Mann mit einem schwarzen hut, und er hat mir gesagt, er könne allerhand schöne Dinge malen, Schlangen und Krokodile, besser als du, und wenn er künftig wieder kommt, wird er mir auch Soldaten und Offiziere machen. – Hast du eine Wurst mitgebracht?"
"Pfui, Karl! sei stille! – Ein Maler also? – Ah!"
Damit öffnete die Tänzerin die tür, blieb aber überrascht auf der Schwelle stehen, und ihr Gesicht, Hals und Nacken überzog sich mit tiefer Röte. Sie erkannte ihn augenblicklich; obgleich es eine wirkung der Freude war, welche das Blut gewaltsam nach ihren Wangen trieb, so war es doch auch wohl die Erwartung, was er hier bei dem Vater zu tun habe, und daneben auch ein klein wenig Verdruss, als sie aus seiner Anwesenheit ersah, dass er ihrem strengen Befehl nicht Folge geleistet habe.
"Meine Tochter Clara," sagte Herr Staiger, der aber glücklicherweise gerade sein Manuscript zusammen schob und das Buch von Sealfield darauf legte. – "Meine Aelteste, der Stolz der Familie!"
"Ah Papa!" versetzte das Mädchen in grosser Verlegenheit. Und da hiedurch ihr liebes Gesicht das Recht erhielt, einige Verwirrung zu zeigen, so brauchte sie diese nicht zu verbergen, als nun der alte Mann lachend sagte:
"Ei mein Kind, du darfst nicht erröten: wer so mütterlich für uns Alle sorgt, der darf in Wahrheit der Stolz der Familie genannt werden. Habe ich nicht Recht, Karl?"
Das Bübchen hatte sich an ihren Arm gehängt und ergriff statt aller Antwort ihre Hand, die er nun bald hier bald da an sein Gesichtchen drückte; die kleine Schwester dagegen nahm Hut und Tuch in Empfang, die Clara eilig ablegte. Dann warf sie verstohlen einen blick in den Spiegel und näherte sich nun leicht, graziös und unbefangen dem Fenster, an welchem Artur stand.
Siebenundzwanzigstes Kapitel.
Ein einfaches Mittagessen.
Wie war das Mädchen, erhitzt von dem Tanze und der Aufregung, so wunderbar schön! Wie glänzten ihre dunklen Augen, wie leicht und elegant schritt sie daher! Artur sah mit der innigsten Liebe auf sie, und er musste sich gestehen, lange kein so liebliches Bild gesehen zu haben. Er senkte seinen blick in ihr Auge, tief, innig und bittend, und namentlich der letztere Ausdruck schien ihren Unmut zu verscheuchen.
"Das ist Herr Artur Erichsen, ein junger Maler und ein neuer freundlicher Bekannter, den ich mir erworben. Wir trafen uns neulich beim Buchhändler Blaffer, von dem er den Auftrag hatte, Onkel Toms Hütte zu illustriren, und er kam nun hieher, um sich mit mir über diese Illustrationen zu besprechen."
"Gewiss, mein fräulein," nahm Artur eifrig das Wort, "ich besuchte Ihren Papa in der Absicht, um mir seinen Rat zu erbitten, auf welche Art diese schwierige Arbeit am besten anzugreifen sei."
Clara lächelte ein wenig, aber so unmerklich, dass nur Artur es sah. Ein Liebender bemerkt ja Alles, und auch für ihn nur war desshalb der momentane Blitz in ihren Augen verständlich, sowie ein unbedeutendes Zucken der Mundwinkel, – dieser kleinen, reizenden Mundwinkel.
Die Röte von vorhin war von ihrem gesicht gewichen, ja hatte einer leichten Blässe Platz gemacht, als sie vor Artur stand, die Hand auf den Tisch gestützt, und ihm sagte: "Es freut mich sehr, dass Sie Papa besucht haben und dass Sie so gütig waren, mit ihm über Ihre Arbeit zu plaudern. – Ach!" setzte sie hinzu, "es kommt so selten Jemand zu ihm, der mit ihm zu sprechen versteht, gegen den er seine Ideen und Ansichten austauschen kann, dass es ihm gewiss, gewiss recht lieb war, dass Sie ihn besuchten."
Wir müssen gestehen, dass Artur atemlos auf ihre Worte gelauscht; und als sie ihn so treuherzig und lieb ansah und ihm sagte, es sei dem Papa gewiss – gewiss recht lieb, dass er gekommen, da durchzuckte ihn ein unnennbar süsses Gefühl, sein Herz schien einen Augenblick die Pulsschläge auszusetzen und still zu stehen vor übergrosser Freude und Seligkeit. Er gestand sich oft, dies sei einer der süssesten Momente seines Lebens gewesen, und es tue ihm nur leid, dass er gewaltsam seine Tränen zurückgehalten habe, die im Begriffe waren, ihm in die Augen zu treten.
Auch Clara fühlte Aehnliches, denn nachdem sie gesprochen, wie wir soeben hier niedergeschrieben, blieb sie noch eine Sekunde ruhig vor ihm stehen, schaute ihn so herzlich an, wie er sie, und Beide hatten den gleichen Gedanken: sie waren froh, dass sie sich jetzt endlich einmal im hellen Licht des Tages sahen, und so nahe, – nicht wie früher immer im Halbdunkel der Strasse, wenn sie aus dem Wagen sprang, oder beim falschen Glanz der Lichter.
Wie lange dieses gegenseitige Beschauen wohl gedauert hätte, weiss der liebe Gott. Glücklicherweise aber legte sich das Bübchen in's Mittel und zog die beiden hochfliegenden Seelen in den Bereich der Wirklichkeit zurück.
"Die Kartoffeln sind fertig," sprach es mit bestimmtem Tone, "sie platzen schon auf."
"Dann ist es Zeit!" rief Artur, indem er wie aus einem tiefen Traum erwachte; "und ich muss mich entfernen, um Sie nicht in Ihrem Mittagessen zu stören."
Bei diesen Worten sah der alte Mann seine Tochter bedeutsam an, und als Clara