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, die man sonst den Knaben für Farben gibt, die aber auch den heissesten Bemühungen nicht eine wohlwollende Tinte preisgeben. Ich hatte schon durch, Meierlein erfahren, dass man nicht unmittelbar mit dem Pinsel diese Täfelchen aushöhlen, sondern dieselben in Schalen mit wasser anreiben müsse. Sie gaben reichliche, gesättigte Tinten, ich fing an, mit selben Versuche anzustellen, und lernte sie mischen. Besonders entdeckte ich, dass Gelb und Blau das verschiedenste Grün herstellten, was mich sehr freute, daneben fand ich die violetten und braunen Töne. Ich hatte schon längst mit Verwunderung eine alte in Öl gemalte Landschaft betrachtet, welche an unserer Wand hing; es war ein Abend, der Himmel, besonders der unbegreifliche Übergang des Roten ins Blaue, die Gleichmässigkeit und Sanfteit desselben reizte mich ungemein, ebensosehr der Baumschlag, welcher mich unvergleichlich dünkte. Obgleich das Bild unter dem Mittelmässigen steht, schien es mir ein bewundernswertes Werk zu sein, denn ich sah die mir bekannte natur um ihrer selbst willen mit einer gewissen Technik nachgeahmt. Stundenlang stand ich auf einem stuhl davor und versenkte den blick in die anhaltlose Fläche des himmels und in das unendliche Blattgewirre der Bäume, und es zeugte eben nicht von grösster Bescheidenheit, dass ich plötzlich unternahm, das Bild mit meinen Wasserfarben zu kopieren. Ich stellte es auf den Tisch, spannte einen Bogen Papier auf ein Brett und umgab mich mit alten Untertassen und Tellern; denn Scherben waren bei uns nicht zu finden. So rang ich mehrere Tage lang auf das mühseligste mit meiner Aufgabe; aber ich fühlte mich glücklich, eine so wichtige und andauernde Arbeit vor mir zu haben, vom frühen Morgen bis zur Dämmerung sass! ich daran und nahm mir kaum Zeit zum Essen. Der Frieden, welcher in dem gutgemeinten Bilde atmete, stieg auch in meine Seele und mochte von meinem gesicht auf die Mutter hinüberscheinen, welche am Fenster sass und nähte. Noch weniger, als ich den Abstand des Originales von der natur fühlte, störte mich die unendliche Kluft zwischen meinem Werke und seinem Vorbilde. Es war ein formloses, wolliges Geflekksel, in welchem der gänzliche Mangel jeder Zeichnung sich innig mit dem unbeherrschten Materiale vermählte; wenn man jedoch das Ganze aus einer tüchtigen Entfernung mit dem Ölbilde vergleicht, so kann man noch heute darin einen nicht ganz zu verkennenden Gesamteindruck finden. Kurz, ich wurde zufrieden über meinem Tun, vergass mich und fing manchmal an zu singen, wie früher, erschrak jedoch darüber und verstummte wieder. Doch vergass ich mich immer mehr und summte anhaltender vor mich hin, wie Schneeglöckchen im Frühjahr tauchte ein und das andere freundliche Wort meiner Mutter hervor, und als die Landschaft fertig war, fand ich mich wieder zu Ehren gezogen und das Vertrauen der Mutter hergestellt. Als ich eben den Bogen vom Brette löste, klopfte es an die Tür, und Meierlein trat feierlich herein, legte seine Mütze auf einen Stuhl, zog sein Büchlein hervor, räusperte sich und hielt einen förmlichen Vortrag an meine Mutter, indem er in höflichen Worten Klage gegen mich einlegte und die Frau Lee wollte gebeten haben, meine Verbindlichkeiten zu erfüllen; denn es würde ihm leid tun, wenn es zu Unannehmlichkeiten kommen sollte! Damit überreichte der kleine Knirps sein unvermeidliches Buch und bat, gefällige Einsicht zu nehmen. Meine Mutter sah ihn mit grossen Augen an, dann auf mich, dann in das Büchelchen und sagte: "Was ist das nun wieder?" Sie durchging die reinlichen Rechnungen und sagte: "Also auch noch Schulden? Immer besser, ihr habt das Ding wenigstens grossartig betrieben!" während Meierlein immer rief: "Es ist alles in bester Ordnung, Frau Lee! Diesen letzten Posten nach der Hauptrechnung bin ich jedoch erbötig nachzulassen, wenn Sie mir jene berichtigen wollten." Sie lachte ärgerlich und rief: "Ei, ei! So, so? Wir wollen die Sache einmal mit deinen Eltern besprechen, Herr Schuldenvogt! Wie sind denn diese artigen Schulden eigentlich entstanden?" Da reckte sich der Bursche empor und sagte: "Ich muss mir ausbitten, ganz in der Ordnung!" Die Mutter aber fragte mich streng, da ich ganz verblüfft und in neuer Beklemmung dagestanden: "Bist du dem Jungen dieses schuldig und auf welche Weise? Sprich!" Ich stotterte verlegen ja und einige Tatsachen über die natur der Schulden. Da hatte sie schon genug und jagte den Meierlein mit seinem buch aus der stube, dass er sich mit frechen Gebärden davonmachte, nachdem er noch einen drohenden blick auf mich geworfen. nachher befragte sie mich weitläufig über den ganzen Hergang und geriet in grossen Zorn; denn es war vorzüglich das ehrbare Ansehen dieses Knaben gewesen, welches sie über meine Vergehungen keine Ahnung empfinden liess. Sodann nahm sie gelegenheit, gründlicher auf alles Geschehene einzugehen und mir eindringliche Vorstellungen zu machen, aber nicht mehr im Tone der strengen und strafenden Richterin, sondern der mütterlichen Freundin, die bereits verziehen hat. Und nun war alles gut.

Allein doch nicht alles. Denn als ich nun wieder in die Schule trat, bemerkte ich, dass mehrere Schüler, um Meierlein versammelt, die Köpfe zusammensteckten und mich höhnisch ansahen. Ich ahnte nichts Gutes, und als die erste Stunde zu Ende war, welche der Rektor der Schule selbst gegeben, trat mein Gläubiger respektvoll vor ihn hin, sein Büchlein in der Hand, und erhob in geläufiger Rede seine Anklage wider mich. Alles war gespannt und horchte auf, ich sass wie auf Kohlen. Der Rektor stutzte