zurück aus dem wasser, das schon seinen Fuss benetzt hatte, erkennt einen ihm wohlbekannten jungen Mann, findet ihn hülflos, erschöpft, stöhnend, hört die Vorwürfe, die ihm für sein Beginnen von einem Menschen gemacht werden, der eben selbst zu sterben scheint. Eine Erörterung, zu der mein Sohn keine Kraft mehr hatte, ersetzte ihm ein Gegenstand, den er halbbewusstlos stumm dem Selbstmörder darreichte. Es war ein Paket von den aus der Lücke des geborstenen Schreins entglittenen Stadt-Kämmereischeinen. Was dann mit Paul geschah, weiss er selbst nicht. Er kam erst zur Besinnung in jenem Jägerhause, hörte, dass ihn dortin ein Mann in früher Morgenstunde zur Verpflegung übergeben, sich entfernt hatte, wiedergekommen wäre und dass er schon seit acht Tagen hier in diesem haus verpflegt würde und meist im Fieber läge. Ihn aber quälte nur der Schrein unter den Zweigen, auf den er sich bald besonnen. Er forschte. Man sprach unverfänglich. Dennoch liess ihm die Gefahr seines Kleinods keine Ruhe. Ohne Zweifel trieb ihn die alte Sinnenstörung, die Mondsucht, von seinem Lager, wo man ihm aus Rücksicht auf den vornehmen, wohlbekannten Mann alle Sorgfalt widmete, trieb ihn hinaus in den Wald, in's Gebüsch, wo der Schrein von ihm verborgen unter Moos und Zweigen ruhte. Dort schnupperten ihn an einem Morgen Jagdhunde auf, denn auf dem Schrein war er eingeschlafen. In der zweiten Nacht dieselbe unwillkürliche Angst im Traum, wieder findet man ihn an jener Stelle. Er ahnt, dass man Verdacht schöpft. Da treibt ihn wie rasend empor die Vorstellung der Entdeckung. Der, den er vom Selbstmorde rettete, war auf's Neue da gewesen, hatte mit ihm freundlich geredet; er besann sich wohl im Fieber der Worte: Hackert, du hast den Schrein gestohlen! Gib ihn heraus! Die Scheine, die du mir gabst, betrugen mehr als fünftausend Taler! Was beginnen wir damit, Junge? Wo ist der Schrein? Du hast ihn? Und als Paul Zeck sich im Bett wälzte, drohte ihm, er wusste nicht ob wirklich oder nur in Phantasieen, der Gerettete, sprach von Gerichten, wollte den Wald von Oben zu Unterst kehren lassen – da war, erwachend zur Besinnung, sein Entschluss gefasst. Unbekannt mit dem Bruch des Schlüsselbeines, einem Schaden, den man lange tragen, lange nicht merken kann, schleppt er sich endlich davon, holt den Schrein und wagt sich mit ihm in Richtungen weiter, die nach Westen gehen. Er findet da und dort einen Träger, einen Bauer, einen Burschen, Leute, die ihm helfen. Vorläufig nach dem Harze, nach Angerode zu! war seine Loosung, wenn er einen Bauernwagen traf und um Aufnahme bat. Aus Wald und Nacht wagte er sich nicht mehr hinaus. Hinter der Elbe trifft er auf einem Kreuzweg einen Mann, der traurig und nachdenklich auf einem Karren sitzt, auf dem er grosse Kästen voll kleiner belebter Vogelbauer fuhr. Warum seid Ihr traurig, Mann? fragte mein Sohn, sich mit seiner Bürde mühsam hinschleppend. Mein bester Freund und gönner ist gestorben, sagte der Vogelhändler. Er nannte den Präsidenten des Obertribunals, den greisen, fast neunzigjährigen Dagobert von Harder. Er liebte die Tiere mehr als die Menschen! sagte der Mann. Wenn ich zu ihm kam mit meinen Vögeln, nahm er mich auf wie einen Freund, es wird die letzte Fahrt von Angerode sein. Paul, mein Sohn, wusste, dass diesem Greise die Entscheidung des Johanniterprozesses gebührte. Ist der Rabenvater tot? fragte mein Sohn. Er fasste aber den Vater der Raben nicht wie der Vogelfänger auf, sondern im Bezug auf den Rabenstein. Höre, sagte Paul, lass den Schrein da auf deine Karre zu den Vögeln tun: sie kommen alle aus demselben Reich der Luft und die alte Exzellenz wird um uns sein und unsre Habe beschützen! Der Vogelhändler betrachtete befremdet das seltsame Stück. Plaudernd erreichte der Kranke seinen Zweck. Der Schrein wird aufgeladen. Um den Buchfinken und Zeisigen den Wald auch auf der staubigen und sonnigen Landstrasse zu zaubern, belegte ihn Paul behutsam mit abgebrochenen Zweigen, die den Schrein verdeckten. Man sah nur die hüpfenden Vögel, nicht den Schrein; der Vogelhändler schob den Karren. Paul schleppte sich hinter her. Fiebernd, elend, hinkend, mit aufgeschwollener Entzündung der Brust, aber ungefährdet kam er in Angerode an, wo der Fuhrmann Peters seine Loosung war. Er fand ihn auch, den neuen Wirt vom Pelikan, der Dankmar bis Angerode gefahren hatte und dann in der Stadt verblieb, bis er da ein kleines Besitztum verkaufen konnte. Die schmerzende Schulter hielt Peters erst nur für verrenkt. Er nahm Paul, hob, reckte ihn, wie Fuhrleute pflegen, wenn sie einen Fall erlebten. Paul schrie so laut, dass er in dem Stall, wo ihn Peters barg, kaum sicher war. Mitleidig, sagt' er mir, schauten sich sogar die Pferde um. Im Fieber war's ihm, als wären sie alle tote Gerippe und sausten durch die Luft mit klappernden Gebeinen, bohrten die Köpfe an Eichenstämme und in die Erde und sprangen wieder empor, dass sie auf den Hinterfüssen überschlugen. Den Schrein kannte Peters wohl. Er hatte den wohl hüten gelernt, er und sein Hündchen Bello, den vorbeisausend bei der Flucht am Pelikan ihnen die dort harrende Louise Eisold noch nachwarf. Er wäre vor vierzehn Tagen vom Profosshaus lieber mit Dankmar und dem Schrein zugleich