Tage allein auf dem Bau wollte walten lassen. Den 20. wieder sollten alle Arbeiter, die bisher in Tätigkeit gewesen waren, zurückkehren und bis in den Winter an einem Werke schaffen, das Jahre brauchte, um so vollendet zu werden, wie Dystra und Leidenfrost es im geist vor sich sahen und Dankmar Wildungen es für die Schleier, die er lange auf die hier zu haltenden Versammlungen des Bundes werfen wollte, für nötig halten musste.
Sein Herz bebte bei jedem Tage, den er näher zum Ziele kam. Alles fügte sich nach Wunsch, jede selbst unerwartete günstige Wendung traf überraschend ein, nur der Schrein blieb aus. Hackert war entweder tot oder verschollen oder entflohen. Dankmar's Verzweiflung gränzte an völlige Trostlosigkeit. Er hatte gerade diesen Besitz für unerlässlich zu der nächtlichen Versammlung auf der Tempelabtei im wald gehalten, er hatte nichts zurückgenommen von den hochherzigen Verheissungen, die er und sein Bruder der Zukunft des Bundes gegeben. Hatte der Erfolg des Prozesses auch hinter den Erwartungen zurück bleiben müssen, es war genug gewonnen worden, um seine Absicht zu unterstützen, dies Erbe des Johanniter- und Templerordens den neuen Rittern vom geist als ein Eigentum zuzuführen, von dem er für sich und den Bruder nur so viel beanspruchte, um als Verwalter desselben gegen sorge und Not sichergestellt zu sein. Er wollte auf halbem Wege nicht mehr still stehen. Was er einst verheissen, musste erfüllt werden und jedes Bundesglied, es mochte so uneigennützig fühlen, wie die Brüder selbst, musste doch zugestehen, dass ohne äussere Mittel ein Wettkampf mit den in Gold und Eisen gebetteten Irrtümern und Tatsachen dieser Zeit nicht möglich war.
Am 10. September, als Dankmar Wildungen schon einen Aufruf um das unwiederbringlich verlorene Vermögen für alle Zeitungen geschrieben, kam Louis Armand mit der frohen Botschaft: Noch drei Tage und Murray, Hackert und der Schrein sind da! Er zeigte einen Brief, den er durch Dystra empfangen. Murray schrieb Louis Armand von einem einsamen Fährhause am Rhein einen ausführlichen Bericht, von dem nicht Alles auf die Freunde berechnet war. Er las nur Das vor, was ihnen Beruhigung geben musste. Der Hort ist da! rief Dankmar und halb spottend setzte Leidenfrost hinzu: Der Nibelungen Not hat ein Ende.
Der Brief, der in seiner ganzen Ausdehnung nur für Louis Armand berechnet war, lautete so:
"Mein teurer junger Freund! Seit einem Jahr erfuhren Sie nichts von mir! Ich benutze die Adresse des Herrn von Dystra, mit dem Sie wie mit Ihren Freunden verbunden geblieben sind, um Sie mit Vorfällen bekannt zu machen, die ich Sie bitte, sogleich irgendwohin und irgendwie den Brüdern Wildungen melden zu wollen. Ich weiss von Louise Eisold, dass Sie Alle um den Tempelstein verkehren und ich schreibe lieber Ihnen, weil ich mehr sagen muss, als was den Andern verständlich ist. Kurz vor Ihrer Ausweisung aus der Residenz hatte' ich den Sohn gefunden, dessen geschichte ich Ihnen unter Sturm und Regen in dem Eckzimmer des Schlosses Hohenberg in mir unvergesslichen Stunden erzählte. Ja, Teurer, Ihnen dank' ich diesen Fund! Jener zerbrochene Ring, den Sie mir, als Sie aus dem gefängnis mich erlösten, übergaben, dies Andenken an die düstre Vergangenheit, grauenhaft noch durch die letzte Erinnerung an das Forstaus im wald und den Tod, den ich dem eignen Bruder geben musste, dieser Ring führte mir den Sohn zu, den ich so antraf, dass ich ihn zu bergen hatte, nicht jubelnd meinen Freunden darstellen konnte, selbst wenn ich vor Ihnen hätte wagen wollen, was ich selbst bei einem Engel an Güte und Liebe, der mein Sohn wahrlich nicht war, vor der Welt nicht wagen durfte. Ich zog mich in meinen Schmerz zurück. Ich sah in Hohenberg, wie ich verfolgt wurde. Ihr zeugnis, das mich des Läugnens überhob, rettete mich, wenn ich Rettung diese Freiheit nennen darf, die mir die bittersten Erfahrungen zuzog. Meinen Sohn fand ich nur in dem Augenblicke bewegt, wo er einen Vater auf dem Friedhofe gefunden hatte. Nur zu bald sank er in jene sittliche Nacht zurück, die ich damals schon in Hohenberg ahnte. Gewaltsam wollt' ich diese Nacht nicht erhellen. Ich erfuhr an Auguste Ludmer, wie das Auge des Geistes nur allmälig an den Glanz der Tugend sich gewöhnt. Ich zitterte vor dem Gedanken, noch einmal ein Gefäss der göttlichen Gnade durch gewaltsamen Eifer zu zersprengen. So liess ich den Sohn gewähren und war nur froh, dass es ihm in meiner Nähe wenigstens – wie dem Hund am Ofen war ... Ich kehrte zu meiner Kunst zurück, fand in Oleander, jenem Vikar aus Plessen, ein treues Herz, wirkte mit ihm für die Armen und Elenden und machte damit sogar ein törichtes aufsehen, ob ich es gleich vermied, von meinem Wirken zu sprechen und mich der Erfolge zu rühmen, die nur zu oft auf diesem feld täuschende sind. Ich erhielt den Auftrag, die Scheine zu stechen, die die Verwirklichung der Erbschaft Ihrer Freunde wurden. Denken Sie mein Gefühl! Denken Sie an den Baron Grimm, an seine geheime kammer, an seine falsche Kunst und jetzt derselben Gesellschaft, der ich noch meine Strafe schuldig bin, meine nun in Wahrheit dienende Hand! Sie kennen die Flucht Dankmar's, den Raub des Schreins, in dem so grosse Schätze aufbewahrt wurden. Der Räuber und Förderer der Flucht war mein Sohn. Man nannte ihn Fritz Hackert, nur mir galt er bisher allein