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sich in einer Ecke des Saales über die erlittene Kränkung zu besprechen.

natürlich wurden sie von Artur augenblicklich durch drei frische Mädchen ersetzt, und als bald der junge Jagdhund, der sich wiederholt eines sonderbaren Hüstelns beflissen, von dem Maler scheinbar ruhig, aber mit einem gewissen festen blick, gegen einen grösseren Herrn umgetauscht worden war, stand das Bild so vortrefflich und schön, dass die Unbefangenen aus der Gesellschaft, als nun probirt wurde, einhellig in die hände klatschten.

Den Gemütszustand der alten Rätin bei dieser für sie so empörenden Scene brauchen wir wohl dem geneigten Leser nicht zu schildern; ihre Finger umspannten krampfhaft das Taschentuch, und da sie keinen Tisch vor sich zum Trommeln hatte, so machte sie ihrem Zorn auf andere Art Luft und schien von einem wahren Krampfhusten befallen zu sein.

Die probe ging nun zu Ende, die Eingeladenen verschwanden, nachdem sie der Herrin des Hauses versichert, die Aufführung der lebenden Bilder werde einen köstlichen Abend geben und sie freuten sich ungemein darauf.

Artur war mit dem Doktor F. weggegangen und die Rätin schloss sich in ihr Boudoir ein, um ruhig zu überlegen, was auf diese scandalöse geschichte zu tun sei.

Zweiunddreissigstes Kapitel.

Im Fuchsbau.

Der geneigte Leser wird sich vielleicht erinnern, dass wir ihn in einem früheren Kapitel in einen entlegenen teil der Stadt führten, wo sich in der Nähe des grossen Fruchtmarktes, in dem ältesten Teile der Stadt, ein Zusammenbau von alten massiven Häusern befand, die mit zahlreichen Gin- und Ausgängen auf verschiedene Strassen ziemlich sichere Schlupfwinkel waren für allerlei Leute, welche Ursache hatten, die Oeffentlichkeit zu scheuen und der spähenden Polizei nicht unter die Augen zu kommen.

Diese Gebäude, in früheren zeiten einzeln stehend, waren nach und nach durch Anbaue der verschiedensten Art vereinigt worden. Nach Bedürfniss hatte man Gänge angebracht, Mauern durchschlagen, Höfe überbaut und solchergestalt die Wohnungen unter einander verbunden, so dass aber das Ganze im inneren ein wahres Labyrint wurde, durch welches den Ein- und Ausgang zu finden für einen Uneingeweihten sehr schwierig, ja in gewissen Teilen ganz unmöglich wurde. Hier befanden sich Ausgänge, die auf irgend einen finstern Hof mit vielen Türen führten, wo ein des Weges Kundiger, wenn er gerade verfolgt wurde und nur wenige Schritte Vorsprung hatte, plötzlich verschwand, um durch einen andern Eingang des Gebäudes wieder zurückzukehren, ehe der Verfolger ihn zu Gesicht bekam.

Der wirklichen Ausgänge auf die Strassen waren es ausserordentlich viele, und obgleich man sie alle kannte, und es nicht schwer gewesen wäre, sie im Falle einer Durchsuchung zu besetzen, was übrigens schon häufig genug geschehen war, so zuckten doch die erfahrensten Polizei-Offizianten bei solchen Veranlassungen die Achseln und nannten das ein vergebliches Bemühen; denn sie seien überzeugt, so sagten sie, es befänden sich da geheime Ein- und Ausgänge durch benachbarte Keller oder Gott weiss wo sonst, von denen Keiner von ihnen eine Ahnung habe.

Natürlicherweise war aber der Sicherheitsbehörde der Eintritt in diese Gebäude durchaus nicht verwehrt und konnte sie hier ihren Amtsgeschäften nachgehen, so oft sie es für nötig erachtete.

Es wohnten hier eine Menge Familien von den verschiedenartigsten Gewerben, ja in einem Teile befanden sich sogar ein paar elegante Läden, sowie Werkstätten von Schmieden, Wagnern, Sattlern und dergleichen mehr. Von dem Ganzen besass die hohe Polizei einen sauber gearbeiteten und sehr korrekten Grundriss, den man einst durch den Stadtbaumeister aufnehmen zu lassen für notwendig besunden hatte, und darin waren auch die Familien verzeichnet, wo sie wohnten, wie viele Zimmer sie inne hatten, und es wurde strenge darauf gehalten, dass die verschiedenen Aus- und Einzüge der Behörde augenblicklich gemeldet wurden.

Obgleich nun so das ganze Anwesen scheinbar klar und durchsichtig vorlag, so war der Fuchsbau dennoch, wie wir schon oben angedeutet, eine wahre Räuberhöhle und wimmelte von Dieben, Betrügern und allem möglichen Gesindel mit seinem so notwendigen und zahlreichen Anhang von Hehlern jeder Art. Wie oft hatte man auf dringenden Verdacht plötzliche Haussuchungen angestellt, ohne je etwas gefunden zu haben; der gegründetste Verdacht war nie gerechtfertigt worden, und so fand denn auch die Gerechtigkeit keinen triftigen Grund, den Fuchsbau, wie man schon mehrmals in Vorschlag gebracht hatte, entweder ganz niederzureissen, oder in seiner ehemaligen Gestalt wieder herzustellen durch Entfernung der verschiedenen Anbaue mit ihren labyrintischen Treppen und Gängen, – ein Vorschlag, dessen Ausführung übrigens auch noch wegen des Kostenpunkts und der Gefährlichkeit in baulicher Beziehung seine Schwierigkeiten gehabt hätte.

Wir haben schon vorhin gesagt, dass das Ganze den Namen des Fuchsbaues hatte; ein besonderer teil hiess aber der Gastof zum Fuchsbau, und in diese stillen Gemächer wollen wir den geneigten Leser unsichtbar einzuführen uns erlauben, was so ohne Gefahr geschehen kann, wogegen er in Wirklichkeit mit einem guten Rock bekleidet ein sehr unwillkommener Gast sein würde.

Es ist draussen ein unheimliches nasskaltes Wetter; Schnee, Regen und Wind jagen einander in den engen Durchgang hinein, von dem wir schon früher sprachen, und da bei dieser Hetze die erstgenannten leichten Gesellen verschmolzen und verflogen sind, ehe sie der Sturm recht erfassen kann, so lässt er nun seine Wut an einer alten Laterne aus, die an rostigen Ketten von dem Gewölbe niederhängt und ächzend hin und her weht.

In dem Durchgang befindet sich jene uns schon bekannte kleine eiserne Gittertüre, von schweren Stangen gemacht, mit einem sehr soliden und künstlichen schloss, sowie oben und unten mit Riegeln versehen, die, wenn sie vorgeschoben sind, ungreifbar in das Eisen zurückfallen und nur durch eine künstliche Vorrichtung