mancher der Verschmähten von gleichem Range mit ihnen war und, obgleich er ein reinliches neues Schurzfell trug und in weissen Hemdsärmeln ging, doch gleich ihnen sich freute, von einem würdigen Kaufmann, Professor oder geheimen Registrator abzustammen. Für den Anblick gewann jedoch durch diese Wunderlichkeit der Tanz an Schönheit, als die Ritterpaare, Raum gewinnend, mit wogenden Federn und wehenden Mänteln in langsamem Walzer oder anderen Tänzen sich feierlich bewegten.
Doch wurde der Tanz öfters unterbrochen durch die Schauzüge, welche in immer neuer Gestaltungslust durch den Saal tosten. Bald erschien der Mummenschanz, welcher nicht satt wurde, sich in neue Märchen umzubilden und seine einzelnen Teile fabelhaft zu vermischen, bald stürmten die singenden Landsknechte vorbei, welche es so gut trieben, dass sich von diesem Feste her noch lang eine förmliche Landsknechtskultur erhielt in Bild und Lied, und deren Zechweise und verlorenes Leben als das löblichste Bild deutscher Romantik erschien. Bald gaben die Zünfte eine Schaustellung, bald führten die Narren dem Kaiser ihre Schwänke auf.
Die Meistersänger hielten in einem kleinern saal bei offenen Türen eine Singschule. Es wurde unter den zünftigen Gebräuchen wettgesungen, ein Schulfreund oder Singer zum Meister gesprochen und dergleichen. Die vorgetragenen Gedichte entielten Lobpreisungen und Danksagungen gegen den kunstsinnigen König, dann aber hauptsächlich Hecheleien der verschiedenen Kunstrichtungen, Verspottung irgendeiner anmasslichen oder eigensinnigen Gestalt der Künstlerschaft, Klagen über Verwaltung gemeinsamer Anstalten, gesellige Übelstände und solches mehr. Es war sozusagen eine allgemeine Abrechnung, und vorsorglich hatte jede Richtung und jede Grösse ihren Vertreter mit fertigem Gedicht unter die Meistersänger gesteckt. Es erklangen öfter ganz scharfe und satirische Verse, aber dieser Inhalt nahm sich höchst seltsam aus in den trockenen und feierlichen Formen, in denen er vorgebracht wurde, und mit dem komischen Wesen dieser Formen. Denn während alle Singenden in demselben eintönigen und schalkhaften Leierton ihr Gedicht sangen und in denselben Knittelversen, so wurde doch bei jedem vorher mit lautem Ausruf eine andere neue Weise angegeben, wie sie ehemals von den wackeren Meistersängern erfunden und getauft wurden. Da wurde angeblich gesungen in der "glatten Seidenweise, der rotbacketen Öpfelinweise, der Strohhalmweise, der Schreibpapierweise, in der Stechpalmweise, süssen Pfirsichweise, blauen Traubenweise, Silberweise, überhohen Bergweise, glitzerigen Turngockelweise, Rosentonweise, spitzigen Pfeilweise, krummen Zinkenweise, Orpheus' sehnlicher Klagweise", in der "gelben Löwenhautweise, stachlichten Igelweise", in der "schwarzen Agtsteinweise, blauen Kornblümelweise" wie in der "verschlossenen Helmweise". Das Gelächter war gross, wenn nach diesen pomphaften, malerischen und poetischen Ankündigungen sich immer der alte grämliche Leierton mit den trockenen Witzen hören liess. Aber nicht alle Gedichte waren dieses satirischen Inhaltes. Einige blutjunge Meistersingerlein wagten es, ihre durch den lauschenden Frauenkranz angeregten Gefühle zu äussern und diese oder jene Gestalt nicht undeutlich zu besingen. Ein blühendes Schuhmächerlein pries, um Rache zu nehmen für den Stolz, welchen die Damen beim Tanz gezeigt hatten, sein heimliches Glück bei mehr als einer goldenen Gräfin, und sogleich nahm ein lustiger Schneiderlehrling den Kampf mit ihm auf in Festsetzung der liebes- und Glücksregeln im Frauendienst. Der Schuster behauptete, dass Tiefsinnigkeit, poetisches Wesen und stolze Bescheidenheit die Frauen gewännen; der Schneider hingegen verlangte zu solchem Glücke Anmassung, Mutwillen und leichtsinniges Aufgeben der eigenen person. Hans Rosenplüt, der Schnepperer, aber schlichtete den Streit und erklärte die Frauen für wunderliche Wesen, welche stets die eine Art liebten, wenn die andere gerade nicht zu haben wäre, und dass beide abwechselnd ihres Glückes genössen.
In einer schön geschmückten grossen Nische war um Rosalien ein ordentlicher Venushof versammelt. Zwei oder drei anmutige Frauen hatten sich ihr zugesellt, weil es hier fröhlich und galant herging und sich der ganze Schwarm der Gefangenen der Schönheit mit grosser Geschicklichkeit und Aufrichtigkeit in seine Rolle fand.
In einer anderen Nische, welche mit dieser durch eine offene Tür verbunden war, hatten die Jäger ihren Sitz aufgeschlagen und einige lustige junge Mädchen zur Gesellschaft der Diana herbeigelockt. Heinrich sass Agnes zur Seite und beschützte sie insbesondere. Erikson, der wilde Mann, ging ab und zu; er konnte seiner seltsamen Tracht wegen nicht wohl tanzen noch sich in zu grosse Nähe der Frauen setzen und beschränkte sich daher, hier und dort einen Becher zu trinken oder an den improvisierten Spielen teilzunehmen. Fast bereute er, diese Rolle gewählt zu haben, und sah ziemlich unbehaglich, wie Ferdinand fort und fort Rosalien den Hof machte; sie hatte sich mit weissen Atlasschuhen versehen und tanzte zuweilen mit Ferdinand, der in seinem Hubertusgewande sehr wohl aussah und sich mit sicherm Anstande betrug. Er hatte einige kostbare Brillanten, Zeichen seines holländischen Reichtumes, in Ringen und Spangen angelegt, und die reiche Rosalie benahm sich gegen ihn mit der heiteren Ungezwungenheit, welche die gesicherten Reichen gegenseitig zu üben pflegen. Sie lachte, scherzte und strahlte von freundlichem Liebreiz, indem sie gegen alle sich hold und froh zeigte, gegen Ferdinand aber ihre Unwissenheit beklagte und bedauerte, welche sie so lange von den wahrhaft frohen und klugen Kreisen der Künstler ferngehalten habe und sie selbst jetzt nur ihre Freude, nicht aber den Ernst ihrer Arbeit verstehen lasse. Sie drückte sich aber mit so artigen und klugen Worten aus, dass Ferdinand von ihrem naiven, anmutigen geist entzückt wurde und immer weniger seine Blicke von ihr wandte oder von ihrer Seite wich. Es wehte ein süsser Hauch der Frauenhaftigkeit ihn an, wenn sie lächelte und sprach, und der Stern in ihren Locken glänzte wirklich wie der Stern der Venus.
Er fühlte eine Fesselung aller Sinne, welche ihn alles andere vergessen und alles