mit Gold und Gut nach Amerika befördert werden, will bleiben und reden, nur damit du einst sterben sollst, ohne ein ehrliches Begräbniss zu gewinnen!
Pax schützte jetzt die ohnmächtige Freundin, liess sie fort tragen, die Menschen wichen ihr wie einem Unhold aus. Die Bedienten, Hofleute, Bauern, Alle sahen, Alle hörten schaudernd und lauschten noch, als Friedrich Zeck sich sammelnd und den Schweiss von der Stirne trocknend zuletzt zu dem mitleidbewegten Rodewald sprach:
Es ist geschehen! Alle Selbstbeherrschung war vergebens. Den wilden Teufel in der Brust bindet ganz auf Erden kein Engel. Zürnen Sie mir nicht, dass ich wie ein Insekt um die Flamme irrte, und nun doch hineinstürzte! Es ist ein Instinkt, der von mir verlangte einmal noch so zu reden, dann zu enden. Man wird in der Residenz in mir drei Menschen, Zeck, Grimm und Murray erkennen. Vielleicht, dass Einer für den Andern sprechen wird und sich die Gelehrten mühen, zu beweisen, dass Einer unmöglich der Andre sein konnte. Zu dem Instinkt gehört auch, dass ich möglich mache, das Unglück des für immer verbrannten Schreines zu hintertreiben. würde' ich, der seinen Inhalt schuf, nicht unter dem Auge des Richters leben, so würden Sie nicht die Bürgschaft finden, dass von jenem Schrein auch wirklich nur noch jene verbrannten Spähne übrig sind, mit denen ich mein eigenes Leben vergleichen möchte. Ich werde offen aussagen, wie Alles gekommen. Grüssen Sie die Bewohner des Tempelsteins nicht von mir! Ich sagte immer, dass zwischen jener reinen Sphäre und mir die ewige Verdammniss, wenigstens der Erde, liegt!
Zeck wurde so abgeführt ... Anna von Harder hatte längst schon in den Wagen flüchten müssen, die Mädchen folgten, Rodewald, nach schmerzlichem Abschied von dem nun wohl für immer Gefangenen. Man fuhr zum Tempelstein empor. Die Menschen verliefen sich, nur Fränzchen Heunisch, die mit Louise Eisold zum schloss zu Fuss gehen wollte, blieb. Mangold, der die Demütigung der Ludmer ohne Mitleid nachempfand, half den Mädchen und einigen Burschen das Tuch zusammenraffen und es in ein Haus tragen, wo der Rest von Hackert bis zu seinem Begräbniss blieb ...
Es ergab sich bald, dass Hackert an dem Versuch einer einzigen guten Tat, die er in seinem kurzen und dämonischen Leben gewagt hatte, zu grund gegangen. Die Ursache des Brandes, der den Schrein zerstörte, war in der Tat nicht der Funke vom Feuerwerk der Könige, sondern die schlafwandelnde sorge gewesen, die den Schrein im überfüllten Gastof zum St.-Georg von einer Scheune zur andern trug und gerade mit dem Lichte dem Stroh unterm Schindeldach, das Hackert im Traum hatte verlassen wollen, zu nahe kam. Er fand die Tür auf dem Verbindungsstege verschlossen, entschlief auf dem Schrein, den er niedergesetzt hatte und erwachte zum Leben nicht wieder ... Ein Dichter, wie auch wieder Oleander, sah später in diesem Zusammenhange einen ernsteren Sinn und tiefere Bedeutung. War der Schrein und sein Inhalt die irdische Hoffnung edleren Strebens für das Wohl der Menschheit, war Hackert, wie einst Dankmar an jenem Abend vor dem Fortunaball gesagt hatte, das Volk in seiner dämonischen, nicht guten, nicht bösen, rätselhaften und unheimlichen Sinnennatur, war der Aufschwung zu einer endlich reinen Tat in diesem Wesen Krankheit eher, als die edle Blüte der Gesundheit, so lagen die Gedanken nahe, die sich halb schon bei Oleander in Klängen austönten, dass der Geist ein Phönix wäre, der nur aus den Flammen eines irdischen Nestes zur reinen Sonnenhöhe aufsteigen könne, und dass da sterben müsse der Schlacke, was zum Lichte wolle. Wie in der natur Das, was seinen Dienst verrichtete, sogleich verginge, wie der Wurm in der Seide stürbe, die er aus seinem leib und Leben spönne, wie die höchste Lust die Organe des Lebens spränge, ja ein Bettler nicht lange zu bleiben vermöchte in einem allzugeschmückten haus, so säh' es auch immer schlimm aus, wenn man den grossen Kaliban, das Volk, einmal aus seiner tierischen Vegetation aufweckte, aus einem Dämmerleben, dem das Gute und Bessere sich nur im nächtlichen Wandeln nahe! Auch erwachend würde' es dann handeln wie im Traum, würde statt eines einfachen Lichtes fackeln, statt fackeln Feuerbrände geben, würde wie einst Masaniello über das Maass seiner Kraft hinauswachsen und entweder im Irrsinn oder Selbstmorde enden ....
Diese Auslegung gab Oleander Friedrich Zeck, als er ihn als Gefangenen wiedersehen musste! Man hatte versucht, den Engländer Murray, den Freund der Armen, den Wohltäter der Brandgasse für den Baron Grimm sprechen zu lassen, man hatte die Bibeln reden lassen wollen, die Morton sonst in seiner Armut zu verkaufen pflegte, aber Friedrich Zeck kam dem Verlangen, sich offen, vor aller Welt in pharisäischer Christlichkeit zu gebehrden, nicht entgegen, flehte nicht, bat nicht, bereute nicht, er ertrug die Wirklichkeit, der er einst entflohen war und trug sein Kreuz unter den Gefangenen, bei denen er vielleicht für seine Auffassung des Lebens jetzt mehr Gutes tat, als wär' er frei gewesen. Nicht lange nachher starb Friedrich Zeck, der Urheber der Schuld so vieler andren Menschen, auf der Veste Bielau, an demselben Flusse, dessen Ufer er einst in einem Rettungsnachen erreichte, wie später einmal auch Werdeck ...
Die Welle des Flusses war ihnen Allen freundlicher gewesen als einem letzten endenden Leben unsres Kreises, das wir nicht verschweigen dürfen, dem Leben