Behandlung seiner Wasserfarben mitteilte und mich mit aller Strenge zu deren sauberer und flinker Anwendung anhielt. Da jedoch die natur nicht in Frage kam, oder doch nur höchst überlieferungsweise, so lernte ich bald, durch das endlich erreichte Ziel, "mit Farben umzugehen", zu neuem Fleisse gereizt, gefärbte Zeichnungen hervorbringen, wie sie ungefähr als das Beste im haus verlangt wurden, einzig aufgehalten und behindert, wenn ich gesehene Farben der natur, die sich mir während des vielen Zeichnens eingeprägt hatten, anbringen wollte und dadurch mit den im Refektorium herkömmlichen Mitteln in Widerspruch geriet. Alsdann wurden meine arbeiten unrein und ungeschickt, und der Meister war froh, mich der Unachtsamkeit und des Eigensinnes zu beschuldigen. Noch lange ehe das zweite bedungene Jahr zu Ende war, sah ich nicht viel mehr und übte mich, auf den Rat des Lehrers, in den verschiedensten Fertigkeiten, die dort sonst getrieben wurden. Ich radierte, laborierte in Scheidewasser, pfuschte auf Stein herum, fertigte schlecht gezeichnete, aber buntgemalte kleine Porträts an, half den Genossen die Kupferdrucke färben, lernte solche verpacken und sonst mit allen den kleinen Geschäften solchen Betriebes umgehen, kurz, ich wuchs den Winter hindurch zu einer Art Tausendkünstler und Faktotum heran, der nun für eine Bahn, wie sie Habersaat verfolgte, reif war und eigentlich das wirklich erreicht hatte, was dieser ihm beizubringen sich verpflichten konnte, der aber von dem Ziele, das ihm vorschwebte, entfernter als je war. Ich fühlte dunkel, dass ich eigentlich erst jetzt mit einigem verstand beginnen sollte, und sah mich doch mit einer bedenklichen und leeren Fertigkeit ausgerüstet und ohne etwas Rechtes zu können. Dies gestand ich mir zwar nicht, aber es verursachte doch einen untröstlichen Widerspruch; ich langweilte mich in dem alten Kloster und blieb wochenlang zu haus, um dort zu lesen oder arbeiten zu beginnen, die ich vor dem Meister verbarg. Dieser suchte meine Mutter auf, beschwerte sich über meine Zerstreuteit, rühmte meine Fortschritte und schlug vor, ich sollte nun in ein anderes Verhältnis zu ihm treten, in seinem Geschäfte für ihn arbeiten, fleissig und pünktlich, aber gegen reichliche Entschädigung, da ich ihm gute Dienste zu leisten imstande wäre, zufolge seiner Erziehung. Es sei dies, erklärte er, das zweite Stadium, wo ich, indessen ich mich vorläufig immer mehr ausbilde, mich an vorsichtige Arbeit gewöhnen und zugleich Ersparnisse machen könne, um in einigen Jahren in die Welt zu gehen, wozu es doch noch zu früh sei. Er versicherte, dass es nicht die Schlechtesten unter den berühmten Künstlern wären, welche sich durch jahrelange anspruchlosere Arbeit endlich auf die Höhe der Kunst geschwungen, und eine mühevolle und bescheidene Betriebsamkeit dieser Art lege manchmal einen tüchtigern Grund zur Ausdauer und Unabhängigkeit als eine vornehme und ausschliessliche Künstlererziehung. Er habe, sagte er, talentvolle Söhne reicher Eltern gekannt, die es nur deswegen zu nichts gebracht hätten, weil sie nie zu Selbstilfe und raschem Erwerb gezwungen gewesen und in ewiger Selbstverhätschelung, falschem Stolze und Sprödigkeit sich verloren hätten.
Diese Worte waren sehr verständig, obgleich sie auf einigem Eigennutze beruhen mochten; allein sie fanden keinen Anklang bei mir. Ich verabscheute jeden Gedanken an Tagelohn und kleine Industrie und wollte allein auf dem geraden Wege ans Ziel gelangen. Das Refektorium erschien mir mit jedem Tage mehr als ein Hindernis und eine Beengung; ich sehnte mich darnach, in unserm haus mir eine stille Werkstatt einzurichten und mir selbst zu helfen, so gut es ginge, und eines Morgens verabschiedete ich mich, noch vor Beendigung meiner Lehrzeit, bei Herrn Habersaat und erklärte der Mutter, ich würde nun zu haus arbeiten, wenn sie verlange, dass ich etwas verdienen solle, so könne ich dies auch ohne ihn tun, zu lernen wüsste ich nichts mehr bei ihm.
Vergnügt und hoffnungsvoll schlug ich meinen Sitz zuoberst im haus auf, in einer Dachkammer, welche über einen teil der Stadt weg weit nach Norden hin sah, deren Fenster am frühen Morgen und am Abend den ersten und letzten Sonnenblick auffingen. Es war mir eine ebenso wichtige als angenehme Arbeit, mir hier eine eigene Welt zu schaffen, und ich brachte mehrere Tage mit der Einrichtung der kammer zu. Die runden Fensterscheiben wurden klargewaschen, vor dieselben auf ein breites Blumenbrett, mit der Mutter Beihilfe, ein kleiner Garten gepflanzt und inwendig die Pfosten sowie die nächste Wand mit Efeu bezogen, zu welchem im Sommer noch blühende Schlingpflanzen kamen, so dass das helle grosse Fenster von einem grünen Urwald umgeben war. Die geweissten Wände behing ich teils mit Kupferstichen und solchen Zeichnungen, welche irgendeinen abenteuerlichen Knalleffekt entielten, teils zeichnete ich mit Kohle seltsame Larven oder schrieb Lieblingssprüche und gewaltsame Verse, die mir imponiert hatten, darauf. Ich stellte die ältesten und ehrwürdigsten unserer Geräte hinein, schleppte herzu, was nur irgend einem buch gleichsah, und stellte es auf die gebräunten Möbeln, die verschiedensten Gegenstände häuften sich nach und nach an und vermehrten den malerischen Eindruck; in der Mitte aber ward eine mächtige Staffelei aufgepflanzt, das Ziel meiner langen Wünsche, und auf grosse Blendrahmen gespanntes Papier darauf gestellt; denn ich sehnte mich nach tüchtigem Hantieren in weitläufiger, handgreiflicher Materie, und da ich noch keinen Weg zur Ölmalerei offen sah, so half ich mir dadurch, dass ich einstweilen auf grobem Papiere mit Kohle, Kreide und kräftigen Farbentönen sattsam herumfegte. Ich freute mich grosser Baumgruppen und Gebirgsformen, die ich ohne vieles Grübeln hervorrief, die Einzelnheiten, die sich mir während meines Herumtreibens in der freien natur mehr oder