eben hielt er inne, um das Wort: Sein Sohn! zu unterdrücken, als unter den Herrschaften, die vom schloss Buchau kamen, um die Brandstätte auch zu sehen und Gaben der Liebe auszuteilen, ein Wagen auffiel. Der Schlag wurde geöffnet. Eine Dame trat heraus, schwarz, trauernd, hoch, schlank, nach ihr eine gebückte Alte ... Die Polizei, beritten, sprengte heran ... Die Scene wurde lebhaft ... Menschen drängten sich an Menschen ... und Friedrich Zeck folgte wehmütig dem Auge des hier in solchem Augenblick gefundenen Rodewald. Starr kehrte sich aber plötzlich das Weisse in dem seinen. Er ergriff Rodewald's Arm, zeigte auf einen der Wägen, auf die ihm entstiegene Dame ... es war Pauline von Harder, schon erkannt von Anna, ihrer Schwester, die sich zurückzog und die Begegnung vermeiden wollte ...
Friedrich Zeck schien bei diesem Anblick die Fassung verloren zu haben, nicht die Besinnung, sondern die Selbstbeherrschung. Seine Demut hatte ihn plötzlich verlassen. Er sah einen Fingerzeig des himmels, er "richtete", wie sein Ausdruck war, statt Gott richten zu lassen, er sprang von dem grauenvollen Tuche auf, warf die verbrannten Splitter des Schreins im Kreise umher, stürzte sich vor und stand fast unmittelbar vor Paulinen, die – vor Anna's Nähe allein schon zum tod erschrak ...
Rodewald war es, der diesmal Grossmut übte. Rodewald rettete Paulinen vor einem Augenblick, der ihr vielleicht wirklich den Tod gegeben hätte ...
Murray! rief er mit der männlichsten Überredung, hielt den wie von Raserei über Paulinen's Anblick Ergriffenen mit dem linken Arm zurück und wandte sich mit der Rechten der erblassenden, taumelnden Pauline zu, die drängenden halblauten Worte sprechend:
Steigen Sie ein! Fliehen Sie! Es ist Ihr Sohn, der da verbrannte! Fliehen Sie! Fort! Fort!
Aber Friedrich Zeck hörte nicht mehr auf des Freundes Zuruf. In dem Augenblick fielen ihm alle Hüllen, alle Masken und Verstellungen von seiner person, die ihm nichts mehr wert war, seit der Zweck seiner Rückkehr von Amerika mit dieser fürchterlichen Nacht ein Ende hatte. Er sah nur Flammen um sich, nur Zerstörung, hörte nur das Hülfeschreien der Menschen, sah Hackerten nur unter den züngelnden Feuersäulen eingeschlummert auf dem Schrein, den er krampfhaft hütete, als könnte in stiller Nacht – ein Käfer ihn stehlen; er hörte nur, dass Alles um ihn her zusammenkrachte, Sohn und das fremde Eigentum in einer Zerstörung unterging, die Hackert vielleicht als Traumwandler selbst durch das Licht in seiner Hand veranlasst hatte, vielleicht auch nicht –! was sollte er zögern, sich und Alle in die Flammen zu stürzen und unterzugehen wie Simson!
Nicht Murray, rief er auf Paulinen zuschreitend aus, nein, Der, den deine Helfershelfer suchen vom Morgen bis Abend, Der, der Euren Mörderhänden entfloh, nicht in den Wellen des Hudson schläft, nein Der, den Ihr ahntet seit dem Fortunaball, festieltet seit dem Forstause im wald und nicht zu erkennen den Mut hattet, Friedrich Zeck, der Vater dieses unglücklichen Sohnes ...
Doch schon war Pauline mit Rodewald's hülfe entfernt, losgerissen von dem Wütenden, gesichert eingestiegen ... Zeck sprang den Pferden in die Zügel, hielt sie, die schon ansprengen wollten, zurück und rief:
Hackert! Hackert! war der Name meines Sohnes! Ich bin Zeck! Der Bruder einer Mörderin, der Bruder eines Mörders! Kennt mich Niemand? Kennst du den Falschmünzer nicht, den Vater dieses Nachtwandlers, der diesen Brand entzündete? Wir sind Schuld an diesen Lichtfunken! Ha, ha, Pauline –
Aber so maasslos sollte der Strom der Selbstanklage nicht enden, denn schon hatte Pax, vom Pferde springend, den wilden Sprecher erkannt, ihn von hinten ergriffen und seinen Begleitern, die mit angriffen, als einen glücklichen Fund zugeschleudert ...
Die Ludmer, wie ein verwundeter Vogel hin- und hertaumelnd, konnte aus Furcht und Besinnungslosigkeit den Wagen nicht gewinnen. Sie flatterte fast hin und her und suchte sich zu bergen vor solchem Ruf aus den Gräbern ... Ihr half aber die Grossmut Rodewald's nicht. Paulinen's Rosse waren sich bäumend schon davon gesprengt, ohne die Ludmer. Kein Wagen stand bereit, auch sie zu entführen, sie musste die Schaalen des Zorns eines Mannes, den sie nun schaudernd selbst erkannte, bis zur Neige leeren, musste sehen, dass Mangold, jener Gärtner, in der Nähe stand und nicht half, nicht hinderte ... Aber auch die Mishandlungen der Bewaffneten hinderten Zeck nicht auszurufen:
Charlotte Ludmer! Kennst du mich, den Baron Grimm, dessen Trinkgelder du so elend vergolten hast! Komm, Unhold, leuchte mir die Treppe hinunter! Sagt' ich Das nicht in Ems drüben und sonst hundert Mal und gab dir meine erspielten, noch nicht falschen Dukaten? Und doch stecktest du über uns Allen die Welt an, lässst uns Alle verbrennen, nur weil Paul Zeck die roten Haare verstecken sollte, die an den Abend erinnern, wo schon einmal Jemand im Feuer der Sünde aufging und Einer sich nur die Augen verbrannte? Mörderin du, die aus Rache Menschenleben wie unreines wasser ausgoss! Elende, das Eine deiner Opfer stürzte sich vom Narrenturm, Das da deckt ein Leichentuch und ich will der Dritte sein, will wieder Ketten tragen, will nicht von Euch losgelassen, nicht