für Paul Zeck; der Mutter hatte ich die gelegenheit zu neuem Frevel nicht geben wollen, auch ihm selber nicht, ich verschwieg ihm seine Abkunft und bei seinem Sinn reicht' es hin, dass er sagte: Ich wusst' es ja immer, gestohlen hab' ich mich in die Welt, ein Bastard bin ich, ungerufen nur gekommen! Den Aufschwung meines Sohnes zu dieser Tat hab' ich erst verstanden, seit ich weiss, dass er damit viele seiner Leidenschaften hat befriedigen wollen. Ich weiss, der Stolz, die Eifersucht, ja sinnliche Liebe haben diese Tat geweckt. Stolz, dass ihn die Freunde bewundern sollen, die Eifersucht, dass ein Andrer Namens Danebrand mehr tun sollte als er; die Liebe – für ein edles seltenes, wenn auch zu weltliches und zu überreizt im Hasse lebendes und den Hass für Religion nehmendes Mädchen. Zwei Frauen waren zu allen zeiten die, die den Sohn regieren konnten, beide mutvoll, beide dem Seltsamen und Ungewöhnlichen zugetan, jene schön, diese kaum ihr Schatten, aber schön durch Heroismus und eine amazonenhafte Tugend. Sie werden meinen Sohn sehen; Sie kennen Louise Eisold! Prüfen Sie, ob da nun Feuer und wasser oder Stahl und Stein zusammenkommen würden! Mein Sohn erfand diese Flucht und wurde, als Danebrand vom Blei der Wächter getroffen in dem Durchbruch der Mauer ausatmete, von dem stürzenden Schrein fast erschlagen. Das Schlüsselbein der rechten Schulter fand sich später gebrochen. Dennoch rafft' er sich auf. Er hört den Lärm der Wachen, winkt, dass Dankmar sein Heil in der Flucht suche, ladet in der Erregung des Augenblicks die an einer Seite geborstene Truhe auf die linke Schulter, flüchtet in das Dunkel der Johanniskirche, irrt auf dem platz um sie her, sieht Schlurck's wohnung, will dort hülfe suchend an der Klingel ziehen und hofft sich in der Komturei bergen zu können. Da entdeckt er einen Mann, der eben bei Schlurck's das Haus verlässt. Er wankt näher, er blickt hin. Er erkennt schon den Schreitenden. In der Nacht um ein Uhr, verlässt Jemand – und Dieser! – das Haus? Was ist Das? Statt an der Komturei sich zu verweilen, folgt Paul dem in nächtlicher Stille dahinschreitenden Mann. Was bezweckt der Mann in so tiefer Nacht? Die Spannung der Neugier gibt ihm den Mut, seine Bürde weiter zu tragen. Ohnehin ohne Schuhe auftretend folgte er dem taumelnden, wie bewusstlos schwankenden Wanderer. Das Rasseln des Wagens, mit dem Dankmar entflohen, ist längst verhallt, die Verfolger, die er wohl anfangs auf seinen Fersen merkte, verloren die Fährte, er folgt dem Mann, der einem Tore zuschreitet. Das Tor ist wie immer nächtlich nur angelehnt, man öffnet sich es selbst. Hinaus schreitet der Taumelnde in einen Wald, der am rand des Flusses liegt; sonst war er dicht und voll von Bäumen dieser Wald, jetzt ist er durchsichtig und seines besten Schmuckes beraubt. Der Mann selbst da vor meinem Sohn, als Administrator der alten Stadt-Waldungen, hatte ihn so lichten lassen. Nichts merkt er von Hackert, der zum tod erschöpft mit dem Schrein ihm folgt, still steht, wenn Jener steht, weiter schleicht, wenn Jener vor ihm hintaumelt. Endlich stehen sie am Ufer des Flusses. Eine verschwiegene, düstere Stelle. In einiger Entfernung das Jagdhaus, in dessen Nähe mein Sohn einst einen bösen Frevel an Pferden verübte. Ihn schauderte, je näher er der Stelle kam, die ihm die unheimlichsten Erinnerungen weckte. Der Schrein schien ihm jetzt schon gezogen wie am Lenkseil des Schicksals oder seines Gewissens. Er war durch die Brandgasse, an Lasally's Reitbahn vorüber zu diesem Jagdhaus dem mann ächzend nachgeschlichen. Des Mannes Vorhaben war ihm sogleich bei dem ersten erkennen kein Rätsel. An eine Eiche beim wasser lehnt sich der nächtliche, den Lauscher nicht ahnende Wanderer. Er blickt nach der Gegend des Sonnenaufgangs, noch liegen dunkle Schatten auf dem wasser, das ruhig dahinwogt und durch hohes Schilf sich hindurchwindet, geheimnissvoll still. Mein Sohn ahnt, was geschehen wird. Die letzte Kraft, deren sein Arm noch fähig ist, wendet er an, dem Schrein mit den Händen eine Vertiefung in der Erde zu graben. Er kratzt mit den Nägeln, gräbt mit den Füssen, er presst den Schrein in eine Öffnung, die er mit Gras verstopft, mit Laub bedeckt und mit Zweigen, still von den Bäumen gebrochen, überbreitet. Jetzt wagt er sich dem am Ufer Brütenden, am Eichbaum Niedergesunkenen näher. Der sitzt, sieht in den roten Osten und grübelt. Endlich erhebt er sich. Eine Stunde ernsten Nachdenkens schien vorüber. Immer mehr rötet sich der Horizont. Schon manches Vögelchen regt sich im Ast über ihm. Der Grübler erhebt sich, bindet sein Halstuch los, wirft seinen Rock von sich, tritt dem Ufer näher, späht um sich und ist eben im Begriff, in der stillflutenden, morgenrotüberschienenen Welle seinem Leben ein Ende zu machen, als ihm aus dem Gebüsche sein Name zugerufen wird. Er stutzt. Paul reisst das Strauchwerk, das ihn schützt, mit letzter Anstrengung auseinander und schwankt dem Ufer näher, halb in den Sand sinkend, halb am Eichbaum sich haltend, wo das Tuch, der Rock, der Hut liegen. Hackert! ruft der Selbstmörder und verliert den Mut zu einer entsetzlichen Tat, deren Schein ich mir einst, wie Sie wissen, selbst am Hudson gab. Er schwankt