leidvoll auf ihn zu und schlug ihm dergestalt hinter das Ohr, dass der arme Kerl zur Seite taumelte, und ehe der sich wieder fassen konnte, prügelte Heinrich all sein Weh auf den fremden rücken und schlug sich an dem brechenden Kruge die Hand blutig, bis der Feldlümmel, welcher glaubte, der Teufel sei hinter ihm her, sich aus dem Staube machte und erst aus der Entfernung anfing, mit Steinen nach dem tollen Heinrich zu werfen. Langsam ging dieser davon und bedeckte seine überströmenden Augen mit beiden Händen. Solche Kunststücke trieb er nun, und der Himmel mochte wissen, wo er sie gelernt hatte.
Endlich aber stellte sich von dem andauernden Druck des besagten goldenen Bildes ein bleibender körperlicher Schmerz auf der linken Seite ein, der erst nur ganz leise war und sich nur allmählich bemerklich machte. Als ihn Heinrich endlich entdeckte und von der gewohnten Beklemmung unterschied, fuhr er unablässig mit der Hand über die Stelle, als ob er wegwischen könnte, was ihm weh tat. Da es aber nicht wegging, sagte er "So, so, nun hat's mich!" denn er dachte, dieses wäre nun das wirkliche und wahrhaftige Herzeleid, an welchem man stürbe, wenn es nicht aufhörte. Und er wunderte sich, dass also das bekannte Herzweh, welches in den Balladen und Romanzen vorkommt, in der Tat und Wahrheit existiere und gerade ihn betreffen müsse. Erst empfand er fast eine kindische Schadenfreude, wie jener Junge, welcher sagte, es geschehe seinem Vater ganz recht, wenn er sich die Hand erfröre, warum kaufe er ihm keine Handschuhe? Doch dann schlug dies Vergnügen wieder in Traurigkeit um, als er sich ernstlicher bedachte und befand, dass nun gar keine Rede mehr davon sein könne, Dortchen etwas zu sagen, da die Sache bedenklich würde und ihr Sorgen und Befangenheit erwecken müsste.
Er suchte jetzt sein Wäldchen wieder auf am Berge, das indessen schön grün geworden war und von Vogelsang ertönte. Auf dem Baume, unter dem Heinrich den ganzen Tag sass, war ein Star und guckte, wenn er genug Würmchen gefressen hatte, zutulich auf ihn herunter und stieg jeden Tag um einen Ast näher herab. Während nun Heinrich darüber nachsann, wie dieser Kummer alles andere, was ihn schon gequält, weit hinter sich lasse, wie das Leid der Liebe so schuldlos sei, denn was habe man getan, dass einem ein anderes Wesen so wohl gefalle? und dennoch so unerträglich und bitter und unvernünftig und einen zugrunde zu richten vermöge, und während er sich jedoch vornahm, dass dies nicht geschehen solle und er sich schon seiner Haut wehren wolle, sprach er nichts mehr als immer den gleichen Seufzer "O Dortchen, Dortchen – Dortchen, Dortchen Schönfund! Wenn du wüsstest, wie mir es ergeht!" und dies so oft, dass eines schönen Morgens über seinem kopf unversehens eine seltsame stimme rief: "O Dortchen, Dortchen Schönfund! Wenn du wüsstest, wie mir es ergeht!" Dies war der Star, der diese Worte gemächlich auswendig gelernt und nun jedesmal damit fortfuhr, wenn Heinrich eine Weile geschwiegen, so dass sie nun unablässig in dem grünen Busch ertönten. Manchmal, wenn Heinrich nur abgebrochen Dortchen rief und wieder schwieg, sang der Star "Dortchen?" worauf Heinrich antwortete "Ja, Dortchen ist nicht hierchen!" Oder wenn er bloss seufzte "Wenn du wüsstest!" so rief der Vogel nach einem Weilchen "Wie mir es ergeht!"
Es erging ihm aber auch so schlimm, dass er sich nach Doroteens Wiederkehr sehnte, bloss um eine äusserliche Veränderung zu erfahren und sie noch einmal zu sehen, um dann unverzüglich fortzugehen. Als er gerade am letzten Abend der drei Wochen sich ins Haus begab, hoffte er nicht, dass sie schon dasein würde, sah aber schon vom Garten her, dass Licht in ihrem Zimmer war, und erfuhr, dass sie schon am Nachmittage pünktlich angekommen sei. Sogleich befand er sich um vieles besser und schlief wieder einmal ziemlich gut, ohne von ihr zu träumen, da sie sonst immer ihm im Traume erschienen war. Dies hatte ihn auch immer so gequält, wenn die Geträumte ihm durchaus wohlgeneigt nahte, ein leises gütiges Wort flüsterte oder ihn freundlich ansah und er dann nach dem Erwachen nicht fassen und begreifen konnte, warum es nicht wahr sein und er nicht zu seinem erträumten Rechte kommen sollte, als ob die Gute für das verantwortlich wäre, was er träumte.
Am Morgen erklang schon früh ihre stimme durch das Haus; sie spielte und sang wie eine Nachtigall an einem Pfingstmorgen, und das Haus war voll Leben und Fröhlichkeit. Heinrich wurde zum Frühstück eingeladen, um die Wiedergekehrte zu begrüssen. Hastig und mit klopfendem Herzen ging er hin; aber sie war so lustig und aufgeweckt, dass der Erznarr sogleich wieder traurig wurde, da sie auch gar nichts zu merken schien von dem, was mit ihm vorging.
Dennoch wirkte ihre Gegenwart so wohltuend auf ihn, dass er sich zusammennahm, nicht mehr weglief und sich still und bescheiden verhielt, ohne viel Worte zu verlieren, allein darauf bedacht, bald fortzukommen. Aber sie machte ihm dies nicht so leicht, sondern trieb hundertfachen Mutwillen, der ihn immer wieder aufregte und störte, wobei sie sich immer an andere wandte und vorzüglich Apollönchen dazu brauchte, welche für sie kichern und lachen musste, so dass Heinrich nie wusste, wem es gelten sollte, und hundertmal in Versuchung geriet, die Kleine beim Kopf