auf diese Stufen, wo einst der aus Felsen gehauene Altar stand? Noch ist die Schaale da, in der geweihtes wasser floss; sie und der Taufstein sind gefüllt vom letzten Regen, der an der Luft verdünstete. Sichtbare Höhlungen noch auf den Schwellen, wo einst der Priester die Messe las. Die Vögel nisten in den Blättern von Stein, die die obern Fensterrundungen schmücken, in den Rosen von Granit, die an den Pforten noch in einigen Resten erkennbar sind. Es ist als blühten sie neu wieder auf. Es rauscht von den Wänden, als spränge aus den Steinen die Orgel hervor, es lebt und ruft den frommen Wallern ... Sie kommen! Nicht um zu beten nur! Sie sind in Werkeltagstracht, Arbeiter im Schurzfell, gedungen der Kelle, angestellt bei dem Richtmaass und dem Cirkel, sie sind Architekten, Steinmetzen, Maurer ... wie klatschen die ledernen Schurzfelle an den Füssen, wie trägt das Antlitz Spuren des Fleisses von Kalk und Mörtel und gross muss ihr Ziel sein, denn ihrer wohl an Hundert sind es, die sich durch den Kreuzgang der Kirche zudrängen!
Hier werden Loosungen zugerufen; man versteht, man erkennt sich. Wer die Männer? und Von wo des Landes? Namen, gefeierte und dunkle; Mienen, freudige und hoffnungsvolle. Um die Stelle, wo einst der Priester Messe las, schaaren sich die Männer des geistigen Rütli. Etliche besteigen die Stufen. Wovon reden sie? Sie entüllen Pläne, Zeichnungen, Pergamente mit Siegeln. Sie zeigen sich unter einander die Rollen, die im Kreise wandern und Einer ergreift das Wort und ihm antwortet der Nachbar und Alle hören und Jeder spricht und rät und Allen gefällt, was auch nicht Jeder selbst ersann und zuerst geraten. Einige Blätter sind in Jedes Hand. Sie entalten des Bundes geheime Symbolik.
Hundert Zeugen! Die Kubikwurzel einer Million! Wir sind Boten vom vierblättrigen Kleeblatt, dem Symbol des seltenen Fundes! Vier zu vier gesellt und viermal vier zu viermal vier und so hinauf in Gruppen, Sippen, Abstufungen, wo das Band des äusseren Zusammenhanges aufhört und die Ordnung der natur anfängt, die dem Krystall überall sein eigenes Achteck lehrte. Hat sich das so fortgesponnen? Von selbst? Wodurch? Wer bist du? Und du? Wer sandte dich? Dort kennt man uns? Auch uns? Dich gewiss! An der Donau? An der Oder? Am Neckar? Hinaus in die Alpenwelt und schon auf fremdem Boden an der Rhone und an dem Temsestrand? Willkommen, willkommen, Streiter für ein unsichtbares Palladium, das über unsern Häuptern schwebt! Willkommen Ihr Ritter und Reisige vom Geist! Hört Ihr die Feste der Grossen, hört Ihr von untenher den Donner der Geschütze, seht ihr die leuchtenden Funken, die da unten von Buchau aus den Mond erreichen wollen? Ihr habt Eure Wehr und Waffen in der Brust, die da fühlt, im Haupt, das denkt! Es ist die Ordnung dieser Welt zur Ernte reif! Nicht stürze sie die schwache Menschenhand! Gestorben ist die Ähre längst, wenn sie der Schnitter mäht! Seht Ihr die gelben Felder? Seht bald die Stoppeln!
Dem festverschlungnen Bund der neuen Templer gehört die Wiege und das Grab der Menschheit!
Und einer der Maurer, von den Jüngsten Einer, trat auf und entrollte die Schrift, die er das Buch des Geistes nannte ... Es war die Symbolik des Bundes ... Man hörte sie, beschwor sie mit gehobenen Händen ... dann trat derselbe Sprecher zum zweiten Mal auf die Stufe und sprach von einem Hort, den er das Gold Fafner's nannte. Elfen hätten ihn gewoben in den tiefsten Schachten der zeiten. Er sollte ihnen dienen als Schild im Kampfe, als Lanze zum Angriff, als Schwert des Wettkampfes. Es traten Sprecher auf, die gegen diesen Hort redeten, Andere für ihn, Alle bewunderten die Eigner und eine Selbstlosigkeit, die aber zuletzt nicht mehr allein stand, denn an Opferspenden wurde Grosses versprochen nach solchem Beispiel, noch Grösseres schon von Einigen geleistet.
So scholl es fort in dem toten Schiff der Kirche, lebendig wieder, lebenweckend. Es schienen nur einfache Maurer und Steinmetzen, die da sprachen, aber ihre Münster, die sie zu vollenden gedachten, ragten über die Ruine hinaus und von ihrem Wirken in Nord, Süd, Ost, West blitzte es jetzt schon hin- und herüber, als sähe man plötzlich eine Hülle von der ganzen Welt genommen und erblickte Säulen eines Zaubertempels, der dem Lauscher die Augen blendete ...
War es ein frommer Hirtenknabe, war es der Schalk Dystra, der lauschte, war es ein Engel des Glaubens oder der ewige Dämon der Ironie und Verneinung ... um zehn war es auch ihm todtenstill unter den moosbewachsenen Steinen ... wo waren sie hin, die gekommen und mit dem Rufe: Morgen! Morgen! gingen? Sie waren verweht wie die Schwärmer und Raketen, die inzwischen in dem schloss von Buchau platzend und schnurrend sich abgemüht, viel tausend Gaffer, viel tausend Staunende gefunden hatten, aber nicht ein Auge von Denen, die durch den Kreuzgang in die Tempelkirche schritten, nicht ein Auge, das sich auch nur nach ihrem ohnmächtigen Freudenfeuerwerk zurückgewandt hätte ...
Morgen!Morgen!
Aber ach! Ein einziger Funke! Ein einziger Funke vielleicht war von dem Feuerwerk doch ein Tatenkeim gewesen, ein einziger Funke, der in das Dorf, das menschenleere, in