wieder einen ansehnlichen Haufen Bohnen auf den Tisch schüttete, welcher bis zum Abend auszureichen schien. Allein die Haushälterin erschien plötzlich und erklärte, dass Anna mit in den Weinberg müsste, damit man heute mit demselben noch fertig würde und eines kleinen Überbleibsels wegen nicht am andern Tage hinzugehen brauche. Diese Erklärung betrübte mich, und ich ward sehr ärgerlich über die alte Frau, Anna hingegen brach sogleich willig und freundlich auf und bezeigte weder Freude noch Verdruss über die Änderung ihres Planes. Die Alte, als sie mich bleiben sah, sagte, ob ich nicht auch mitkomme, ich werde doch nicht allein hiersein wollen und es sei recht schön im Weinberge. Allein ich war nun schon zu tief betrübt und unwillig und erklärte, ich müsste meine Zeichnung zu Ende führen. Demgemäss wurde mir ein kleines Fläschchen Wein und Brot in der stube zurechtgesetzt für die Vesperzeit und der Hausschlüssel übergeben, den ich neben mich legte. Bald war ich allein in der einsamen Gegend und der Nachmittagsstille und fühlte mich nun doch wieder zufrieden. Auch kam dies Alleinsein meinem Machwerke zu gut, indem ich mir mehr Muhe gab, die natürlichen Blumen vor mir wirklich zu benutzen und an ihnen zu lernen, während ich am Vormittage mehr nach meiner früheren Kindermanier drauflosgepinselt hatte. Ich mischte die Farben genauer und verfuhr reinlicher und aufmerksamer mit den Formen und Schattierungen, und dadurch entstand ein Bild, welches an der Wand unschuldiger Landbewohner etwas vorstellen konnte.
Darüber verfloss die Zeit schnell und leicht und brachte den Abend, indessen ich mit Liebe die Zeichnung nach meiner Einsicht vervollkommnete und überall ein Blatt oder einen Blumenstiel ausbesserte und einen Schatten verstärkte, dort einen vergessenen Staubfaden hinzufügte. Die Neigung für das Mädchen lehrte mich dies gewissenhafte Fertigmachen und Durchgehen der Arbeit, welches ich bis dahin noch nicht gekannt, und als ich gar nichts mehr anzubringen sah, schrieb ich in eine Ecke des Blattes "Heinrich Lee fecit", was ich mir anderswo schon gemerkt hatte, und unter den Strauss mit schöner Schrift den Namen der künftigen Eigentümerin.
Der Weinberg musste inzwischen noch ein grosses Stück Arbeit gegeben haben, denn schon schwebte die Sonne dicht über dem Waldrande und warf ein feuerfarbenes Band über das dunkelnde Gewässer her, und noch hörte ich nichts von meinen Gastfreunden. Ich setzte mich auf die Stufen vor dem haus, den Wein und das Brot neben mir, wie ein Arbeiter, der seines Lohnes wert ist. Die Sonne ging hinab und liess eine hohe Rosenglut zurück welche auf alles einen sterbenden Nachglanz warf und die Zeichnung auf meinen Knien samt meinen Händen wunderbar rötete und etwas Rechtem gleichsehen liess. Da ich sehr früh aufgestanden war und in diesem augenblicke auch sonst nichts Besseres zu tun wusste, schlief ich allmählich ein, und als ich erwachte, standen die Zurückgekehrten in der vorgerückten Dämmerung vor mir und am dunkelblauen Himmel wieder die Sterne. Meine Malerei wurde nun in der stube bei Licht besehen, die Magd schlug die hände über den Kopf zusammen und hatte noch nie etwas Ahnliches erblickt, der Schulmeister fand mein Werk gut und belobte meine Artigkeit gegen sein Töchterchen mit schönen Worten und freute sich darüber, Anna lächelte vergnügt auf das Geschenk, wagte aber nicht, es anzurühren, sondern liess es auf dem flachen Tische liegen und guckte nur hinter den anderen hervor darüber hin. Wir nahmen nun das Nachtmahl ein, nach welchem ich aufbrechen wollte; aber der Schulmeister verhinderte mich daran und gab Befehl, mir ein Lager zu bereiten, da ich mich auf dem dunklen Berge unfehlbar verirren würde. Obgleich ich einwandte, dass ich den nächtlichen Weg ja schon einmal zurückgelegt hätte, liess ich mich doch leicht bereden, aus blosser Freundschaft dazubleiben, worauf wir in den kleinen Saal mit der Orgel gingen. Der Schulmeister spielte, und Anna und ich sangen dazu einige Abendlieder und, der Magd zu Gefallen, welche gern mitsang, einen Psalm, den sie mit heller stimme beherrschte. Dann ging der Alte zu Bette. Doch jetzt begann erst die herrschaft der alten Katerine, welche unten in der stube einen ungeheuren Vorrat von Bohnen aufgetürmt hatte, welche heute nacht noch sämtlich bearbeitet werden sollten. Denn da sie nachts nicht viel schlafen konnte, beharrte sie hartnäckig auf der ländlichen Sitte, dergleichen Dinge bis tief in die Nacht hinein vorzunehmen. So sassen wir bis um ein Uhr um den grünen Bohnenberg herum und trugen ihn allmählich ab, indem jedes einen tiefen Schacht vor sich hineingrub und die Alte den ganzen Vorrat ihrer Sagen und Schwänke heraufbeschwor und uns beide, die wir wach und munter blieben wie Wieselchen, so lachen machte, dass uns die Tränen über die Wangen liefen. Anna, welche mir gegenübersass, baute ihren Hohlweg in die Bohnen hinein mit vieler Kunst, eine Bohne nach der anderen herausnehmend, und grub unvermerkt einen unterirdischen Stollen, so dass plötzlich ihr kleines Händchen in meiner Höhle zutage trat, als ein Bergmännchen, und von meinen Bohnen wegschleppte in die grauliche Finsternis hinein. Katerine belehrte mich, dass Anna der Sitte gemäss verpflichtet sei, mich zu küssen, wenn ich ihre Finger erwischen könne, jedoch dürfe der Berg darüber nicht zusammenfallen, und ich legte mich deshalb auf die Lauer. Nun grub sie sich noch verschiedene Wege und begann mich auf die listigste Weise zu necken; die Hand in der Tiefe des Bohnengebirges versteckt, sah sie mich über dasselbe her mit ihren blauen Augen neckisch an, indessen sie hier eine Fingerspitze hervorgucken liess, dort die Bohnen bewegte, wie ein unsichtbarer Maulwurf, dann plötzlich mit der ganzen Hand hervorschoss und