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wieder zurückgezogen werden können.

Hinter dieser tür beginnt eine schmale steinerne Wendeltreppe, die oben auf eine einzige, wieder verschliessbare tür führt; dann kommt ein gewölbter gang, spärlich von einem stark eingetriebenen Gaslicht beleuchtet, auf welchen mehrere Türen münden.

Durch eine derselben treten wir geräuschlos ein und befinden uns nun in einem grossen Gemache mit braunen Holzwänden, eben solcher Decke und einem mächtigen Kachelofen. Das Mobiliar desselben besteht aus langen, schweren, eichenen Tischen und Bänken; in einem hohen Eckschranke sind Gläser und Flaschen aller Art verwahrt. Neben diesem Buffet befindet sich ein einzelner Stuhl, ein alter Lehnsessel, in welchem ein kleines vertrocknetes Weib sitzt, welches die hände in den Schooss gelegt hat und das eine Kellnerin vorstellt. Sie scheint unachtsam vor sich hinzustarren, doch sieht ein aufmerksamer Beobachter, dass sie unter ihren grauen buschigen Augenbrauen die glänzenden kleinen Augen unruhig hin und her laufen lässt. Vor ihr liegt ein grosser Hund, dessen zottiges Fell ihr als Fussschemel dient; neben ihr, zwischen dem Eckschranke und der Wand, befinden sich, an starken Dräten von der Decke herabhängend, mehrere Handgriffe, die wie Klingelzüge aussehen; es sind dies aber nicht so ganz harmlose Gegenstände und aus ihnen beruht teilweise die Sicherheit des Hauses. Der Zug an einem derselben gibt dem Hausknecht ein Zeichen, die Türen zu öffnen und zu schliessen, ein anderer ist eine Art Telegraph, der durch gewisse Zeichen mit den Nebenzimmern kommuniziren kann, ein dritter steht mit einer Allarmglokke für das ganze Haus in Verbindung, und der vierte endlich beherrscht die Gasleitung des Gebäudes und kann durch einen einzigen Zug Alles in die dichteste Finsterniss versetzen.

Das Zimmer, in dem wir uns befinden, ist also, obgleich das allgemeine Schenkzimmer des Gastofes zum Fuchsbau, zugleich auch die Portierstube für sämmtliche Gebäude, und das alte Weib, ein hartes, verschlagenes, listiges Wesen, wurde mit grosser Sorgfalt zur Pförtnerin auserwählt. Und man hätte keine bessere finden können: sie hatte alle Abstufungen des Diebslebens durchgemacht und wer sie bei Verteilung von Beute oder beim Verkauf gestohlener Gegenstände überlisten wollte, der musste sich zusammen nehmen.

An einer der langen Tafeln befanden sich vier Männer, von denen drei in eifrigem Gespräch begriffen waren, der vierte aber mit dem Kopf an die Wand lehnte und zu schlafen schien. Dies war ein schlank gewachsener grosser Mann in den Dreissigen, der regelmässige Züge, schwarzes Haar und einen gut gepflegten dichten schwarzen Bart hatte. Seine Kleidung dagegen wahr sehr unordentlich und abgerissen; er trug einen fadenscheinigen grauen Jagdrock, an dem sich vorn auf der Brust nur ein einziger Knopf befand, schwarze, zerlumpte Hosen, und wenn man den einen Fuss genau betrachtete, den er vor sich auf die Bank gelegt, so sah man, dass der Stiefel aufgetrennt und die Sohlen fast gänzlich zerrissen waren.

Die drei Anderen sassen etwas entfernter; einer mit krausem, rötlichem Haar hatte beide Ellenbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf auf die Fäuste gelegt. Er hatte ein plumpes, obgleich nicht unangenehmes Gesicht, das aber, besonders die Nase, stark gerötet war. Dieser war einfach, aber gut gekleidet; er trug Lederhosen, hohe Stiefel und ein Wamms von dickem, dunkelblauem Wollenstoff.

Der Zweite lehnte hinten über an die Bank, war mit schäbiger Eleganz gekleidet, hatte ein hiezu passendes mageres Gesicht mit abgefeimten Zügen. Derselbe rauchte eine Cigarre, deren Dampf er empor blies, um ihm behaglich nachzuschauen.

Der Dritte endlich beugte sich über den Tisch, liess kleine Brodkugeln aus seinen Fingern fallen und schien irgend etwas erzählt zu haben. Dieser, obgleich am besten gekleidet, – er trug eine gutgemachte und saubere herrschaftliche Livrée, – hatte das unangenehmste, ein wahrhaft widerliches Gesicht. Sein vorn fast nackter Schädel wurde von wenigen Haaren umflattert, die er von hinten hervorzukämmen versuchte, und an denen er beständig mit der Hand strich, um die widerspenstigen nach seinem Willen zu gewöhnen. Er schielte ein klein wenig und machte beständig ein spitzes Maul, um welches fast immer ein fades Lächeln spielte.

Diesen Männern gegenüber, fast hinter dem Ofen, befanden sich zwei Frauenzimmer, deren Gewerbe nicht zu verkennen war, denn neben der einen lehnte eine Harfe an der Wand, während auf der Bank zwischen Beiden eine Guitarre mit einem Band von verblichener Farbe war. Zwei Bündel befanden sich auf dem Tische neben einer Schüssel, woraus sie eine Suppe gegessen zu haben schienen; der Löffel der einen lehnte am rand des Gefässes, während die andere den ihrigen vor sich niedergelegt hatte. Sie waren von verschiedenem Alter und sehr ungleichem Aeussern; die erste mochte wohl an die Dreissig sein, während die andere das zwanzigste Jahr kaum zurückgelegt hatte. Die ältere erschien als eines jener leichtfertigen Wesen, welche Musik treiben, so lange Jemand da ist, der ihnen zuhört, dann aber gerne an einer freundlichen und innigeren Unterhaltung teilnehmen. Sie hatte ein rotkarrirtes Wollenkleid an, und da es ziemlich tief ausgeschnitten war, so bemerkte man ihre vollen Formen, die sie auch durchaus nicht zu verbergen strebte, denn ein kleines Halstuch hatte sie neben sich auf die Bank gelegt. Ihr Gesicht war wettergebräunt, hatte einen kecken, verwegenen Ausdruck, dicke, etwas aufgeworfene Lippen und dunkle, lebhafte Augen. Das Haar trug sie in zwei schwarzen Flechten, die um die Ohren herum an den Hinterkopf liefen, dabei hatte sie einen sogenannten schiefen Scheitel, und war das offenbar ein Mittel, um einige sehr dünne Stellen ihres Haarwuchses zu verdecken.

Die andere, die