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lassen und rechen. Habe mein Tractament mit der Kleinen changiret und will nunmehr die Hungerkur probiren. Auch hab ich ein Röcklein von grobem Sacktuch durch meine Ehefrau selbsten anfertigen lassen und verboten, der Meret ein ander Habit anzulegen, sintemal diese Busskleidung ihr am besten conveniret. Verstockteit auf dem gleichen Puncto."

"sah mich heute gezwungen, die kleine Demoiselle von allem Verkehr und Unterhalt mit denen Baurenkindern abzusperren, weill sie mit selbigen in das Holz gelauffen, allda gebadet im Holzweiher, das Busshemdlein, so ich ihr ordiniret, an ein Baumast gehenkt hat und nackend davor gesprungen und getanzt und auch ihre Gespanen zu frechem Spott und Unfug aufgereizet. Beträchtliche Correction."

"heute ein grosser Spectakel und Verdruss. Kame ein grosser, starker Schlingel, der junge Müllerhans, und richtete mir Händel an von wegen der Meret, welche er alltäglich schreien und heulen zu hören vorgegeben, und disputirte ich mit demselben, als auch der junge Schulmeister, der Tropf, herankam und drohete, mich zu verklagen, und fiel über die schlimme Creatur her, herzete und küssete sie etc. etc. Liess den Schulmeister alsogleich arretiren und zum Landvogt führen. Dem Müllerhans muss ich auch noch beikommen, obgleich selbiger reich und gewalttätig ist. Möchte bald selber glauben, was die Bauersleute sagen, dass das Kind eine Hexe sei, wenn diese Opinion nicht der Vernunft widerspräche. Jeden Falls steckt der Teufel in ihr und habe ich ein schlimmes Stück Arbeit übernommen."

"Diese ganze Woche habe ich einen Mahler im haus tractiret, so mir Madame übersendet, damit er das Portrait der kleinen fräulein anfertige. Die bedrängte Familie will das Geschöpfe nicht mehr zu sich nemen und allein zum traurigen Angedenken und zur bussfertigen Anschauung, auch von wegen der grossen Schönheit des Kindes, ein Conterfei behalten. Insbesundere will der Herr nicht von dieser idee lassen. Meine Ehefrau verabreicht dem Mahler alltäglich zwei Schoppen Wein, woran er nicht genug zu haben scheinet, da er allabendlich in den roten Löwen gehet und dorten mit dem Chirurgo spielet. Ist ein hochfahrendes Subject und setze ihm daher öfter ein Schnepfen oder ein Hechtlein vor, welches in dem Quartal Conto der Madame zu vermerken ist. Wollte anfenglich mit der Kleinen sein Wesen und Freundlichkeit treiben und hat sie sich sogleich an ihn attachiret, daher ich ihme bedeutet habe, mir in meinem Process nicht zu interveniren. Wie man der Kleinen ihr verwahrte Habit und Sonntagsstaat herfürgehohlt und angelegt benebst der Schapell und der Gürtlen, so hat sie grossen Plaisir gezeiget und zu tanzen begonnen. Diese ihre Freude ist aber bald verbittert worden, als ich nach dem Befelch der Frau Mama 1 Todtenschedel hohlen liesse und in die Hand zu tragen gab, welchen sie partout nicht nemen wollen und hernachmalen weinend und zitternd in der Hand gehalten, wie wenn es ein feurig Eisen wär. Zwaren hat der Mahler behauptet, er könne den Schedel ausswendig malen, weill solcher zu denen allerersten Elementen seiner Kunst gehöre, habe es aber nicht zugegeben, sintemal Madame geschrieben hat: 'Was das Kind leidet, das leiden auch wir, und ist uns in seinem Leiden selbst gelegenheit zur Busse gegeben, so wir für ihn's tun können; derohalb brechen Ew. Wohlehrwürden in Nichts ab, Euere Fürsorge und Education betreffend. Wenn das Töchterlein dereinst, wie ich zum allmächtigen und barmherzigen Gott verhoffe, hier oder dort erleuchtet und gerettet sein wird, so wird es ohnzweifelhaft sich höchlich erfreuen, ein gutes teil seiner Busse schon mit seiner Verstockteit abgetan zu haben, welche über ihn's zu verhängen der unerforschliche Meister beliebt hat!' Diese tapferen Worte vor Augen, habe ich auch diese gelegenheit für dienlich erachtet, der Kleinen mit dem Schedel eine ernstafte Busse anzutun. Man hat übrigens einen kleinen leichten Kindsschedel gebrauchet, dieweill der Mahler sich beschwehret, dass der grosse Mannsschedel zu unförmlich seie für die kleinen Händlein, in Betracht seiner Kunst-Regula und hat sie denselben nachher lieber gehalten; auch hat ihr der Mahler ein weisses Röslein dazugesteckt, was ich wohl leiden mochte, weil es als ein gutes Symbolum gelten kann."

"Habe heute plötzlich ein Contreordre erhalten in Betreff des Tableau und soll nun selbiges nicht nach der Stadt spediren, sondern hier behalten. Es ist Schad um die brave Arbeit, so der Mahler gemacht hat, weil er ganz charmiret war von der Anmut des Kinds. Hätt' ich es früher gewusst, so hätt' der Mann für diesen Kostenaufwand mein eigen Conterfei auf das Tuch mahlen können, wenn die schönen Victualien nebst Lohn einmal drauff gehen sollen.

Es ist mir fernerer Befelch zu Handen gekommen, mit aller weltlichen Instruction abzubrechen, besonders mit dem Französischen, da solches nicht mehr nötig erachtet werde, so wie auch meine Gemahlin mit dem Unterricht auf dem Spinett aufhören solle, was der Kleinen leid zu tun scheinet. Vielmehr soll ich sie fortan als ein einfaches Pflegekind tractiren und allein fürsorgen, dass sie kein öffentlich Ärgerniss gebe."

"Vorgestern ist uns die kleine Meret desertiret und haben wir grosse Angst empfunden, bis dass sie heute Mittag um 12 Uhr zu obrist auf dem Buchberge ausgespüret wurde, wo sie entkleidet auf ihrem Busshabit an der Sonne sass und sich bass wärmete. Sie hat' ihr Haar ganz aufgeflochten und ein Kränzlein von Buchenlaub darauff gesetzet, so wie ein dito Scherpen um den Leib gehenkt, auch ein Quantum schöner Erdteeren vor sich liegen gehabt, von denen sie ganz voll und rundlich gegessen war. Als sie unser ansichtig ward,