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mit einer dieser hübschen Gestalten Winterhaler's, aber sie war die Nichte des Finanzministers, und ihre Mutter die stolz und breit vor dem Bilde sass und wohlgefällig auf ihre Tochter blickte, hatte Connexionen bei hof.

Eine Vierte, die der Maler nun aufrief, gefiel eben so wenig als die vorbenannten drei, und die Vier bildeten auch, um die Wahrheit zu sagen, einen gar betrübten Anblick, der durchaus nicht vermindert wurde, als nun Artur die beiden schönen Töchter des Steuerdirektors dazu plazirte, die in Jugendfrische und Schönheit strahlten.

Der Platz der Königin war allein noch unbesetzt.

Artur hatte sich schon mehrmal im saal umgesehen und endlich gefunden, was er suchte. Es war das eine junge schöne Blondine, ein herrliches, prachtvolles Weib, die bescheiden zurückgezogen neben ihrem mann, dem Doktor F., stand, der mit dem Steuerdirektor im eifrigen Gespräch an einer Fensternische lehnte. Das Umherschauen des Malers war von verschiedenen jungen Damen falsch gedeutet worden, und Manche, die sich woh berufen fühlte, eine Königin darzustellen, drängte sich auffallend hervor, ja die dicke Kanzleiratstochter, ein unternehmendes Wesen, lehnte sich, um einen Contrast hervorzubringen, schmachtend an eine dürre Hofrätin und sagte zu dem Maler im Gegensatz zu ihren früheren Aeusserungen: "Ah! das wird ein schönes Bild; wie prächtig verlehnen schien, wozu sie leicht die Achseln zuckte und den Knopf neigte, als wollte sie sagen: ich gehöre nicht in den vornehmen Kreis.

"Nun, die Königin!" sprach freundlich die Kommerzienrätin, die sehr geschmeichelt war über die vielen Komplimente, die man ihrem Talente, Tableaux zu arrangiren, von allen Seiten machte.

"Ach ja, die Königin!" wiederholten sehnsüchtig mehrere Damen und blickten erwartungsvoll auf Artur, der nun durch die Reihen schritt und die widerstrebende Doktorin F. auf den erhöhten Sitz führte.

Hätten aber mehrere Blitze vor der Herrin des Hauses, vor der Frau von W. und den meisten der alten Rätinnen dicht eingeschlagen, die Gesichter hätten nicht länger, die Mienen nicht bestürzter sein können, als nun, da die schöne Königin sich elegant auf ihrem Sitz niederliess undjeder Zoll eine Herrscherinihre Untergebenen betrachtete.

Die Gruppe des Decamerone glich nun einem Strauche, dessen eine Seite voll duftender Blüten hängt, während über die andere ein eisiger Nordwind fuhr, der nicht nur keine Blume aufkeimen liess, sondern sogar das Laub verwelkte und verdorrte.

Frau von W., die sich zuerst zu fassen schien, warf der Kommerzienrätin einen nichts weniger als freundschaftlichen blick zu, dann zuckte sie die Achseln und fragte hierauf ihre Tochter: "Nicht wahr, mein Kind, du sitzest sehr schlecht?"

"Ja, Mama," erwiderte diese, "es ist sehr anstrengend, und ich werde es an dem Abend kaum aushalten können."

"Dann bitte ich, sich nicht zu geniren," versetzte Artur, indem er sich auf die Lippen biss. "Wenn es Ihnen wirklich zu anstrengend ist, so können wir die Sache anders einrichten."

Da erhob sich fräulein von W., trat zu ihrer Mutter zurück, und sagte so laut, dass es die Dame des Hauses hören könnte: "Das kann man doch nicht von mir verlangen, neben der – – Frau Doktorin F. zu stehen!"

"U n t e r i h r z u s i t z e n !" sprach entrüstet die Mutter. "Die probe ist doch bald zu Ende," wandte sie sich kalt an die Kommerzienrätin, "Sie werden erlauben, dass ich mich leise empfehle." Damit stand sie auf, machte ein förmliches Kompliment und rauschte mit ihrer Tochter nicht ohne einiges aufsehen zum saal hinaus.

Die Schwestern des jungen Jagdhundes sahen sich bedeutsam an und fingen an unruhig auf ihren Sitzen hin und her zu rücken; er selbst, der JustizreferendärAspirant, hob die Nase in die Höhe und sagte geringschätzig: "Ihr habt doch eigentlich da einen schlechten Platz bekommen."

"O ja, das fühlen wir auch," entgegneten die Beiden einstimmig; und die eine setzte boshaft hinzu: "Wir scheinen doch nicht recht in dieses Bild zu passen," worauf sie sich langsam erhoben, um sachte auf die Seite und von der Estrade hinab zu rutschen.

Artur hatte alles Dies vorher gesehen, und um in seine Schlachtordnung keine auffallende Lücke zu bringen, das zuerst ausgetretene fräulein von W. durch die dicke Kanzleiratstochter ersetzt, was ihn allerdings einen süssen blick und einen Händedruck kostete, als er sie auf ihren Platz führte.

Der Doktor F. war unterdessen mit dem Obersteuerdirektor näher getreten, und Beide hatten wohl bemerkt, um was es sich handle. Der Doktor biss sich gelind auf die Lippen und warf seiner Frau aus der Entfernung einen blick zu, den sie mit einem unbefangenen Lächeln erwiderte.

Der Obersteuerdirektor trat dicht an die Estrade heran und sagte seinen beiden Töchtern: "Ihr habt da einen vortrefflichen Platz; sitzt nur recht ruhig und macht dem schönen Tableau alle Ehre!" – eine Bemerkung, wofür ihm die schöne Königin einen blick des innigsten Dankes zuwarf, denn wir brauchen dem geneigten Leser nicht wohl erst zu sagen, dass diese Frau mit ihrem zarten Gefühl augenblicklich die niedrige Unverschämteit begriffen hatte, welche die schlecht erzogenen Töchter gebildet sein wollender Stände gegen sie begangen.

Auch das vierte von der Kommerzienrätin octroyirte verwelkte Blatt entfiel dem Strausse und säuselte den Töchtern des Ober regierungsrats nach, um