das er gestern Abend den Leuten im wirtshaus von Amerika erzählte. Nun ja! Das fehlte uns noch, dass zu allen Calamitäten, die wir schon auf dieser herrschaft zu überstehen haben, sich noch das Auswanderungsfieber gesellte und durch irgend einen gewandten Agenten, Das wird Herr Ackermann sein, die Leute vollends zu ihrer Arbeit keine Lust und Liebe mehr behielten! Ich liess darum schon heute in aller Frühe genauer nach diesem Herrn Ackermann forschen und erstaune, dass auch er, wie der Letzte und Beste von Allen, über Die ich zu berichten habe –
Endlich der Prinz? unterbrach ihn Melanie mit äusserster Ungeduld.
Nun wohl, sagte Bartusch, der Prinz, glaube' ich, ist da. Aber Sie würden mich ausserordentlich verbinden, wenn sie in dem äussern Anteil, den Sie an diesem Abenteuer nehmen, mein fräulein, nicht vergässen, wie streng die Vorschriften des Justizrats sind und wieviel möglicherweise darauf ankommen kann, ob und wie wir hier mit dem Erben der fürstlich Hohenberg'schen verwickelten Masse zusammentreffen.
Ja, Melanie, sagte nun die Mutter, durch Hackert's Erwähnung streng und ernst gestimmt; lass Bartusch seine ganze Meinung sagen, damit wir wissen, wie wir uns zu verhalten haben .... Des Vaters halbe Existenz beruht auf dieser Administration.
Melanie, befriedigt schon von der Tatsache, dass der vielbesprochene und abenteuerliche Fürst nun wenigstens da war, nahm aus einem der Gläser einige Blumen des Pfarrers und schwebte, ihren Duft einatmend und in sorgloser Spannung sich wiegend, im Zimmer leise auf und ab. Die Melodie, die sie dabei trällerte, störte nicht.
Der dritte Fremde, berichtete Bartusch, kam denn also gestern Nachmittag in einem kleinen Einspänner mit einem sehr ermüdeten Pferde an.
Gestern Nachmittag? unterbrach Melanie. Mit dem kleinen Wägelchen, das wir im wald trafen? Wir ritten pfeilschnell vorüber. Aber es waren zwei Herren –
Einer nur! sagte Bartusch.
Es waren zwei, erklärte Melanie. Einer fasste nach den Zügeln des scheugewordenen Pferdes, die ihm entfallen waren. Der Andere, der Andere in einer blauen Blouse, war gleichfalls im Wagen aufgesprungen und half ihm. Wir ritten zu schnell, um genauer zu beobachten. Mein Schleier flatterte zu sehr im Winde, die Mienen konnte' ich nicht unterscheiden. Auch waren Beide jung und der Eine ... der Eine schien mir viel eleganter, als für den schlechten Wagen passte ....
Von Zweien weiss ich nicht, sagte Bartusch. Der da unten in der Krone abgestiegen ist, hat in der Tat lichtbraunes Haar, zarte hände, modernen Bart und gleicht ganz dem Signalement, das uns der Justizrat vom Prinzen gegeben hat. Bald nach ihm kam auf der andern Strasse von Randhartingen her der Amerikaner, der sich Ackermann nennt, mit einem Knaben. Der wahrscheinliche Prinz hat keinen Namen genannt. Die eingeschlafenen Gewohnheiten des Nachtbuchs in den Gastäusern haben ihn auch nicht aufgefodert, einen zu nennen. Beide, der Braunblonde und der Amerikaner, schienen sich fremd und doch haben sie gemein, dass sie sich mit auffallendem Eifer nach den kleinsten Details des Schlosses und der Familie Hohenberg erkundigten. Und noch mehr, Beide fragten nach dem blinden Schmied im dorf ....
Nach Dem frägt ein Jeder, der mit einem eigenen Wagen kommt und sein Pferd beschlagen lassen will.
O nein –
Sei doch ruhig! sagte die Mutter ernst; und lass Bartusch reden!
O nein, nahm Dieser wieder seine Ermittelung des Tatbestandes wie ein Jurist auf; nicht wegen der Pferdehufe geschah Das. Der Amerikaner fragte nach dem Schmied Zeck und nach dessen alter Schwester, die im wald beim Förster Heunisch wohnt. Der Prinz aber, wenn er es ist, machte sich mit demselben alten Schmied Zeck zu schaffen, indem er behauptete, ein Schrein der ihm gehöre, wäre kürzlich von einem Fuhrmann, der ihm das Frachtstück aus der Stadt Angerode hätte überbringen sollen, bei einer Reparatur seines Wagens hier entweder verlorengegangen oder nach allen Anzeichen gestohlen worden. Den Lärm wegen jenes Schreins kennen Sie ja! Wie kommt der Prinz zur Kenntniss dieses Vorfalls? Welchen Anteil hat er daran? Ja noch mehr, wie konnte er zu dem alten Zeck sagen: Der Schrein ist gefunden worden, bemüht Euch nicht, mir den Jammer wieder auszumalen, an dem noch Peters krank darniederliegt! Ich reise morgen zurück und lasse den Schrein mir von Dem zurückstellen, der ihn gefunden hat, dem Justizrat Schlurck.
Wie, Schlurck? rief Melanie's Mutter und auch Melanie, die von dem ganzen Vorfall nichts wusste, blickte staunend ....
Ich entsinne mich des Morgens, sagte Hannchen Schlurck, wo das Geschrei eines Fuhrmanns das ganze Schloss in Aufruhr brachte. Wir hatten unsern verunglückten Ball gehabt, auf dem nur die Bürgerlichen aushielten. Schlurck war trotzdem von der heitersten Laune. Nachdem wir kaum vom ersten Schlaf erwachten, wird es unter unsern Fenstern laut. Ein Fuhrmann hat, um die Hitze zu vermeiden, in der Nacht statt am Tage fahren wollen. Beim Herabfahren vom Berge, dicht an der Schmiede, bricht die Achse und der Wagen schiesst über ihn her. Erst muss er eine Weile so gelegen haben, bis das Bellen seines Hundes die Leute weckt. Noch war hier oben Alles wach. Der Schmied wird aus dem Schlafe gerüttelt. Man packt den Wagen ab. Der Fuhrmann wird in die Schmiede getragen. Man stellt seinen Wagen wieder her. Der arme Mensch kommt zur Besinnung,