dannen.
Die Bilder kamen in zwei Tagen nach und waren bald zur öffentlichen Ausstellung hergerichtet. Der Graf beschäftigte sich so munter mit der Sache, als ob er selbst der Künstler wäre, und hatte die grösste Freude daran, überall dabeizusein und seinen Schützling zu bevormunden. Wie er es gewünscht, so kam es auch, als die Bilder endlich in dem saal hingen, wo die Künstler und die wohlhabenden Liebhaber abund zugingen. Sie sprangen ziemlich anspruchsvoll in die Augen, hielten aber die erregte Aufmerksamkeit tapfer aus; alte Bekannte wunderten sich über das plötzliche Auftauchen des verschollenen Heinrich und drückten ihm mit achtung und aufrichtigen Glückwünschen die Hand; der Graf unterliess nicht, vornehm aussehende Herren und Damen vor die Bilder zu führen, so dass sich der Beifall herumsprach und immer ein Trüppchen elegantes Publikum davorstand, kurz, Heinrich konnte nun doch noch mit Ehren und mit leichtem Sinne von dem Handwerk scheiden, und dieser Abschied erhielt dadurch einen vollern und schwerern Gehalt. Als Heinrich endlich bei den Aufsehern der Säle den Preis der Bilder angeben wollte, drängte sich der Graf dazwischen und schrieb den betreffenden Zettel selbst auf. Aber er schrieb eine so ausgiebige Summe hin, dass Heinrich laut auflachte und rief "Da werden wir lange warten können, bis wir die Fahnen an den Mann bringen!" – "Das werden wir schon sehen", erwiderte der Graf, "nur nicht blöde, mein Freund!" Und in der Tat wurden die Bilder in einigen Tagen gekauft, aber vom Grafen selbst, ohne dass Heinrich es wusste; denn er liess den Kauf unter fremdem Namen vor sich gehen und abschliessen, und zwar nicht um Heinrich eine Art Geschenk aufzudrängen, sondern weil er die zwei Landschaften, welche er veranlasst und entstehen gesehen, selber besitzen wollte und schon ihren Platz in seinem haus angeordnet hatte.
Nun hätte Heinrich endlich ohne Hindernis nach seiner Heimat und zu seiner Mutter eilen können; allein wie er sich dazu anschickte, begegneten ihm noch zwei Abenteuer, die ihn ganz verschieden betrafen. Ein alter Bekannter aus der Zeit, da Heinrich mit Ferdinand Lys und Erikson umgegangen, welcher von seinem Wiederauftauchen gehört, suchte ihn auf und gab ihm einen Brief des Ferdinand, welcher schon vor Monaten aus Palermo gekommen war für Heinrich und von Hand zu Hand ging, ohne bestellt werden zu können. Zugleich teilte er ihm mit, dass neueren Nachrichten zufolge der Schreiber des Briefes seiter gestorben sei, ohne jedoch etwas Näheres von den Verhältnissen zu wissen.
Heinrich erschrak und ahnte Schlimmes! Er liess daher den Überbringer erst fortgehen, ehe er den Brief öffnete; dann aber tat er ihn auf und las: "Lieber Heinrich! Nachdem ich mich die Jahre her leidlich herumgeschleppt, muss ich nächstens nun endlich doch noch sterben an dem Stich, den Du mir so tapfer versetzt. Ich tue Dir dies selbst noch kund, um Dir zugleich zu sagen, dass Du mir zwar ein freundliches Andenken bewahren, aber die Sache Dich nicht etwa zu sehr angreifen lassen mögest. Es wäre mir eine Bitterkeit, zu denken, dass Du nur einen Tag lang deswegen unglücklich werden dürftest; denn was geschehen ist, ist sowohl meine Schuld wie Deine, und da ich zufrieden und glücklich sterbe und mit mir im reinen bin, so ist weiter gar nichts zu sagen als noch einmal ich hoffe, Du werdest so klug sein und Dich meinen Tod nicht anfechten lassen! Ich habe seiter viel an Dich gedacht und bin ein förmlicher Philosoph geworden! Nach meiner Berechnung, die ich angestellt, musst Du jetzt aus der Torheit auch heraus sein, wozu ich Dir Glück wünsche! Lebe wohl, liebe die Welt, sie ist schön, und denke nur mit vollkommen ruhigem Sinn an Deinen treuen Freund! Der lange Erikson ist schon zweimal hier bei mir gewesen. Er hat einen grossen Schacher und Handel angelegt und fährt auf einem eigenen Dampfschiffe, das er selber steuert, in der halben Welt herum, und seine Frau geht ihm nicht von der Seite. Wenn dieser Brief Dich trifft, so schreibe mir, wie es Dir ergeht! Trifft er Dich nicht, so ist es auch gut, denn alsdann bleibt Dir hoffentlich die ganze Affäre unbekannt!" Heinrich gab den Brief dem Grafen, ohne etwas zu sagen. Der Graf las ihn und beobachtete Heinrich aufmerksam während einer Stunde, ohne dass sie etwas über die Sache sprachen. Endlich aber sagte der Graf "Nun, wie ist Ihnen zu Mut? Wie nehmen Sie diesen Brief auf?" Ohne Verzug erwiderte Heinrich "Ganz wie er geschrieben ist! Ich würde ihm ebenso geschrieben haben, wenn Ferdinand mich getötet hätte! übrigens vermute ich, dass bei dieser gelegenheit der letzte Rest von Willkürlichkeit und Narrheit aus mir schwindet."
Noch am gleichen Tage wurde er durch eine gerichtliche Behörde, die schon lange nach ihm gefahndet, ausfindig gemacht und hinbeschieden. Als er dort war und sich als rechtmässiges Ich ausgewiesen hatte, ward ihm eröffnet, wie jenes tote Trödelmännchen ihn zu seinem Erben eingesetzt habe. Verwundert hörte Heinrich die Vorlesung des Testamentes an, nach welchem der fahrende Kram des Verstorbenen gerichtlich verkauft und erst dann dem eingesetzten Erben der letzte Wille bekanntgemacht und die vorhandene Barschaft eingehändigt werden musste. Man hatte aber in einem alten silbernen Becher von mächtiger Grösse, der mit einem Deckel versehen war, einen ganzen Schatz in Gold und öffentlichen Papieren vorgefunden, was ein ordentliches bürgerliches Vermögen ausmachte und kein Mensch hinter dem Alten gesucht hätte. Dieser sonderbare Becher stand jetzt auf