bald froh, dass der Alte nur noch kauflustig blieb, und dieser munterte ihn auf, nur zu bringen, wenn er etwas fertig hätte (denn er bildete sich ein, der arme junge Künstler mache diese Sachen vorweg), sich ferner zu bescheiden und hübsch fleissig und sparsam zu sein, und die Zeit würde gewiss kommen, wo aus diesem kleinen Anfang etwas Tüchtiges würde; dabei klopfte er ihm vertraulich auf die Achsel und forderte ihn auf, nicht so traurig und einsilbig zu sein.
Heinrichs ganzes künstlerisches Besitztum wanderte nun nach und nach in den dunklen Winkel des immer kauflustigen Hökers; wenn es auch manchmal Monate dauerte, bis dieser wieder etwas verkaufte davon, so blieb er sich doch gleich, und hierin war es nun nicht zu verkennen, dass der Alte, so knapp er Heinrich hielt, denselben doch nicht wollte im Stiche lassen und auch bei der Befürchtung, die ganze Bescherung auf dem Halse zu behalten, denselben nicht abweisen wollte. Das war die Treue, die Gemütsehre der Armut und Einfalt. Mit diesem Wesen schmeichelte er förmlich den armen Heinrich in eine grosse Demut und Vertraulichkeit hinein; denn nicht nur erzwang er von ihm eine gute Miene zum bösen Spiel, sondern, wenn diese endlich erfolgte und Heinrich sich plaudernd und lachend ein Stündchen bei ihm aufhielt, dann aber weggehen wollte, forderte er ihn auf, nicht ins Wirtshaus zu laufen und sein Geldchen zu vertun, sondern mit ihm etwas Geschmortes oder Gebratenes zu essen. Der allein lebende katolische alte Gesell hatte nämlich bei aller Knauserei stets ein gutes Gericht in dem Ofen seines dunklen Gewölbes stehen und war ein vortrefflicher Koch. Bald war es eine Gans, bald ein Hase, welche er sich auf den Feiertag zubereitete, bald kochte er meisterhaft ein gutes Gemüse, welches er durch die Verbindung mit kräftigem Rind- oder Schweinsfleisch, je nach seinem Charakter, zum trefflichsten Gerichte zu machen wusste. Besonders verstand er sich auf die Fastenspeisen, welche er mehr aus Schleckerei als aus Frömmigkeit nie umging, und jeden Freitag gab es bei ihm entweder köstliche Fische, das heisst ziemlich bescheidene und wohlfeile Wassertiere, die er aber durch seine vielseitige Kunst zum höchsten Rang erhob, oder es duftete eine Makkaronipastete in seinem Laden, zwischen welche er kleine Bratwürstchen und Schinken hackte, welche unerlaubte Fragmente er spasshaft Sünder nannte und, indem er seinem Gast vorlegte, eifrig aussuchte und zuschob.
Hiebei blieb er aber nicht stehen, sondern eines Tages, als er den armen jungen Heiden besonders kirre gemacht, wickelte er eine fette Ganskeule nebst einem Stück Brot in ein Papier und suchte es ihm schmunzelnd in die tasche zu stecken. Heinrich wehrte sich, ganz rot werdend, heftig dagegen; wie aber der Alte den Finger aufhob und leise sagte "Na, was ist denn das? Es braucht's ja kein Mensch zu wissen!" da ergab er sich demütig in den Willen des seltsamen Mannes, der ein unerklärliches Vergnügen zu empfinden schien, den ihm fremden Menschen auf diese Weise gemütlich zu tyrannisieren. Das seltsamste war, dass er sich nicht um dessen Herkunft und Schicksal bekümmerte, nicht einmal fragte, wo er wohne, und am wenigsten den Gründen seiner jetzigen Armut nachforschte. Das schien sich alles von selbst zu verstehen.
Heinrich trug dazumal die Ganskeule wirklich nach haus. Auf der Schwelle sah er ein Bettelweib sitzen, welches ihn in so erbärmlichen Tönen um Barmherzigkeit anflehte, als ob es am Spiesse stäke, und Heinrich fuhr mit der Hand in die tasche, um hier auf die beste Weise das Nahrungsmittel anzubringen und zugleich dem Alten einen Streich zu spielen. Wie er aber die elende und hinfällige alte Frau näher ansah, da verging ihm endlich der letzte Stolz, und statt des Fleisches gab er ihr eines der Geldstücke, die er eben von seinem gönner erhalten, ging auf seine stube und ass die Ganskeule aus der einen Hand, aus der anderen das Brot, nicht um sich gütlich zu tun, sondern zu Ehren und zu Liebe der Menschlichkeit und der Armut, welche die Mutter der Menschlichkeit ist, und diese einsame Mahlzeit war gewissermassen seine nachgeholte und verbesserte Abendmahlsfeier.
So erhielt er sich ein gutes halbes Jahr, und so wenig der Alte ihm für seine mannigfaltigen Studienblätter, Skizzen und Zeichnungen gab, so waren dieselben doch so zahlreich, dass sie kein Ende zu nehmen schienen. Nie sagte ihm der Wunderliche, wer eigentlich die Sachen kaufe und was er daran gewinne, und Heinrich fragte nicht mehr darnach. Er war im Gegenteil froh, wie er nun gestimmt war, alles hinzugeben und das kärgliche Brot, welches die Welt ihm gewährte, verschwenderisch zu bezahlen, was nun freilich wieder nicht sehr demütig war; aber der Mensch lebt vom Widerspruch! Indessen war das wenige, was er erhielt, das erste, was er seinen eigenen Händen verdankte, und desnahen lernte er davon, sich einzurichten und sich mit wenigem zu begnügen. Unter seinen vielen Zechgesellen und Studiengenossen war es längst bemerkt worden, dass er gänzlich verarmt sei; niemand fragte ihn aber darum, und da er das tonangebende Wesen wieder verloren hatte oder, wenn es unerwartet sich geltend machte, in Heftigkeit und leidenschaft ausbrach, so lösten sich alle diese munteren Verhältnisse, und Heinrich zog sich zurück und fand sich bald ganz allein, oder wenn ihm dies unerträglich wurde, trieb er sich mit allerlei zufälligen Gesellen, wie sie die Ähnlichkeit des Schicksales vorübergehend herbeiführte, herum.
Gleichzeitig nahm aber sein ernährender Jugendvorrat ein Ende, nachdem er schon