mutlos geworden, Fürst! Sie beneiden Ihre alten Freunde um das Glück ihrer Märtyrerschaft! Sie finden die Schicksale dieser Wildungen wunderbar. Sie ermatten im Kampfe für Ihre unendlich wahreren Ideale! Soll ich, ein Weib, Ihnen Kraft und Ausdauer predigen? Egon, was ist Ihnen Rodewald? Seit dessen Rückkehr sind Sie ein Schatten, sind nicht der Widerschein mehr Ihrer früheren Grösse! Finden Sie Rodewald ab! Ich biete Ihnen zur Lösung seines Pachtvertrages mein Vermögen! Verweisen Sie ihn auf Grund seiner verlornen Heimatsrechte, auf Grund des Schutzes, den er dem Staatsverbrecher lieh, auf Grund des Vorschubes, der von Plessen und Tempelheide aus doch unwiderleglich der Flucht Wildungen's geleistet wurde, des Landes – Egon, haben Sie Mut, Vertrauen! Nochmals, ich biete Ihnen die Benutzung meiner eignen Mittel! Befreien Sie mich von dem Verdachte, dass Sie nicht ertragen können, von mir abhängig zu sein! ..."
An dieser Stelle zerriss Egon das Billet, warf es zur Erde und würde die mit dem fuss getretenen Fetzen aus Zorn unbedacht haben liegen lassen, wenn die Fürstin sie nicht gesammelt und ihm zurückgestellt hätte, ohne einen blick hineinzuwerfen ...
Ohne ein weiteres Wort durchschritt Egon den Garten, verliess ihn, ging über die kleine Hoftreppe in seine Zimmer. Der Diener folgte ... Die Fürstin hielt sich zurück, treu ihrem Systeme der Nichteinmischung in Dinge, für die ihr Lust und Beruf fehlten ...
Zwei Worte genügten dem Fürsten, um dem hof anzuzeigen, dass er sich heute gegen Abend definitiv aussprechen würde ...
Es stand bei ihm fest, Das, was er war, ganz oder es nicht zu sein ... Pauline von Harder hatte Recht, seit Rodewald's Rückkehr war Egon ein Tyrann der Konsequenz ... das Wort "abhängig sein", von dieser Frau gesprochen, wühlte ihm wie ein Dolch in der Brust ...
Der Bediente wollte gehen, das Billet zu hof tragen ... Noch zögerte er und meldete:
Der Generalpächter Herr Rodewald wünsche Se. Durchlaucht zu sprechen ...
Egon hörte nicht ... Er war in zu fieberhafter Bewegung ...
Herr Rodewald ...
Wer? ... Der Schrecken des vorigen Jahres im schloss Hohenberg wiederholte sich erst.
Der Bediente sprach die Meldung noch einmal; der Wunsch Rodewald's, jetzt vorgelassen zu werden, war der dringendste.
Die wirkung dieses Namens auf den Fürsten kennen wir ... Dasselbe Erblassen, dasselbe Beben ... wie auf dem schloss Hohenberg ... aber die Sammlung war nach fast einem Jahre der Gewöhnung und Überlegung vorbereiteter ... Der Fürst fasste sich, winkte und liess den Generalpächter eintreten ...
Heinrich Rodewald trat ein ...
Zwölftes Capitel
Vater und Sohn
Rodewald hatte in denselben Zimmern gewartet, wo er einst von Louis Armand die frohe Botschaft von dem vermeintlichen Eigner jener Locke empfing, die auf seinem Herzen ruhte ... er hatte voll Trauer die alabasternen Bildsäulen betrachtet, von deren Anblick er damals gern den Knaben Selmar zurückgehalten hätte ... er war bangend über die Teppiche auf und nieder geschritten, die damals jenen dem Justizrate zugeschleuderten "Schurken" in seinem Widerhall milderten ... dieselbe Welt und wie verändert durch die Zeit!
Wie Rodewald eintreten sollte zu Egon von Hohenberg, dem Sohne Amanden's, schlug dem Vater das Herz, er hätte es hören können, wenn nicht sein Ohr betäubt gewesen wäre. Nur unwillkürlich griff er mit der Linken nach der klopfenden Brust ... in der Rechten hielt er mit der Ehrerbietung, die seiner Stellung zukam, den Hut ... Er war schwarz gekleidet, gab sich von natur würdevoll und überragte weit seine Stellung.
Egon stand vor ihm mit dem Stern auf der Brust ... Er hatte in der Frühe schon einer Repräsentation beigewohnt ... Er trug diesen Stern jetzt fast wie eine Waffe.
Stumme, lautlose Begrüssung ...
Herr Rodewald? begann der Fürst mit einem unwillkürlichen Schauer. Er hatte diese Gestalt, diese imponirende Würde, diese edle Bildung des Hauptes nicht erwartet ... er wollte seinem Tone Barschheit geben ... er konnte nicht; der leise am Vater schimmernde Silberglanz des Scheitels milderte seinen strengen Vorsatz ...
Durchlaucht ... zu Befehl ... war Rodewald's fast zitternd vorgetragene Antwort.
Habe Ursache Ihnen sehr dankbar zu sein ... Ihre Verwaltung verspricht ... oder vielmehr Sie leisten schon, was Sie versprochen haben ...
Rodewald gewann an Sicherheit der Unsicherheit des Fürsten gegenüber. Dieser Empfang musste ihn, wenn er schon von Egon's Herzen eine geringe Meinung hatte, vollends erkälten. Wozu diese kurzen, abgestossenen Sätze! dachte er. Soll Das als Vornehmheit gelten? Soll Das Strafe für meine Beziehung zu Dankmar sein? Warum mir diese Unfreundlichkeit? An eine Bekanntschaft mit seinen Beziehungen zur Mutter dachte er nicht. Er wusste, dass die einzige Verräterin nur Pauline sein konnte und worin grade ihr Stolz, ihre Eifersucht sich gegen Amanda gesträubt hatte, wusste er nicht minder ...
Die zehn Jahre, begann er, die mir Ew. Durchlaucht anfangs gestattet haben, sind grade nur das Maass der Zeit, das ich brauchen würde, um Soll und Haben einigermassen in Einklang zu bringen. Auf Gewinn würde erst nach dieser Frist zu rechnen sein.
So? sagte Egon kalt,