfliehen, woran der Elende jedoch nicht dachte; vielmehr schienen die Kniee unter ihm zusammen zu knicken, und er wäre vielleicht auf den Boden gestürzt, wenn ihn die Männer nicht gehalten hätten.
"Er war also beim Polizeidirektor, sprach dort von einer Verbindung gefährlicher Menschen, die ihm bekannt sei, und machte sich anheischig, deren Aufentalt, Schlupfwinkel, kurz Alles, was nötig sei um sich ihrer zu bemächtigen, anzugeben, wenn ihm dafür eine grosse Summe Geld ausbezahlt würde. – Er verlangte zweitausend Gulden; der Polizeidirektor aber, ein kluger Mann, der überzeugt war, es sei unmöglich, dass sich im Gebiete seines Bezirks eine solche Bande aufhalten könne, glaubte diesen Worten nur halb, und statt den Angeber, wie ich getan hätte, festzuhalten, liess er ihn laufen, sagte ihm, er solle wieder kommen, einige Beweise liefern, und machte ihm sogar darauf hin einige Hoffnung aus die gewünschte Belohnung. – Seht, ihr Männer, ich wache über euch, denn ich erfuhr diesen Anschlag noch am selben Tage; eure Freiheit und euer Leben hingen an einem Haare; vergesst das nicht: nur die eure, ich bin ja ein Wesen, das nicht existirt, das euch beschützt und nur zuweilen hervortritt, um zu bestrafen, um zu belohnen, – eure Vorsehung, wenn ihr wollt, und wie auch dieser Fall wieder beweisen wird! – Denn," fuhr er kälter fort, "der Sekretär des Direktors war nicht so arglos, wie dieser selbst; er beauftragte einen sichern Polizeidiener, euren Genossen da zu beobachten, ihn auf Schritt und Tritt zu bespähen. Aber habt keine Angst," setzte er hinzu, als