wollte, erregten die Bewunderung der Laien und Kenner. Es hiess, sie kämen von belgischen Malern aus Antwerpen. Wer forschte da weiter? Die Fürstin Adele wäre gern von Brüssel gekommen, um die Fenster zu sehen, wie sie dann wirklich fertig waren und in den kostbaren Gemächern hingen, aber Dystra sagte: Die erste Frau, die ausser Louise Eisold sein Schloss beträte, wäre ihm verfallen; wäre sie verheiratet, so müsste der Mann mit ihm hier die erste Lanze brechen, wäre sie Jungfrau oder Wittib, so dürfte nur ein Lindwurm sie ihm streitig machen und auch an den würde er sich wagen. Kurz er scherzte über eine Bedingung, die die Fürstin so ernst nahm, dass sie sich überwand nicht zu kommen und, wie einmal bedungen war, Olga die Vorhand liess.
Durch Dankmar Wildungen erfuhr Dystra die neuesten Vorfälle des Jahres, seine Flucht, den Verlust des Schreins. An Louise Eisold sah er die wirkung sowohl des Erfolgs wie des Mislingens auf ein leidendes und in Leiden erstarktes Gemüt. Sie hatte die Flucht geordnet. Franziska Heunisch hatte ihr Anerbieten dazu mit Selma Rodewald vermittelt. Sie war in Tempelheide gewesen, hatte Peters im Pelikan gewonnen, hatte von Danebrand, der sonst am Baue arbeitete, sich begleiten lassen, hatte das Unglaubliche erreicht durch Hackert's einzig zum Ziele führenden überraschenden Beistand. Danebrand war ein Opfer dieser kühnen Tat geworden, die gute, treue, uneigennützige Seele ... Louise schauderte bei dem Gedanken, dass von den Beiden, die im Wege standen, Mangold's Wünsche zu erhören, der Eine vom Tod hinweggerafft war und der Andre ... Was ist nur mit ihm? Wo weilt Hackert? Hatte er Alle, auch sie betrogen? Sie allein sah an Hackert die schlimmsten Seiten nicht, sie hatte sich aus seinem Leben wie jenes Huhn im hof aus dem Dünger einen Edelstein gescharrt, sie glaubte fest und heilig daran, dass hier nichts als nur der Sonnenschein der Liebe gefehlt hätte. Als Hackert ihr die Tat gelobte und Beistand versprach, in seiner Weise ohne Emphase, ohne Begeisterung, aber sicher, schlau, pfiffig Alles berechnend, was allein zum Ziele führte, als er ihr andeutete, dass er genugsam vertraut wäre mit allen Persönlichkeiten des Gerichtshauses, um sich durch verliebte Frauen, näschige Kinder, schwachsinnige Greise, trunkene Männer, die Schlüssel der Gefängnisse und Kassen anzueignen, da hatte sie zwar nicht gesagt, nicht sagen können: Hackert, ich belohne dich für alles Das mit meinem Herzen! Aber die stürmischen und kecken Liebkosungen, mit denen sie der nie rein Denkende sogleich überschüttete, hatte sie doch fast mit den Worten abgelehnt: Lassen Sie! Lassen Sie, Hackert! Vielleicht wenn es gelungen ist, dann!
Und nun hatte die Flucht diese Wendung genommen! Danebrand das Opfer, so gestorben wie einst ihr Bruder! Der Schrein und Hackert verschollen ... ein unermessliches Glück der Brüder Wildungen verloren, trotz des Briefes, der von Hackert's Hand einst mit dem Postzeichen eines kleinen Städtchens, wo alle Nachfrage nichts fruchtete, an sie gekommen. Noch glaubte, noch hoffte sie. Sie sagte zu Dankmar, als er eines Augusttages über den waldigen Bergwipfel kam, scheinbar als Schmuggler kam, da er so mit den Grenzwächtern – am besten stand und Siegbert gerade mit Louis Armand und dem Bruder zugleich anwesend war, um die wirkung der Fenster zu sehen: Glauben Sie mir, Sie können vertrauen! Hackert ist zu eitel, irgend einem Menschen, der ihn für schlecht hält, Recht zu geben. Er wird ehrlich sein nicht aus Liebe zur Tugend, sondern um Sie und uns Alle zu täuschen, zu verhöhnen, nicht einmal um mich zu erfreuen. Er liegt irgendwo krank, hat sich verletzt am Tage der Flucht. Mit genauer Not nur wird er sich irgend wohin geflüchtet haben, vielleicht zu Schlurck, der in der Nähe des Profosshauses wohnt. Er wird langsam uns folgen, denn ich sehe ja in den Zeitungen, wie man Sie und den Schrein mit Steckbriefen verfolgt. Zu kenntlich ist Hakkert und die grosse Lade wäre gleich verraten, wenn er auf gewöhnlichem Wege käme. Vertrauen Sie!
Die Freunde hörten gern ihre Ermutigungen, hielten es indess für hoch an der Zeit, dass etwas geschah, um über diesen unermesslichen Verlust Gewissheit zu haben. Ihre Zuschrift an die Behörden war schnöde und ablehnend beantwortet worden. Um so mehr, hiess es, könnte die Amortisation nicht gestattet werden, als auch der Stecher der Platte zu den Stadtkämmereischeinen seit einiger Zeit verschwunden und es entdeckt wäre, dass dieser mit Hackert, dem wahrscheinlichen Beförderer der Flucht, auf das Vertrauteste bekannt war. Man verwies die Brüder auf die feierliche Übergabe, den eignen Frevel der Flucht und der Wiederaneignung, man erklärte sich nur vor einem Nichteinhalten der Emissionstermine wahren zu wollen und verwies die Bittsteller auf die Folgen ihrer Unternehmungen, die sie sich selber zuzuschreiben hätten.
Am Tage des Nikodemus, den 15. September, sollte der erste Bundestag auf dem Tempelstein gefeiert werden. Der Königliche Hof war zufällig zu gleicher Zeit in Buchau zugegen. Leidenfrost richtete es im Interesse der Sicherheit der Versammlung so ein, dass schon den 8. September alle Arbeiter des Baues auf zwölf Tage entlassen wurden. Die Löhnung wurde gezahlt, als wenn sie arbeiteten, aber die Pause sollte, hiess es, benutzt werden zu künstlerischen arbeiten, zu denen fremde Steinmetzen, fremde Maler, fremde Bildhauer kämen, die man einige