, die Hackert und der Förster Heunisch genannt hatten, kannte er Niemand, selbst Eugen Lasally nicht persönlich, obgleich er zuweilen eines seiner Pferde ritt. Die Sphäre, in der Lasally lebte, war ihm aus vielem Betrachte widerwärtig und auch unzugänglich.
Als er einige Schritte dem Fremden und seinem Knaben nachgegangen war, blieb er stehen. Man wird dich, wenn du dich ihnen anschlössest, für zudringlich halten! sagte er sich. Und da oben um das Schloss herumschnuppern und der Eitelkeit der dort hausenden Menschen die Folie der Neugier geben, ist doch auch wohl deine Sache nicht!
So blieb er unten, blickte noch einmal dem leicht hinaufhüpfenden Knaben nach, durchschritt einige Feldwege und kehrte wieder in die Krone zurück, wo er bestätigt erhielt, dass der Fremde wirklich aus Amerika käme und Ackermann hiesse. Aber dem Namen des Knaben kam er wieder nicht bei. Man hatte ihn offenbar nicht verstanden und sprach ein Wort aus, das ihn mehr an einen indianischen Häuptling, als an einen christlichen Taufnamen erinnerte.
Früh zur Ruhe sich legend, das stille Einatmen eines ländlichen Abends unter Sternengeflimmer und beim vollen goldgelben Julimondenschein sentimentaleren Naturen überlassend, hatte er die Absicht, am nächsten Mittag, wenn er sonst von Hackert und dem Prinzen nichts erfuhr, mit seinem Einspänner und dem anschmiegsamen Bello sich auf den Rückweg zu begeben. Kaum hatte er wohl am Abend gedacht, dass am folgenden Morgen nicht nur eine nähere Bekanntschaft mit Ackermann und seinem Knaben ihm diesen Entschluss vereiteln, sondern auch eine abenteuerliche Kette von Misverständnissen aller Art ihn so umstrikken würde, dass er sich für's Erste vom fuss des Schlosses Hohenberg nicht wieder loswinden konnte und der Lage sich aussetzen musste, dort die seltsamsten Dinge zu erleben.
Zweites Capitel
Selmar Ackermann
Als Dankmar zwar in aller Frühe aber doch wiederum wahrnahm, dass Niemand sich nach ihm erkundigte, der Prinz und Hackert wirklich verschwunden waren, wollte er noch einmal zur Schmiede gehen und vor seiner Abreise von dem alten und jungen Zeck, die ihm doch ein gar sonderbares Paar schienen, prüfenden Abschied nehmen.
Bello begleitete ihn. Das kranke und sonst so schweigsame Tier wurde an der Schmiede sogleich wieder unruhig und geriet in sein schon bezeichnetes, dem alten Schmied so widerwärtiges Kläffen und Bellen.
Es schien ihm schon von Ferne ziemlich lebendig unter und vor dem dach der Schmiede. Da standen Wagen und Pferde, die die hülfe dieser Dorfvulkaniden in Anspruch nahmen. Bauernbursche, herrschaftliche Stallknechte, auch einer von Lasally's Jokeis, der die "quihnende Laura" eben wieder in die Ställe des Schlosses zurückführte. Näher gekommen, merkte er, dass die meisten der hier Haltenden ungeduldig waren, lärmten und abgefertigt sein wollten. Aber nur der junge Zeck war zugegen und nahm in Ruhe, da er die Flüche nicht hörte, eine Arbeit nach der andern vor. Die Lärmenden mussten sich gedulden und zerstreuten sich durch Possen, die, seit sie Dankmar hörte, nur ausgelassener wurden; denn die Menschen sind geborene Schauspieler und werden, beobachtet, im Guten und Schlimmen nur rührsamer.
Bello sprang zwischen diesen Tumult mitten hinein und stöberte einen Flüchtling auf, dem seine Lebhaftigkeit doch bedenklich vorkam. Es war dies der junge Ackermann, der an der Schmiede unter ihrem von zwei Holzsäulen getragenen Vorbau dem Hufbeschlag zugeschaut hatte. Als die Reden der Bauernbursche zu derb wurden – sie kamen meist aus dem Ullagrunde, besonders vom reichen Bauer Sandrart – wandte er sich schon dem grünen Rasen zu, der rechts vom haus lag und mit Obstbäumen bepflanzt war. Dort witterte ihn Bello und beängstigte ihn.
Dankmar sah schon längere Zeit, wie der Knabe, der ihm denselben gefälligen Eindruck wie gestern machte, auch einer alten Magd zuschaute, die zwischen den Obstbäumen eine Leine zog, um auf ihr Wäsche zu trocknen, und ihr allerhand Antworten abzugewinnen suchte. Doch ein weichliches Ding! sagte er sich. Was nimmt er an der Wäsche für einen unmännlichen Anteil! Wie er die Sacktücher mustert! Ich will glauben, er ist nur neugierig und will die Buchstaben lesen, mit denen sie gezeichnet sind.
Bello hatte es vielleicht eigentlich nur auf die Alte abgesehen und erschreckte nur zufällig auch den Knaben. Dankmar bedeutete ihm Ruhe, trat dem Rasen und den Obstbäumen näher und knüpfte mit dem jungen errötenden Amerikaner ein Gespräch an.
Wo ist dein Vater, Kleiner? fragte Dankmar mit einer stimme, die ihm selber komisch vorkam, denn er suchte ihr den Ausdruck des Holden zu geben, weil sie Holdes anredete ...
Oben bei dem Schmied! war die schüchterne, verlegene Antwort; ich erwarte ihn hier.
In der Tat war das Feuer in der Esse am Verglimmen. Ein Eisen auf dem Ambos verglühte. Die Gerätschaften lagen alle so durcheinander, als wenn sie eben Einer im Nu weggeworfen hätte. Der junge Zeck konnte die Arbeit kaum allein zwingen ...
Wie gefiel es dir gestern auf dem schloss oben? sagte Dankmar, um sein Gespräch nicht sogleich wieder abzubrechen.
Mir weit besser als dem Vater! sagte der Knabe.
Der hat freilich wohl schon Vieles gesehen, was schöner ist, entgegnete Dankmar. Ihr kommt ja weit her?
Von Amerika, sagte der Knabe, und setzte nach einigem Besinnen hinzu: Aus Missouri.
Aus Missouri! Ja, ja! Man erzählte mir's schon in der Krone, bemerkte Dankmar. Da seid ihr wohl nur zum Besuche hier und werdet gewiss wieder übers Meer zurückwollen?
Das wissen wir selbst noch nicht, erwiderte der