zu sagen:
Seit ich nun weiss, dass Egon in Nizza für eine entschwundene Jugendkraft und ein wilddurchkostetes Leben letzte Sammlung und Ruhe sucht, verstehe' ich diesen Bund und begreife, dass es eine Stimmung im mann gibt, wo er von den Frauen nichts, nichts als nur noch ein schönes, heitres, ihm dankbar ergebenes Umwehen und holdes, stilles Umwalten besitzen will!
Von Rodewald nahm nur Louis Armand Abschied, den die Versicherung beglückte, dass er in Franziska Heunisch ein bewährtes, treues, sinniges, deutsches Weib sich gewonnen. Die Brüder sahen Rodewald heute' Abend wieder und trugen ihm einstweilen an Selma und Olga, an Anna von Harder, Dystra, Rudhard und die so plötzlich in die Bahn der Besinnung und des sittlichen Taktes eingelenkte Fürstin Adele die liebevollsten Grüsse auf.
Hinuntersteigend zu dem fränkischen Städtchen, wo sie von Louis Armand schieden und wo sie im Gastofe an Freunde, Bundesgenossen, auch an den Wohlweisen und Wohledlen Rat der königlichen Residenz Briefe und Eingaben schreiben und zur Post befördern wollten, blickten sie noch einmal aufwärts und sahen Rodewald mit dem Tuche winken ...
Sie wussten nicht, galt dieser Gruss ihnen oder galt er Egon, dessen Wagen in den Krümmungen des absteigenden Weges noch eine Weile sichtbar blieb, bis er sich in dem Staub und den Sonnennebeln der grossen nach Süden führenden lotringischen Landstrasse verlor.
Rodewald's Grüssen hatte aber – dem Sohne gegolten. Wie er so einsam den Gebirgskamm überstieg, überschlich ihn der wehmütige Gedanke: Du hast ihn zum letzten mal gesehen! In ihm hat ein vulkanisches Feuer gebrannt und die Hülle seines Geistes ist wohl für immer zerstört.
Erst in den Umarmungen Selma's, in den frohen Grüssen der Jungen und Alten auf dem Tempelstein, deren regierendes und beratendes Haupt er bald geworden war und nun bleiben sollte, sammelte sich Rodewald zu seinem offen dargelegten und der Welt bekannten Leben wieder, von dem wir, da die Gränze der Gegenwart wohl von uns schon längst überschritten ist, auch nur noch ahnen können, dass es reich an ernsten Pflichten und von mancher sorge getrübt verlaufen sollte, aber doch vieler eignen Freude und des erhebenderen Blickes auf die Freude Anderer sicher nicht entbehrte.
Und Oleandern einst begrüssend in dessen kleinem Erkerstübchen, alles Nahe und Ferne, Lebende und noch Webende, Abgeschnittene und doch wie die Wiederherstellung des verbrannten Schatzes hoffnungsvoll neu sich Anknüpfende, überfliegend, klagend über die durcheinanderlaufenden Fäden des Menschengeschicks und die unbefriedigend plötzlich oft durchschnittene Lösung des Momentes, vernahm er von diesem die beruhigenden, fast lächelnd gesprochenen Worte:
Ein Faden, ewig ausgesponnen,
Ist jedes Stäubchen Sonnenlicht!
Die Ewigkeit hat nie begonnen –
Was nie begonnen, endet nicht!
Ende des Romans.