in tiefem Schmerz krampfhaft zusammen zog.
"Nun, antworte mir," sagte Nanette; "du hast lange genug überlegt. Du behältst Guitarre und Papier der fortgelaufenen Agnes, ich bringe dir morgen ein paar Akkorde bei, lehre dich einige Lieder, und mit deinem gesicht, mit den verschämt niedergeschlagenen Augen, können wir in den Gastöfen gute Ernte machen. – Aber," setzte sie nach einer Pause hinzu, "ich fürchte, du wirst zu vornehm tun, und was das anbetrifft, da muss ich wahrhaftig zu dir sprechen, wie seiner Zeit die alte Teaterprinzess zu mir. – Reisende Musikantin zu sein ist an sich nicht so übel, aber du verkaufst dich dadurch der ganzen Welt: der Sechser, der in meinen Teller fällt, ist ja nicht für unser Spiel und Gesang, – er gilt meinem vollen Busen oder deinen sanften schmachtenden Augen, deinem schlanken Wuchse. Und darauf glaubt der, der ihn gespendet, sich ein Anrecht erworben zu haben."
"O Gott! mein Gott!" jammerte das Mädchen.
"Aber man gewöhnt sich daran," fuhr finster die Andere fort. "Es gibt freilich Leute, die das nicht glauben und die nicht begreifen wollen, warum so ein armes Harfenmädchen, das sich auf's Unverschämteste muss begaffen lassen, das jede freche Hand berühren darf, nicht lieber in's wasser springt, um so seiner Schande und seinem Dasein ein Ende zu machen. Aber die das nicht begreifen, kennen unsere Lage nicht, obgleich sie so gern aus ihrem warmen Zimmer, von ihrem guten Mittagessen hinweg achselzuckend über uns und unseres Gleichen urteilen. – Aber entschliesse dich! Es ist das Beste, was du ergreifen kannst; denke nicht, dass du nach haus zurückkehren kannst: dein Herr ist gezwungen, die Klage gegen dich aufrecht zu erhalten. In den Augen der Leute dort bist und bleibst du eine Diebin."
"O stille! stille!" bat das arme Mädchen, die sich in den heftigsten Seelenleiden auf dem Bette krümmte wie ein zertretener Wurm.
In diesem Augenblicke hörte man Etwas auf dem Gange schleichen und eine Hand, welche an der tür vorbei rutschend die Klinke suchte.
Vierunddreissigstes Kapitel.
Er! –
"Was ist das?" fragte entsetzt das junge Mädchen, indem sie sich erhob und ängstlich lauschte.
"Es wird der im schwarzen Fracke sein, dem du vorhin seine Frage bejahtest. Er kommt nun, wie er mit dir ausgemacht."
"Aber ich habe nichts mit ihm ausgemacht!" schrie das Mädchen im Tone der Verzweiflung. "Nichts! nichts! Gott erbarme sich meiner! – O helfen Sie mir! was soll ich tun?"
"Mit mir ziehen, dich unter meinen Schutz begeben," entgegnete ruhig das Harfenmädchen, ohne den Kopf zu erheben, – "aber warum sich auch so gewaltig sperren? – Oder ihm folgen!"
"Eher den Tod! – ich stürze mich dort zu dem Fenster hinaus."
"Bist du so tugendhaft?" fragte Nanette mit einem zweifelhaften Lächeln.
Die Andere gab keine Antwort, sondern starrte mit weit aufgerissenen Augen nach der tür.
"Gewiss und vollkommen tugendhaft?" fuhr das Harfenmädchen dringender fort zu fragen, und richtete sich halb empor, um die Antwort ihrer Gefährtin besser vernehmen zu können.
Doch schien diese den Sinn der Frage nicht gleich zu verstehen, und als sie ihn endlich begriffen, zuckte sie zusammen, blickte empor und sagte mit aufgehobener Hand: "Ja, ja! bei G o t t im Himmel! ja!"
"Ah! wenn das ist," sprach lustig Nanette, "so wollen wir diesen Tölpel ablaufen lassen; das wären Perlen vor die Säue geworfen!"
Jetzt öffnete sich langsam die tür; der Mann, von dem das Harfenmädchen vorhin gesprochen, und der sich drunten zum Beschützer der Andern aufgeworfen, erschien wirklich und blickte vorsichtig in das Gemach. In der Hand trug er ein ausgelöschtes Licht. – "Das ist heute ein furchtbarer Sturm," sagte er lächelnd; "wo der Wind die geringste Oeffnung findet, da fährt er herein."
"He, was soll's?" rief Nanette, indem sie sich halb erhob und dabei eine Faust unternehmend in die Seite stemmte. "Wollt Ihr vielleicht Euer Licht bei uns anzünden? – Nun, darauf soll es mir meinetwegen nicht ankommen."
"Das weniger," entgegnete grinsend der Eingetretene; ich hätte wohl die Absicht, euer Licht ebenfalls auszulöschen.
"Nun, ich will Euch was sagen, Sträuber," erwiderte das Mädchen mit bestimmtem Tone, "für Eure schlechten Spässe sucht Euch ein anderes Zimmer. Wir haben das unsrige bezahlt und wollen Ruhe haben."
"Man will auch von dir nichts, du böses Maul!" sagte der im schwarzen Frack. "Nimm dich in Acht, sonst sollst du es büssen."
Trotz dieser Drohung blieb er aber ruhig an der tür stehen.
"Von wem willst du denn sonst etwas?" fuhr das Harfenmädchen fort, indem sie sich von ihrem stuhl erhob. "Vielleicht von meiner Schwester? – Willst du sie vielleicht verkaufen, Sklavenhändler, Seelenverkäufer!"
"Von deiner Schwester? -hahaha!- du würdest dich freuen. Das ist aber eine ganz andere feinere Race als die eurige."
"Mag es nun eine Race sein, welche es will, so sage