ich dir, sie ist für dich nicht gewachsen, und wenn du dich nicht bald aus dem Zimmer hinaus machst, so komme ich dir entgegen; und ich glaube, du kennst mich."
"Du bist eine wilde Katze," versetzte giftig der Andere. "Und wenn du meinst, ich hätte Lust, mich mit dir herumzuschlagen, so irrst du dich gewaltig. Ich will nur den Lakaien herauf holen, der soll dich halten und dann kannst du zusehen."
"O, ich habe vor euch Beiden keine Angst, ihr Jauner, ihr miserable! – Nicht wahr, bei ein paar armen Mädchen habt ihr grosse Mäuler. Soll ich den Matias bitten, herauf zu kommen? Warte nur, Sträuber; aber ich sage dir im Guten, nimm dich in Acht!" Dabei ging sie einige Schritte vor, und während sie ihm eine ihrer geballten Fäuste entgegen warf, blitzten ihre Augen. "Dieser Abend ist noch nicht vorüber, und es müsste mich Alles trügen, wenn der Johann nicht noch käme. Da will ich dann sehen, was du für ein Gesicht machst, du Vieh, wenn ich mich über dich beklage."
Diese Drohung, so versteckt sie auch war, machte doch auf den Herrn Sträuber einen sichtlichen Eindruck. Er versuchte zu lächeln und sagte: "Du bist doch in Wahrheit eines der verwegensten Weibsbilder, die ich je gesehen. Von dir will ja eigentlich Niemand etwas, ich halte mich an die Andere; und bin ich nicht in meinem vollkommenen Rechte, wenn ich herauf komme, hat sie drunten nicht Ja gesagt?"
"Ja hat sie allerdings gesagt," erwiderte das Harfenmädchen, indem sie jetzt ihre beiden arme in die Seiten stemmte. "Aber wesshalb hat sie es gesagt? – Du wirst dir doch wohl nicht einbilden, dass es ihr Ernst war? – Sie hat Ja gesagt, weil sie sich vor dem Schuft, dem Lakaien, fürchtete. Das wirst du wohl begreifen; für so dumm halte ich dich doch nicht."
Jetzt hörte man drunten im haus eine helle Glocke mehrmals anschlagen, und der eigentümliche Ton derselben klang scharf durch die gewölbten Gänge.
Herr Sträuber zog plötzlich die Augenbrauen in die Höhe, liess die Unterlippe herab hängen und lauschte aufmerksam.
"Das wird an der kleinen Hintertüre sein," sprach Nanette; "Johann kann nach haus kommen."
"Nein, nein," entgegnete der im schwarzen Frack eifrig, indem er die Türklinke wieder in die Hand nahm, "das ist ganz was Anderes – horch! ich kenne die Glocke." Dabei erbebte er sichtlich, gerade wie Jemand, den ein plötzlicher Frost überweht oder ein grosses Entsetzen anwandelt.
"Was gibt es denn?" fragte jetzt auf einmal das junge Mädchen, welches die Veränderung an dem vorhin noch so kecken Herrn Sträuber bemerkte.
"Ich weiss nicht," entgegnete dieser mit leiser stimme; "aber es gibt was. – Horch!" Dabei hielt er den Kopf auf den gang hinaus. – Aber, sagte er plötzlich, "löscht euer Licht aus, es darf kein Schein davon die Treppe hinab fallen."
"Ist das nicht eine neue Finte von dir?" fragte argwöhnisch Nanette.
"Nein! nein! sei verdammt!" erwiderte er unruhig, – "aber halte dein Maul! Wenn du das Licht nicht auslöschen willst, so komm mit vor die tür, oder bleib drinnen, wie du willst, aber lass sie mich in's Schloss ziehen. – So – leise!"
Das Harfenmädchen hatte dem Mann einige Augenblicke forschend in's Gesicht gesehen, als sie aber da nichts von Hinterlist und Falschheit entdecken konnte, vielmehr nur den Ausdruck des Schreckens sah, so siegte die weibliche Neugierde und sie trat mit ihm auf den finstern gang hinaus.
Einen Augenblick herrschte tiefe Stille in dem weiten Gebäude, dann aber hörte man den Klang der kleinen Glocke wieder, und darauf hin wurde in einem Stockwerke tiefer eine tür geöffnet, man vernahm schwere Männerschritte auf den Steinplatten des Korridors und es wurde eine stimme laut, welche ängstlich fragte: "Nun was soll's denn eigentlich? – Treibt doch keinen schlechten Spass mit mir!"
"Der Lakai!" sagte das Mädchen.
"Ja, der Lakai," antwortete schaudernd Herr Sträuber.
Jetzt verwandelte sich drunten die stimme desselben aus einem scherzhaften und bittenden Tone in einen trotzigen und widerspenstigen. – "Nun ja," hörte man ihn sprechen, "was soll's denn? Darnach habe ich wohl ein Recht zu fragen. Wenn ich nach haus will, so kann ich das tun. – Wer hat ein Recht, mich zu halten?"
Hierauf vernahm man die Schritte wieder, doch statt dass sie wie vorhin in gleichmässigem Tempo klangen, trampelten sie jetzt eine kleine Weile unordentlich durch einander. Dann hörte man ein Aechzen "Alle Heiligen!" sagte das Mädchen, "steht uns in "Noch nicht," entgegnete schaudernd Herr SträuNachdem das Schleifen da drunten ein paar SekunDarauf stiess der Lakai einen tiefen Seufzer aus und Endlich verklangen die Schritte in die Ferne, es Die Beiden oben an der tür lauschten noch eine "Weiss ich's!" entgegnete er verlegen, indem er die "Ihr wisst mehr, als Ihr sagen wollt. Kanntet Ihr den "Bst! – bst!" machte Herr Sträuber und zog das ist im haus –